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Ein Theater in drei Ländern: «Die Grenze im Kopf soll weg»

Das Walk-Tanz-Theater wagt sich an ein Pionier-Projekt. Ein Theater, das in einem Zugwagen während der Fahrt von Feldkirch nach Buchs sowie draussen an den Bahnhöfen gespielt wird.
Alexandra Gächter
Im Feuerwehrdepot in Salez werden seit mehreren Wochen die Szenen für die Theatereinlage am Buchser Bahnhof geprobt. (Bild: PD)

Im Feuerwehrdepot in Salez werden seit mehreren Wochen die Szenen für die Theatereinlage am Buchser Bahnhof geprobt. (Bild: PD)

«Am Zug» heisst das neueste Projekt des Walk-Tanz-Theaters. Es ist wohl das einzige Theater, bei dem der Zuschauer seine Identitätskarte mitnehmen muss, und das in drei Ländern gespielt wird. Viermal überqueren die Zuschauer mit dem Zug eine Grenze. Von Feldkirch fahren sie nach Nendeln von dort nach Buchs und denselben Weg wieder zurück. Das Projekt fragt dabei «Wie viel Grenze braucht die Nation?». Das Theater wird im Rahmen von Feldkirch 800 – eine Feier für die 800-jährige Stadt Feldkirch – Ende Oktober aufgeführt. Mit dabei ist eine Amateurtheatergruppe aus dem Werdenberg. Unter der Leitung der Saxerin Elena Colaianni proben die zehn Personen derzeit im Feuerwehrdepot Salez für ihren Auftritt am Bahnhof Buchs.

Kriegsgeschichte aus dem Zollarchiv

Die Werdenberger Darsteller sind ein Teil eines grossen Projektes. 50 Personen aus Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz agieren zusammen. Ein Sonderzug wird gemietet, er fährt die Bahnstrecke über die drei Länder ab. Im Zug wird performt, an den Bahnhöfen Feldkirch, Nendeln und Buchs ebenfalls. Professionelle Schauspieler aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien erzählen drei Reisegeschichten von drei Autoren aus Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Initiiert wurde das Theaterprojekt von Brigitte Walk. Die Vorarlbergerin ist zuständig für die Gesamtinszenierung und kennt Buchs aus ihrer Kindheit. «Buchs ist anders, aber wunderschön. Wir fuhren jeweils mit dem Zug ins Werdenberg. Ich kann mich ans Seeli erinnern und an den Hohen Kasten. Nachdem wir in der Migros einkauften, fuhren wir mit je einem Päckli Nudeln und Mehl zurück. Da wir die Waren nicht verzollten, war es als Kind eine aufregende Erfahrung.»

Der Zug, und somit das Theater, startet am Bahnhof Feldkirch mit einer Performance über das Wegfahren, über Zweifel und Mut. Während der Fahrt werden drei Reisegeschichten erzählt. Eine davon ist wahr und wurde im Zollarchiv gefunden. In den 40er Jahren des vorherigen Jahrhunderts versteckten sich slowakische Juden in den Kohlewaggons, welche von Osteuropa via Feldkirch nach Buchs gefahren wurden. In Feldkirch, nur ganz kurz vor dem Ziel – der rettenden Schweiz – wurden die Slowaken entdeckt und direkt in ein Konzentrationslager geschickt.
Die anderen Geschichten handeln über die Sehnsucht und über die Liebe mit Grenzen sowie über die Poetik des Reisens. Die Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz wird an der Rheinbrücke passiert. Die Liechtensteiner Akrobatin und Tänzerin Tamara Kaufmann performt auf der Brücke. Der Bahnhof Buchs markiert den harten Grenzposten für alle, die aus dem Osten kommen und am Fremdengleis auf Perron drei einfahren. Daneben läuft der Alltagspendelverkehr, man sieht ein wenig Güterverschub und riesige, leere Hallen.

Wir sind die «Generation neu»

Das Stück, welches am Bahnhof Buchs gespielt wird, heisst «Hebt den Blick, dann seht ihr keine Grenzen». Die Akteure fragen, ob sie hier sein dürfen, ob sie hier richtig sind und zu wem sie gehören. Die Personen am Bahnhof Buchs werden nach Alter, Grösse und Geschlecht sortiert. Es geht um den absurden Versuch, Leute einzuteilen. Dies wird kritisch hinterfragt. Jugendliche rufen, sie seien die «Generation neu». Für sie gibt es keine Grenzen. Diese Passage gefällt Brigitte Walk besonders. «Die Grenze im Kopf soll bei den Menschen irgendwann einmal weg sein.»

Vorstellungen ab Bahnhof Feldkirch um 19.45 Uhr am 18./19./20./
23./24. und 25. Oktober. Ende am Bahnhof Feldkirch um 22.10 Uhr.

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