Interview

Ein Sarganserländer, der im Obertoggenburg wohnt, ist seit 20 Jahren Dienstleister für die Landwirtschaft

Markus Hobi leitet seit vielen Jahren das Landwirtschaftliche Zentrum St.Gallen mit mehreren Standorten, unter anderem in Salez.

Adi Lippuner
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Markus Hobi vor dem Neubau des LZSG in Salez.

Markus Hobi vor dem Neubau des LZSG in Salez.

Bilder: Adi Lippuner


Ende 2019 ist Markus Hobi 20 Jahre kantonaler Beratungsleiter und seit 2004 Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen (LZSG) mit den Standorten Salez, Flawil und den Aussenstellen in Kaltbrunn und Sargans.

Der Sarganserländer hat nach der Matura Agronomie studiert und lebt seit 30 Jahren mit seiner Familie in Neu St.Johann im Toggenburg.

In den Jahren 2000 und 2004 gab es markante Änderungen bei der landwirtschaftlichen Bildung und Beratung. Was hat sich damals verändert?

Markus Hobi: Das LZSG ist das Ergebnis der Reorganisation der landwirtschaftlichen Bildung und Beratung im Jahr 2004. Bereits im Jahr 2000 wurden die kantonalen Fach- und Beratungsstellen an den damaligen Landwirtschaftsschulen Flawil und Sennwald und an der Bäuerinnenschule Custerhof zusammengelegt. Im Leistungsauftrag des Kantons führt das LZSG 15 Beratungs- und Fachstellen. In Salez betreiben wir das Tagungszentrum mit Verpflegung und Übernachtung, einen Gutsbetrieb, die Obstanlage und den Staatswingert in Frümsen sowie die Praxisversuchsflächen in Flawil. Zudem erfüllen wir einen Lehrauftrag für den Beruf Landwirt und die Bäuerinnenausbildung, den das Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs in der Infrastruktur des LZSG in Salez für den ganzen Kanton St. Gallen, für beide Appenzell und das Fürstentum Liechtenstein durchführt. Auch konnten wir die Hauswirtschaft Ostschweiz gewinnen, die überbetrieblichen Kurse der Berufslehre Fachfrau Hauswirtschaft der ganzen Ostschweiz in unseren Schulungsräumen anzubieten.

Welche Bilanz ziehen Sie aus der damals durchgeführten Reorganisation?

Wir haben die Chancen genutzt, die sich daraus ergaben. Am Standort Flawil konnte die Praxisversuchstätigkeit im Anbau besonderer Ackerkulturen wie beispielsweise Ölsaaten und die Versuchsanlage im Obstbau entwickelt sowie die Beratung gestärkt werden. Am Standort Salez konnten wir mit dem Neubau, der Schulkäserei, einem Schulungsraum im Gutsbetrieb und einem neuen Kursgebäude im Staatswingert ausgezeichnete Voraussetzungen für die Aus-, Weiterbildung und Beratung schaffen.

Wir konnten die ehemalige Landwirtschaftsschule Sennwald zum kantonalen Zentrum für die Landwirtschaft mit Ausstrahlung über die Kantonsgrenzen hinaus weiter entwickeln.

Der neue Markt Low-Tech Holzbau findet grosse Beachtung, sodass seit der Eröffnung im Frühjahr dieses Jahres wöchentlich mehrere Besichtigungen und Veranstaltungen stattfinden. Meine Frau meinte erst kürzlich: «Wann kommst du heute Abend heim? Oder hast du wieder eine Führung?».

Die Senntumsschellen im Speisesaal des LZSG faszinieren den Wahltoggenburger Markus Hobi.

Die Senntumsschellen im Speisesaal des LZSG faszinieren den Wahltoggenburger Markus Hobi.

Was fasziniert Sie an ihrer Aufgabe?

Die Vielseitigkeit unseres Kantons mit Gemüsebau, Obstbau, Ackerbau, Milchwirtschaft und den grossen Alpregionen macht unsere Beratungstätigkeit sehr vielseitig und spannend. Ich kann auf sehr engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen und sehe meine Rolle vor allem darin, dafür zu sorgen, dass sie ihren Auftrag möglichst gut erfüllen können. Wir verstehen uns als Dienstleister für die St. Galler Landwirtschaft. Wir verkaufen Beratungen, Kurse, Lektionen, Mittagessen, Übernachtungen, aber auch Milch, Käse und Wein.

Welchen Bezug haben Sie zur Landwirtschaft und was ist der Grund, dass Sie sich für das Agronomie-Studium entschieden haben?

Ich bin auf einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb am Flumserberg aufgewachsen. Mein ganzes familiäres Umfeld war bäuerlich. Die Freude an den Kühen war ausschlaggebend für meine Berufswahl, ein Agronomiestudium an der ETH mit Vertiefung Nutztierwissenschaften zu absolvieren.

Die produzierende Landwirtschaft ist einem ständigen Wandel ausgesetzt. Welche Themen beschäftigen Sie und die Berater aktuell am meisten?

In der Beratung steht die Förderung einer leistungsstarken, nachhaltig produzierenden Landwirtschaft im Vordergrund. Konkret bedeutet dies, Entscheidungshilfen bereitzustellen und in Kursen die Landwirte zu unterstützen, alle Produkte in Spitzenqualität herzustellen. Neue Technologien in der Landwirtschaft wie die Robotertechnik und Forderungen der Gesellschaft nach einer umweltschonenden, bodenschonenden und zunehmend auch einer Landwirtschaft mit einem möglichst geringen Ausstoss an Klimagasen, verlangen von uns in der Beratung, neue Schwerpunkte zu setzen.

Neue Schadorganismen, wie die Kirschessigfliege und neu auch der Maiswurzelbohrer, aber auch die Neophytenbekämpfung fordern uns.

Wir unterstützen die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Kantons mit konkreten Projekten und stellen unser Fachwissen in den Programmen Landschaftsqualität und Biodiversitätsförderflächen zur Verfügung.    

Ein wichtiges Thema – auch in nicht-bäuerlichen Kreisen – ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Wie stark beschäftigt dies die Berater?

Wir haben in den letzten Jahren bereits begonnen, unsere Pflanzenschutzprognosedienste im Ackerbau und in den Spezialkulturen weiter auszubauen. Auch hier erkennen wir neue Technologien, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter reduzieren werden. So konnten auch wir in diesem Jahr unsere über den ganzen Kanton installierten Wetter- und Messstationen auf den neuesten technologischen Stand bringen. Die Messstationen und die wöchentlichen Feldkontrollen liefern uns die Daten für unseren Pflanzenschutzprognosedienst. Damit leisten wir einen Beitrag, umweltschonend Obst, Reben und Ackerkulturen in hoher Qualität zu produzieren.

Sie sind Sarganserländer, das verrät schon Ihr Dialekt. Aus welchem Grund leben Sie im Toggenburg und was gefällt Ihnen an Ihrer Wahlheimat?

Ich war viele Jahre Betriebsberater im Obertoggenburg und damals war diese Tätigkeit noch mit einer Wohnsitzpflicht verbunden.

Unsere Kinder sind im Toggenburg aufgewachsen und verschiedene Funktionen und Aufgaben verbinden mich mit dieser sehr schönen Region. Zudem mache ich nach wie vor alpwirtschaftliche Beratungen im Toggenburger Alpgebiet.

Ein Bergbauer und Skilehrer mit Englischkenntnissen hat mir vor bald 30 Jahren einmal gesagt – love it or leave it (liebe es oder lasse es)! – ich habe gewählt und liebe das Toggenburg, was mich natürlich nicht hindert, immer wieder auch auf meinem Bergheimetli am Flumserberg zu «chlütteren».