Ein kleiner Stier trumpft ganz gross auf

Stier Gino von Hobbyzüchterin Monika Graf aus Azmoos wurde an der 20. Highland Cattle Show in Wittrach im Kanton Bern zum Rassesieger der männlichen schottischen Hochlandrinder gekürt.

Jessica Nigg
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Erst ein Jahr alt und bereits Rassesieger der schottischen Hochlandrinder in der Schweiz: Natürlich sind da Züchterin Monika Graf (links) und Mitbesitzerin Corinne Bamert stolz.(Bild: PD)

Erst ein Jahr alt und bereits Rassesieger der schottischen Hochlandrinder in der Schweiz: Natürlich sind da Züchterin Monika Graf (links) und Mitbesitzerin Corinne Bamert stolz.(Bild: PD)

Der einjährige «Gino von Tratt» gehört nicht nur der Rasse der schottischen Hochlandrinder an, sondern ist sogar der schönste Stier des Jahres. Ausgezeichnet wurde die kleine, schwarze und zottelige Schönheit an der 20. Highland Cattle Show vom 30. und 31. März. Gino, der in einem Stall auf der Wartauer Tratt geboren und aufgezogen wurde, wurde einerseits zum besten männlichen Absetzer bestimmt und sicherte sich überdies den Titel des Rassesiegers (männlich).

Richter Matthew Auld, der eigens aus dem schottischen Glasgow angereist war, zeigte sich begeistert von diesem schottischen Hochlandrind «made in Wartau». Monika Graf freute sich natürlich über dieses grosse Kompliment: 

«Dem Richter gefiel Gino so gut, dass er ihn am liebsten mit nach Schottland genommen hätte für die Zucht.»

Obwohl er noch ein Jungspund ist, vermochte Gino an der Viehschau der Hochlandrinder zu überzeugen. Das liegt einerseits an seinen höchst vorteilhaften Anlagen und dem ruhigen und anständigen Auftreten, aber natürlich auch am Styling. Für den Ring wurde der junge Schönling noch einmal so richtig «aufgemotzt», um den Blick der Jury auf seine vorteilhaften Zonen zu lenken.

«Ginos Haar wurde gescheitelt, um den Rücken ideal zu präsentieren», erklärt Monika Graf. Das Haarkleid soll luftig und fluffig fallen: dafür wurde das Fell gebürstet, gesprayt, aufgeföhnt und im Form gezupft. Als weiteren Glanzpunkt wurden Ginos noch relativ kurze Hörner poliert.

«Ich bin so stolz, dass Gino diesen Preis gewonnen hat. Er ist hier auf der Tratt geboren und aufgewachsen», erzählt Monika Graf. Sie hält auf dem Tratthof drei Mutterkühe und deren Kälber. «Für mich ist das nur Hobby, ich bekomme keine Beiträge und bezahle alles selbst», erklärt sie und ergänzt:

«Andere haben Pferde, ich meine Hochlandrinder.»

Monika Graf trainiert mit ihren Hochlandrindern schon von klein an. Sie gewöhnt  die Kälber ans Halfter, geht mit ihnen spazieren, übt Treppen steigen oder lässt sie über Holzstämme springen. All dies mit dem Ziel, dass die Rinder darauf vertrauen, dass ihnen an der Hand ihres Menschen nichts passiert. Auch die Mutterkühe vertrauen Monika Graf vorbehaltlos. Sie darf sich sogar auf sie setzen.

Sind die Kälber ein Jahr alt, werden sie verkauft. Seit vielen Jahren arbeitet Monika Graf mit Ernst Bamert zusammen, der Stiere für die Zucht vermietet. «Er weiss es sehr zu schätzen, das die Stiere von der Tratt so zahm sind», erklärt sie. Für seine «berufliche Zukunft» als Deckstier ist es sehr wichtig, dass der jetzt noch kleine – aber irgendwann vielleicht bis zu 900 Kilo schwere Gino sich kontrollieren lässt und nicht jedes Mal komplett aus dem Häuschen gerät, wenn wieder irgendwo ein Damenbesuch ansteht. Nur so sei der Transport in die vielen verschiedenen Ställe zu bewerkstelligen.

Kürzlich verkaufte Monika Graf den jungen Stier Gino an Bamert, der eine Bullenvermietung betreibt. Er war es auch, der Gino nach dem Kauf zur Schau der Vereinigung der Hochlandrinder, der Highlandcattle Society Switzerland, angemeldet hatte.

Geld verdient man eher mit anderen Rassen

Monika Graf und ihre Highlandrinder haben eine sehr vertrauensvolle Beziehung zueinander. (Bild: Jessica Nigg)
6 Bilder
Stier Gino ist auf der Wartauer Tratt aufgewachsen. (Bild: PD)
Zuckersüss - ein drei Wochen altes Highland-Kalb. (Bild: Jessica Nigg)
Monika Graf mit Ginos Mutter, Tina von Tratt. (Bild: Jessica Nigg)
Gino ist Sieger bei den männlichen Absetzern, sowie Rassesieger. (Bild: PD)
Monika Graf mit dem Nachwuchs auf der Tratt. (Bild: Jessica Nigg)

Monika Graf und ihre Highlandrinder haben eine sehr vertrauensvolle Beziehung zueinander. (Bild: Jessica Nigg)

Viele Besitzer von Hochlandrindern besitzen keine eigenen Stiere. «Die meisten betreiben das Halten und die Zucht von Schottischen Hochlandrindern aus Liebhaberei, denn diese Rasse ist nicht rentabel. Sie haben deshalb meist auch nur wenige Tiere.» Hochlandrinder wachsen langsam und werden vergleichsweise spät geschlechtsreif. «Bis man sie schlachten kann, dauert es mindestens zwei Jahre. Das ist nicht, was Landwirte heute wollen. Um rentabel arbeiten zu können, brauchen sie Rinder, die schnell schlachtreif sind», erklärt Graf.

Monika Graf war früher Krankenschwester und Naturheilpraktikerin mit einer Praxis in St. Moritz, ihr Mann war Pistenchef und Rettungschef im Engadin. Vor elf Jahren sind sie ins Wartau gezogen, um nochmals etwas Neues anzufangen. Die Liebe zu den Hochlandrindern entdeckte sie auf einer Reise durch das Vereinigte Königreich.

«Schon damals faszinierten mich diese Tiere – nun, viele Jahre später, darf ich täglich die Gesellschaft dieser grossartigen Tiere geniessen.»

Vom Norden Schottlands in die Schweiz

Das Schottische Hochlandrind, Highland Cattle oder Kyloe genannt, ist eine Rasse des Hausrindes. Die ersten Tiere wurden 1884 registriert. In der Schweiz galten Hochlandrinder lange als Exoten; der Import aller Rindviehrassen, die nicht vom Bund gefördert wurden, war bis Mitte 1995 verboten. Mittlerweile leben hier über 9000 Hochlandrinder. Die auffallendsten Rassenmerkmale des Highland Cattle sind der kurze, breite Kopf mit den weit ausladenden, mächtigen Hörnern und das zottige, aber nicht krause Haarkleid. Die lebhaften Augen sind zum Teil von einem langen, buschigen Haarschopf überdeckt. Das Maul ist kurz und breit mit grossen Nüstern. Stiere erreichen eine Widerristhöhe bis 130 Zentimeter und bis zu 900 Kilogramm, Highland-Cattle-Kühe werden bis 120 Zentimeter gross bei maximal 550 Kilogramm Gewicht. Hinter der massigen Fassade verbirgt sich ein gutmütiger, willensstarker und treuer Charakter. (jn/pd)