Dokumentarfilm von Kuno Bont über elf Menschen und ihr Leben in Buchs läuft im Kino

Kuno Bonts Dokumentarfilm «Home Run» läuft von heute Donnerstag bis Dienstag im Kino Kiwi Treff. Er vermittelt ein interessantes Bild von elf Menschen und dem Leben in der Provinzstadt Buchs.

Heini Schwendener
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Der Werdenberger Filmemacher Kuno Bont vor dem Plakat seines neuen Werks «Home Run – Ein Dorf träumt Stadt». (Bilder: Heini Schwendener)

Der Werdenberger Filmemacher Kuno Bont vor dem Plakat seines neuen Werks «Home Run – Ein Dorf träumt Stadt». (Bilder: Heini Schwendener)

Auf der Pendenzenliste des Werdenberger Filmemachers Kuno Bont stand schon lange eine filmische Gesellschaftsstudie über das Leben in Kleinstädten. Letztlich hat er sich dafür entschieden, dieses Projekt vor seiner Haustüre umzusetzen.

Getreu dem Motto «Die Menschen, nicht die Häuser, machen die Stadt» hat er elf Protagonisten ausgesucht, die mit ihren persönlichen und ehrlichen Erzählungen ihrer Geschichte und ihres Lebens in Buchs dem Film den roten Faden geben.

Eine Stadt oder eben doch (noch) keine?

Entstanden ist kein Werbefilm für Buchs, sondern ein Dokumentarfilm über Buchs, den Kuno Bont mit dem Untertitel «Ein Dorf träumt Stadt» versehen hat. Diese Ambivalenz scheint im Film immer wieder durch. So war für den Stadtpräsidenten das uneingeschränkte Ja der Bürgerversammlung zur Stadtbennenung ein Höhepunkt in seiner Karriere. Derweil verrät eine Hausfrau und Feuerwehroffizierin: «Ich sage noch immer, ‹ich gehe mit den Kindern ins Dorf›.» Und ein Hauswart und «Krempler» aus Buchs meint: «Ich möchte nicht in einer Stadt leben.» Buchs empfindet er also (noch) nicht als Stadt.

Doch Buchs ist unbestritten ein urbanes Zentrum in einer ländlichen Region. Mit allen Vor- und Nachteilen. Zu ersteren zählt der kulturelle Aufschwung, was einen Gesangslehrer und Sänger freut, der, als er hierhergezogen war, Buchs noch gar nicht als künstlerisches Zentrum wahrgenommen hat. Der Einzug des «Städtischen» habe dies zum Glück verändert. Filmeinspielungen vom Fabriggli, den Werdenberger Schloss-Festspielen und vom Krempel dokumentieren dies ebenso wie die Einweihung des Bushofes. Er ist mit seiner filigranen Architektur für Ankommende eine erste urbane Visitenkarte.

Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur (rechts), und Stadtpräsident Daniel Gut mit Gattin Käthi bei der Filmpremiere.

Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur (rechts), und Stadtpräsident Daniel Gut mit Gattin Käthi bei der Filmpremiere.

Ankommende im Bahnhof gab und gibt es viele. Davon und vom Bedeutungsverlust des Bahnhofs sowie vom Bähnlerleben erzählen mehrere Protagonisten im Film. Auch Menschen, die in Buchs angekommen sind, erhalten das Wort. Sie erzählen beispielsweise davon, dass sie in der Schweiz reich werden möchten, wie schwierig es war, den Schweizer Pass zu erlangen oder wie Integration im Mikrokosmos der Familiengärtner abläuft.

In einigen Voten «Alteingesessener» ist spürbar, dass sie nicht nur Freude an dieser Entwicklung haben, «aber man kann sich ja die Kundschaft nicht aussuchen». Dass Multikulti nicht immer funktioniere, hänge aber wohl mit beiden Seiten zusammen, sagt ein «Urbuchser» – durchaus selbstkritisch.

Nach der Filmvorführung gab es beim Apéro genügend Diskussionsstoff.

Nach der Filmvorführung gab es beim Apéro genügend Diskussionsstoff.

In dieser stetigen Veränderungen unterworfenen Zeit gibt es auch bewahrende Kräfte, personalisiert im Film etwa durch den Stadtchronisten, der das Publikum in mehreren Sequenzen wie ein Führer durch Buchs begleitet. Der Einwohnerverein Räfis-Burgerau stellt mit seiner Bewahrung althergebrachter Traditionen einen Gegenentwurf zur schnelllebigen Zeit dar. Zum Bewahrenden zählen letztlich auch die vielen Glaubensgemeinschaften und Kirchen in Buchs. In Zeiten des Bedeutungsverlusts der Kirchen sehen sie sich gegenseitig nicht als Konkurrenz, sondern freuen sich, dass es noch immer Menschen gibt, denen der Glaube etwas bedeutet.

Eine feinfühlige Momentaufnahme

Kuno Bont ist mit «Home Run» eine interessante, ungeschminkte und feinfühlige Momentaufnahme des Lebens und der Befindlichkeiten in einer Provinzstadt gelungen. Junge und Alte kommen zu Wort, Künstler, Politiker, Leute aus der Wirtschaft, Otto-Normalbürger und Behördenmitglieder. Frauen sind leider stark in der Unterzahl. Der Film überzeugt mit schönen Kameraeinstellungen und faszinierenden, teils fast grafisch anmutenden Drohnenbildern. Für einige Themen, die in kleinen Sequenzen angeschnitten werden und die die Protagonisten teils durch den Film begleitet haben, schliesst sich zum Finale der Kreis: der Jugendpark, eine neue Kirche und der Bushof werden eingeweiht. Und bei der Flaggala explodiert der Böögg.

Hinweis

Home Run im Kino Kiwi Treff 3: Donnerstag, 17.30 Uhr, Freitag bis Montag, 17 Uhr; im Kiwi Treff 4: Donnerstag bis Dienstag, 20 Uhr.