Elsbeth Maag las über Rigoberta: Ein Lebenskampf für Friede und Freiheit

Der zweite Abend im Rahmen des Zyklus «Himmlische Weibsbilder» war der guatemaltekischen Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu gewidmet.

Werner Vetsch
Drucken
Teilen
Mit fiktiven Briefen setzte sich Elsbeth Maag mit Rigoberta Menchu in Verbindung. (Bild: Werner Vetsch)

Mit fiktiven Briefen setzte sich Elsbeth Maag mit Rigoberta Menchu in Verbindung. (Bild: Werner Vetsch)

Die 60-jährige Rigoberta Menchu entstammt dem Volk der Mayas und bemüht sich heute als UN-Sprecherin für die Stärkung der Rechte der indigenen Bevölkerung weltweit.

Beim Betreten der Herz-Jesu-Kirche in Buchs beherrschten sieben lebensgrosse und eindrucksvoll belichtete Eichenholzskulpturen des Toggenburger Künstlers Det Blumberg das Innere des sakralen Raumes und regten zur näheren Betrachtung an. Besondere Beachtung wurde Rigoberta Menchu zuteil.

Elsbeth Maag las vor, Uli Zeitler begleitete

Mit facettenreichen, fiktiven Briefen setzte sich die bekannte Buchser Lyrikerin Elsbeth Maag mit Rigoberta Menchu in Verbindung und liess die Zuhörenden eintauchen in die oft widerlichen Lebensumstände der indigenen Minderheit im zentralamerikanischen Staat. Mal bewegt begleitet und unterstützt, mal sanft untermalt durch Uli Zeitler auf Klavier und Orgel formten sich Wort und Klang zu einem wahren Kunstwerk.

Anfangs kommunizierte Elsbeth Maag prägnant anhand eines Vergleichs zwischen der Jugendzeit der beiden. Hier Nachkriegszeit, einfaches Leben, warme Stube, volle Teller, frohes Singen, Mithilfe im Stall, Freiheit; dort Bürgerkrieg, kein Schulbesuch, unmenschliches Schuften auf Plantagen, Unterdrückung, permanente Angst, Hunger, abscheuliche Gräueltaten.

Unbändiger Einsatz für Menschenrechte

In einem weiteren Brief reflektierte die Lyrikerin die Beweggründe, die Rigoberta Menchu zu ihrem unvorstellbaren Kampf gegen krasse Menschenrechtsverletzungen bewogen. Angesichts des unablässigen, jedoch oft wirkungslosen Widerstandes gegen die Militärdiktatur, der willkürlichen Inhaftierung des Vaters mit Todesfolgen, der Vergewaltigung und Tötung ihrer Mutter sowie der Folterungen und Hinrichtung ihres Bruders richtete Elsbeth Maag die brennende Frage an Rigoberta Menchu: «Woher nahmst du die unendliche Kraft zum Kampf für Gerechtigkeit; hattest du noch Tränen; kannst du verzeihen?» Diese erschütternden Tatsachen und eine nicht nachvollziehbare Zivilcourage rüttelten auf und es stellten sich essenzielle Fragen unseres Daseins. In einer sehr subtilen Weise verstand es Elsbeth Maag ausgezeichnet, mit einem eigenen Gedicht und dem Zitat von Rigoberta Menchu «Das Volk hat getrommelt und die Erde ist aufgebrochen» den Blick aus den Abgründen der Menschheit wieder hoffnungsvoll himmelwärts aufzurichten.

In einem anderen Brief erwähnte Elsbeth Maag die Friedensnobelpreisträgerin des letzten Jahres, die jesidische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad, die vor allem den Genozid an ihrem Volk an den Pranger stellte und gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe kämpfte. Dies führte zur berechtigten Frage an Rigoberta Menchu: «Hast du dich über die Preisverleihung an Nadia Murad gefreut oder war es eine bittere Enttäuschung für dich, dass 26 Jahre nach deiner Ehrung der Freiheitskampf immer noch nicht beendet ist?»

Elsbeth Maag gelang es im Dialog vorzüglich, das schwere Schicksal von Rigoberta Menchu, ihre bewundernswerte Kraft, ihren unbändigen Mut und ihre Würde ihrem persönlichen Empfinden entsprechend zu reflektieren, Betroffenheit auszulösen, aber auch Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Pfarrer Erich Guntli wandte sich abschliessend an Elsbeth Maag: «Du sassest in direktem Blickkontakt zu Rigoberta Menchu und warst ihr so nahe, und dir, Uli Zeitler, ist es bestens gelungen, die bewegenden Worte mit einfühlsamer Klavier- und Orgelmusik noch mehr zum Schwingen zu bringen».