«Wir haben noch nie so schöne Trauben geerntet»: Für Markus Hardegger ein Jahr zum Freuen, Staunen und Nachdenken

Beim Treffen der Rebpaten stehen Schwerpunktthemen zur Auswahl. Gestaunt wurde über die hohen Öchslegrade, welche bei der aktuellen Ernte gemessen wurden.

Adi Lippuner
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Rebmeister Mario Eggenberger erklärt mitten im Rebberg die Merkmale der Traubenreife.

Rebmeister Mario Eggenberger erklärt mitten im Rebberg die Merkmale der Traubenreife.

Mehrheitlich leere Rebstöcke sind beim Treffen der Rebpaten im Frümsner Staatswingert eher selten. Die Lese der weissen Müller-Thurgau erfolgte bereits am 3. September, wie Markus Hardegger, Leiter Fachstelle Weinbau, am Samstagnachmittag den Anwesenden erklärte. Die Blauburgunder-Trauben konnten am 19. September mit 100 Öchsle­grad (Zuckergehalt) und einen Tag später aus den oberen Lagen gar mit 106 Öchslegrad geerntet werden.

«Für mich ist dies ein Jahr zum Freuen, Staunen, aber auch Nachdenken,» so Markus Hardegger.

«Wir haben noch nie so schöne Trauben geerntet, dies ist ein Grund zur Freude. Es ist aber auch ein grosses Staunen darüber, was die Natur schafft, dagegen stimmen die ständig neuen Wetterrekorde nachdenklich.»
Von Markus Hardegger erfahren die Rebpaten, was es braucht, um neue Reben zu erhalten. (Bilder: Adi Lippuner)

Von Markus Hardegger erfahren die Rebpaten, was es braucht, um neue Reben zu erhalten. (Bilder: Adi Lippuner)

Der Gegensatz zum Vorjahr mit später Blüte, Frostnächten und einer mageren Ernte sei sehr gross. «Dieses Jahr, mit einem Klima wie auf der Alpensüdseite, wurden auch Trauben reif, die wir noch nie reif ernten konnten, beispielsweise die Rosenkranztraube.»

Vom Steckling zur Rebe

Gut gelaunt begaben sich die Rebpaten zu den verschiedenen Posten, um mehr über das Thema Rebbau zu erfahren. Markus Hardegger zeigte, was beim Erziehen einer jungen Rebe beachtet werden muss. Vermehrt werden Rebstöcke mit Hilfe von Unterlagenholz, welches mehrheitlich ausserhalb der Schweiz produziert wird, gezogen. Mit dem Omega-Schnitt, einem im Erwerbsrebbau gebräuchlichen Vorgehen, können Unterlagenholz und die Stücke eines gesunden Rebstockes mit der gewünschten Sorte verbunden werden. «Nur wenn die beiden Teile innerhalb von sechs bis acht Wochen zusammenwachsen, entsteht ein neuer, noch wurzelnackter Rebstock», so die Ausführungen des Fachmanns.

Bei Rebmeister Mario Eggenberger war zu erfahren, wie die Traubenreife beurteilt wird. Nebst dem sensorischen Eindruck, also dem Probieren der Traubenbeeren, gibt es auch optische Merkmale wie die Festigkeit und Farbe der Beere. Weiche Traubenbeeren bedeuten, dass die sich in der Reifephase befinden. Bei weissen Traubensorten sind die Beeren gold-gelb bis gold-braun, wenn sie geerntet werden können. Blaue Traubensorten sind blau, blau-violett oder violett. Die Kerne reifer Traubenbeeren lösen sich, wenn der richtige Reifegrad erreicht ist, vom Fruchtfleisch. «Zudem sind Kerne reifer Trauben braun, sind sie noch grün, bedeutet dies, die Frucht ist noch nicht erntereif.»

Die Natur steht im Mittelpunkt

Weitere Posten für die Rebpaten, welche sich im Vorfeld des Anlasses für ein Thema entscheiden mussten, waren die Ausführungen von Bio-Winzer Edi Geiger über Bio-Rebsorten und Bio-Weine, die Möglichkeit, mit Katrin Berger natürliche Kosmetikprodukte herzustellen oder das Drechseln mit einheimischen Hölzern mit Albert Moser. Wer vertiefte Informationen zu seiner Paten-Rebsorte wünschte, begab sich mit Barbara Oppliger auf einen Rundgang und erfuhr einiges über die Herkunft, Abstammung und Bedeutung der Rebsorte, für die jedes Jahr ein Patenschafts-Beitrag entrichtet wird.