Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein Skater für die elfte Olympiamedaille

An den Olympischen Sommerspielen 2020 in der japanischen Hauptstadt Tokio ist diese Sportart zum ersten Mal olympisch. Auch Liechtenstein hat in dieser neuen olympischen Disziplin einen potenziellen Medaillenkandidaten.
Ruben Bucher
Jonny Giger könnte Liechtenstein an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio vertreten. (Bild: Raphael Rohner, FM1Today)

Jonny Giger könnte Liechtenstein an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio vertreten. (Bild: Raphael Rohner, FM1Today)

Knapp sieben Monate ist es her, seit Tina Weirather an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Bronzemedaille holte. Es war das erste olympische Edelmetall für Liechtenstein nach 30 Jahren. Ausserdem errang Weirather mit ihrer Bronzefahrt die zehnte olympische Medaille für Liechtenstein. Was erstaunt: Alle zehn Medaillen wurden von Skifahrern gewonnen.

Dies könnte sich jedoch ändern. In zwei Jahren finden die nächsten Olympischen Sommerspiele statt. In der japanischen Hauptstadt Tokio werden vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 die 32. Olympischen Spiele ausgetragen. Erstmals im Programm ist auch die Sportart Skateboarden. In dieser neuen olympischen Disziplin gibt es auch einen potenziellen Teilnehmer und Medaillenanwärter aus Liechtenstein: Jonathan «Jonny» Giger.

«Skateboarden ist eine Art Mentor für mein Leben»

Seitdem er zwölf Jahre alt ist, steht Jonny Giger auf dem Skateboard. Der heute 25-jährige Gamser, der auch den Liechtensteiner Pass besitzt, hat sein Hobby zum Beruf gemacht, ist seit zwei Jahren Profi und gehört zu den besten Flatgroundskatern der Welt. Für ihn bedeutet das Brett mit den vier Rollen alles. «Skateboarden ist anders als die meisten Sportarten, denn es gibt nur wenig Sportarten, bei denen man so oft hinfällt», sagt Giger. Es sei extrem schwierig, die grundlegenden Tricks zu lernen und man habe nie ausgelernt. Es gebe tausende verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von den verschiedenen Tricks und da könne man seine eigene Identität zum Ausdruck bringen. Doch Skateboarden ist nicht nur ein Sport, es ist ein Lebensstil, der das Leben von Giger stark prägt. «Ich habe vieles von den vier Rollen gelernt und in dieser Weise sind sie gewissermassen eine Art Mentor für mein Leben.»

Seit Mitte September 2016 ist Jonny Giger Pro, also Profi. Für ihn war es die Verwirklichung eines Traums. «Ich habe nicht immer daran geglaubt, dass die Möglichkeit besteht, mit Kickflips meine Miete zu bezahlen. Es steckt auch sehr viel harte Arbeit hinter der Verwirklichung von Träumen, das verstehen nicht sehr viele.» Dennoch habe er es geschafft, was aber nicht nur Vorteile mit sich bringe. «Der Job verändert sich natürlich, da die eigene Passion zur Arbeit wird. Es ist klar ein Job und an manchen Tagen kann man das Skaten nicht mehr wie früher für sich selbst geniessen», so Giger. Aber damit komme er gut klar und mittlerweile sei er sehr diszipliniert, was seine Arbeit betrifft.»

YouTube als wichtige Einnahmequelle

Doch was macht so ein Skateboard-Profi? «In erster Linie skatet man», sagt Giger mit einem Lächeln. Aber für ihn sei das nicht trainieren. «Ich gehe mit dem Begriff Training sowieso eher vorsichtig um. Es gibt selten einen Skater, der behauptet, er trainiere.» Denn das höre sich für ihn nicht nach viel Spass an, sondern eher nach einem Müssen. Und wenn der Spass fehle, sei auch der Lerneffekt entsprechend klein. «Richtige Arbeit für mich ist das Filmen meiner Tricks für meinen YouTube-Kanal. Da muss ich meistens richtig dafür kämpfen, aber am Ende fühlt sich das Resultat sehr befriedigend an.»

Und genau diese Arbeit für seinen YouTube-Kanal, den mehr als 200 000 Leute abonniert haben, ist so wichtig für den Gamser. «YouTube ist sehr wichtig für mich. Auf der einen Seite ist es eine direkte Einnahmequelle, auf der anderen Seite bleibe ich so nahe bei meiner Community und zeige ihnen, dass ich ständig etwas liefere.» Die Internetplattform ist aber längst nicht die einzige Einnahmequelle des 25-Jährigen. Er habe verschiedene Standbeine wie YouTube, Patreon oder auch Influencer-Aufträge. «Das meiste Geld kommt aber von Sponsoren.»

Skateboarden ist olympisch:
Fluch und Segen zugleich

Dass Skateboarden olympisch wird, ist schon seit einiger Zeit bekannt. Damit auch Liechtensteiner an den Start gehen können, muss diese Sportart jedoch einem Verband und dem LOC angehören. Dafür wurde Ende März an der Hauptversammlung des Liechtensteiner Eishockey- und Inlineverbands (kurz LEIV) die Sportart Skateboarden in den Verband aufgenommen und gehört seither auch dem LOC an. Dieser Schritt war nicht nur für Jonny Giger von grosser Wichtigkeit. «Es ist sehr wichtig, dass jemand das Skateboarden in Liechtenstein repräsentiert. Auch bei immer noch steigender Beliebtheit ist Skateboarden eine Randsportart und für Aussenstehende schwierig zu verstehen. Ich denke, dieser Schritt führt zu einer höheren Akzeptanz und mehr Verständnis.»

Dadurch wurden auch die Olympischen Spiele für Giger zum Thema. Doch wie findet es der 25-Jährige eigentlich, dass sein Sport plötzlich olympisch wird? «Die Meinungen zu den olympischen Spielen sind in der Szene sehr gespalten. Man kann davon halten, was man will. Fakt ist, dass Skateboarden olympisch ist, ob man nun jammert oder das ganz toll findet.» Man müsse die Möglichkeiten zum Ausbau von Skateboarden vor den Augen behalten und er denke, dass sich einiges positiv verändern kann, wie die Förderung von Vereinen und die Errichtung von neuen Anlagen. Doch auch bei Giger gibt es Zweifel. «Skateboarden ist schwer zu bewerten. Es gibt keine Bestzeit, man zählt keine Tore und die verschiedenen Fahrweisen sind auch Geschmacksache. Man muss sehr viel davon verstehen, um etwas einigermassen beurteilen zu können. Wenn man selbst nicht skatet, sieht vieles ähnlich aus. Es sind sehr viel feine Unterschiede und ich bin gespannt, ob dieser komplexe Sport Zuschauer anspricht, die sich bis anhin gar nicht damit auseinander gesetzt haben», so Giger. Eine Entscheidung ziehe immer auch negative Auswirkungen mit sich. Es werde ganz klar Marken geben, die Skaten in eine massentauglichere Richtung stossen wollen, um selber höher Produktabsätze zu erzielen. Dies stehe im Widerspruch zum eigentlichen Sinn vom Skateboarden.

«Werde auf jeden Fall für Liechtenstein starten»

Auch wenn der Weg noch lang ist und die Olympischen Sommerspiele erst in zwei Jahren stattfinden, ist Jonny Giger bereit für eine Teilnahme in Tokio, auch wenn dies nie ein Ziel von ihm war. «Ehrlich gesagt war es kein Ziel von mir, aber bis anhin war das Ganze ja auch nicht olympisch. Wie meine Chancen bei einer potenziellen Teilnahme stehen, kann ich bisher noch überhaupt nicht sagen.»

Da bleibt also nur noch eine Frage zu klären: Für welche Nation würde der liechtensteinisch-schweizerische Doppelbürger starten? Für Jonny Giger ist das ganz klar: «Vom Schweizer Verein sind bereits vor fast einem Jahr Fehlinformationen proklamiert worden, was ich als schwer verwerflich, unprofessionell und peinlich erachte. Meiner Meinung nach wurde vom olympischen Komitee in der Schweiz ganz klar der falsche Verein aufgenommen. Jungen Talenten wurden falsche Hoffnungen gemacht», sagt Giger. Für ihn sei das ein klares «No-Go».

Daher sei ihm der Entscheid, welches Land er repräsentieren möchte, sehr leicht gefallen. «Aus allen diesen Gründen werde ich ganz klar für Liechtenstein starten. Seit der Eröffnung des Skateparks Vaduz bin ich fast täglich dort», erklärt Giger seinen Entscheid.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.