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Ein radikales Leben für den Tierschutz: Edith Zellweger aus Salez

Edith Zellweger aus Salez ist über die Regions- und Landesgrenzen hinaus bekannt für ihre kompromisslosen Aktivitäten zum Schutz der Tiere. Wo andere aufgeben und hinschmeissen, kommt sie erst recht in Fahrt.
Christian Imhof
Edith Zellweger in ihrem Zuhause. Die 65-Jährige ist eine bekennende Sympathisantin der Tierbefreiungsfront. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Edith Zellweger in ihrem Zuhause. Die 65-Jährige ist eine bekennende Sympathisantin der Tierbefreiungsfront. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Seit über 35 Jahren setzt sich die heute 65-jährige Edith Zellweger für Tierrechte ein. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie Missstände entdeckt und anprangert, welche sie nicht akzeptieren kann.

Enttäuscht vom Tierschutzverein

Die Anfänge ihrer Passion hat die engagierte Frau noch heute bildhaft in Erinnerung. Als sie nämlich 30 Jahre alt wurde, wollte jemand sie als Mitglied des Tierschutzvereins Sargans Werdenberg gewinnen. Doch dessen Aktivitäten, welche an der Jahreshauptversammlung vorgestellt wurden, empfand Zellweger als nicht zielführend. «Ich glaubte immer, die Tierschutzvereine seien vorbehaltlos für die Tiere da und würden für deren Rechte kämpfen, doch dieser Verein hat mich eines ganz anderen belehrt», stellt sie fest.

Sympathisantin der Tierbefreiungsfront

Sie nahm die Sache dann selbst in die Hand und startete mit einem damaligen Vorstandsmitglied, das mittlerweile verstorben ist, ohne Wissen der anderen Tierbefreiungsaktionen. Edith Zellweger sagt von sich, dass sie auch heute noch eine bekennende Sympathisantin der Tierbefreiungsfront ist.

Ursprünglich war es ihr Ziel, im Hintergrund zu agieren. Doch als sie feststellte, wie wenig alle in diesem Verein bereit waren, etwas zu bewegen, sah sie keine andere Möglichkeit, sagt sie. Sie exponierte sich immer mehr öffentlich für die Rechte der Tiere.

Von Schlachthäusern geschockt

Zellweger redet nicht nur von Tierschutz. Sie ist selbst seit über 30 Jahren Veganerin und stellt das Wohl der Tiere über alles. Sie hält fest:

«In den vielen Jahren meiner Tierrechts- und Tierschutzarbeit habe ich versucht, meinen Mann so wenig wie möglich mit hineinzuziehen, damit wenigstens er zu Hause ist und sich um die Tiere kümmern kann, sollte ich doch noch im Knast landen.»

Prägend für diese Lebensweise waren sicher ihre Wurzeln, denn sie ist in einer Metzgerfamilie aufgewachsen. Schon als Kind waren ihr die Gräueltaten der Fleischwirtschaft, wie sie es nennt, suspekt. Sie sah es als etwas Abscheuliches an, das nicht richtig sein könne. In ihrer Jugendzeit habe sie einige Schlachthäuser von innen gesehen. Was da mit den Tieren «abgehe», könne sich kein normal denkender und fühlender Mensch vorstellen, klagt sie an.

Radikalität brachte ihr Häme und gesundheitliche Schäden

Ihr radikales Einstehen für die Tiere brachte ihr nicht nur Häme, sondern auch gesundheitliche Schäden. Nach einer Diskussion über die «Tiermenschenesserei» wurde sie derart verprügelt, dass eine Hirn-Schädeloperation nötig war.

Ein Teil ihrer Schädeldecke musste dabei künstlich erneuert werden. Sie erlitt zudem eine Blutung, die sich verfestigt hatte und mit der Zeit an ihre Hirnhaut angewachsen war. Dadurch war ein Tumor entstanden, und es musste ihr auch noch ein Teil der Hirnhaut ersetzt werden, schildert die radikale Tierschützerin.

«Buchstäblich durch die Hölle»

Dass sie noch lange nicht fertig ist mit ihrer Mission zeigte sich auch, als bei ihr eine Krebserkrankung festgestellt wurde. Die Chemotherapie hat sie zwar überlebt, doch diese hielt nur 3,5 Jahre an. «Beim zweiten Ausbruch des Krebses ging ich buchstäblich durch die Hölle. Ich musste dieses Mal eine viel stärkere Chemo machen und dazu noch eine mehrtägige hochdosierte Chemo mit anschliessender Stammzellentransplantation.»

Edith Zellweger ist nach einer schweren Erkrankung wieder gesund.

Edith Zellweger ist nach einer schweren Erkrankung wieder gesund.

Während der Therapie bekam sie einen schweren Infekt, eine Lungenembolie und ein schweres Leberversagen. Sie blickt zurück: «Ich war nur noch ein kleines Pünktchen, eingeschlossen in meinem Körper, und ich wusste, dass ich sterben werde, wenn ich nicht mehr aus dieser Situation herauskomme.»

In dieser schweren Zeit hat Edith Zellweger sich vorgenommen, falls sie den Weg zurück ins Leben finde, sofort eine Tierstiftung zu gründen. So wollte sie sicherstellen, dass die von ihr geretteten Tiere sowie ihre Tierschutz- und Tierrechtsarbeit abgesichert seien.

Ein Lebenswerk mit Nachhall

In diesen Nahtod-Momenten realisierte sie auch, dass sie nie einen Ausgleich zu ihren aufreibenden Tierschutzaktivitäten hatte. «Ich wusste auf einen Schlag, dass ich etwas ändern muss, wenn ich weiterleben möchte. Und ich sagte zu mir, ich muss unbedingt einen eigenen Tierrettungshof auf die Beine stellen, um dort mit den Tieren in Ruhe und Frieden zusammenleben zu können. Nur so würde mein Körper und meine Seele noch heilen können, damit ich noch ein paar Jahre weiterleben kann.»

Aus dem Geld, das sie sich in einer Firma hart erarbeitet hat, und aus einem Teil der Pensionskasse ihres Mannes habe sie dann die Stiftung «Zellweger Animal Foundation ZAF» realisiert, erzählt sie.

Der Traum vom Paradies für die Tiere

Aktuell arbeite sie, so schildert Edith Zellweger, nebst vielen anderen Aktivitäten im Tierschutz- und Tierrecht, daran, den Traum von einem Paradies für die Tiere zu erschaffen, in dem auch sie selbst ganz bescheiden und voller Demut, Achtsamkeit und Dankbarkeit leben könne. Die Stiftung, in der alle Stiftungsräte ehrenamtlich tätig sind, sei noch am Anfang, aber die Hoffnung sterbe zuletzt, diesen Traum Realität werden zu lassen, betont sie.

Ihr grosses Engagement gegen das Tierelend stösst aber nicht immer auf offene Ohren in der Region. Das zeigt ein Rückblick auf das erste Kastrationsprogramm der Zellweger Animal Foundation ZAF, das von November 2018 bis Ende Februar 2019 lief und bei dem zirca 50 Tiere in der Region kastriert wurden.

Zwar erhielt Zellweger 1500 Franken Unterstützung von ihrer Wohnortgemeinde Sennwald, doch bei allen anderen Gemeinden in der Region Werdenberg blitzte sie ab. Darüber ist sie masslos enttäuscht: «Sie meinten, es ginge sie nichts an. Das ist eine Schande und eine bodenlose Frechheit – besonders für die reiche Stadt Buchs.»

Kastrationen sind das A und O

Schon vor Jahren habe sie in der Region, jedoch unter einem anderen Namen, bereits ein Kastrationsprogramm über drei Monate hinweg angeboten. Damals wurden zirca 100 Tiere kastriert. Zellweger fügt hinzu: «Ausserdem lasse ich schon seit 35 Jahren immer wieder viele Tiere kastrieren. Ich platziere kein unkastriertes Tier. Ich habe schon gerettete Ziegen, auch die weiblichen, kastrieren lassen, damit kein weiteres Tierelend mehr entstehen konnte.»

Aktuell arbeitet Edith Zellweger daran, ihren Traum von einem Paradies für Tiere zu realisieren, in dem auch sie selbst leben kann.

Aktuell arbeitet Edith Zellweger daran, ihren Traum von einem Paradies für Tiere zu realisieren, in dem auch sie selbst leben kann.

Die Kastrationen von Tieren hat sie in ihrer Tierschutz-Laufbahn auch schon ins Ausland geführt. So wurden beispielsweise in Sri Lanka und Bulgarien 20000 respektive 2000 Tiere kastriert. Neben dem Tierschutzprojekt habe sie vor Ort in Sri Lanka auch noch arme und kranke Menschen sowie Familien mit Kindern mit Kleidern, Esswaren, Matratzen, Schulbüchern und Spielsachen versorgt. Sie habe diese entweder in der Schweiz zusammengebettelt oder vor Ort von Geld gekauft, die ihr Bekannte mitgaben, erzählt Edith Zellweger.

Kastrationen im Rheintal laufen

Die inzwischen wieder gesunde Tierschützerin betont, dass das Kastrationsprogramm ihrer Stiftung weiter geht: «Seit Anfang April 2019 bis Ende April 2020 können alle von Lienz bis Au ihren Hund oder ihre Katze bei der Tierarztpraxis Kreuzberg in Gams oder bei der Kleintierpraxis in Au, ohne Rückfrage mit uns, anmelden und kostenlos kastrieren lassen.»

Dieses Programm sei jedoch vorwiegend für Leute gedacht, für die eine Kastration ein finanzielles Problem darstellt, und für Leute, die herrenlose Katzen füttern. Sie hoffe, dass es keine Leute gebe, die dieses Programm schamlos ausnutzen werden.

«Wir arbeiten mit diesen Tierärzten zusammen, da sie uns einen angemessenen Tierschutzrabatt geben, denn schliesslich müssen die Kosten für die Stiftung finanziell tragbar sein.»

Bevor das neue Kastrationsprogramm gestartet worden sei, habe sie alle Gemeinden in diesem Gebiet angeschrieben und um finanzielle Unterstützung gebeten. Dieses Mal wendete sich das Blatt zum Guten, freut sich Edith Zellweger, denn 14'000 Franken kamen zusammen. Dies sei ein Riesen-Erfolg für die Tiere, für die Stiftung und ihr Anliegen, erklärt die 65-Jährige stolz, das habe es schweizweit noch nicht gegeben.

Auch unzufrieden mit dem Bundesrat

Es zeige zugleich, dass das Tierelend in der Region wahrgenommen werde, was sie von den Regierenden in Bern leider nicht behaupten könne. Sie ist unzufrieden mit dem Schweizer Bundesrat, der eine Motion zur Kastration von freilaufenden Katzen abgeschmettert habe, und dass die Anliegen von Tierschützern und Tierrechtlern in Bern entweder nicht ernst genommen oder schon gar nicht erst an die Hand genommen würden, wie sie sagt.

Doch sie werde bis zu ihrem letzten Atemzug weiterkämpfen. Denn ihr Lebensmotto ist und lautet:

«Wo ein Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht!»

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