Ein Buch über eine Pionierleistung: Lowtech-Gebäude in Salez

Das Hochbauamt St.Gallen stellte am Dienstag das Buch über den Neubau des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez vor.

Corinne Hanselmann
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Markus Hobi, Richard Widmer, Marko Sauer und Werner Binotto (von links) sprachen über das Projekt.

Markus Hobi, Richard Widmer, Marko Sauer und Werner Binotto (von links) sprachen über das Projekt.

Rund ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Neubaus des Landwirtschaftlichen Zentrums St.Gallen in Salez (LZSG) luden die Verantwortlichen zu einer Vernissage ein. Über die Entstehung des einzigartigen Lowtech-Gebäudes ist nämlich ein Buch entstanden.

In Form einer Talk-Runde stellte Moderator Philipp Egger, Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen, zusammen mit dem Publizist Marko Sauer und den Mitautoren Architekt Andy Senn, LZSG-Leiter Markus Hobi sowie Gebäudetechniker Richard Widmer das Buch-Projekt vor.

Der Kanton nahm eine Vorbildfunktion ein

«Als Leiter der Energieagentur St.Gallen bin ich natürlich besonders erfreut, dass es dem Kanton gelungen ist, hier einen solchen ‹Leuchtturm› zu errichten», stieg Philipp Egger ins Thema ein. «Ein Schwerpunkt des Energiekonzepts des Kantons ist die Vorbildfunktion. Mit diesem Projekt hat der Kanton einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet.» Dieses Lowtech-Gebäude beweise, dass mit wenig Technik die gesetzten Ziele bezüglich Gebäudeeffizienz und Gebäudeklima ebenso gut erreicht werden können wie mit Hightech. Mit diesem Bau habe der Kanton ein starkes Zeichen gesetzt, das auch über die Kantonsgrenzen hinaus strahle.

Neugierig warfen Gäste erste Blicke ins Buch. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Neugierig warfen Gäste erste Blicke ins Buch. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Der Initiant für das Lowtech-Gebäude war Kantonsbaumeister Werner Binotto.

«Ich sehe, wie uns die Kosten im Betrieb der Gebäude davonlaufen. Das beschäftigt mich schon lange.»

«2009 haben wir uns gesagt, wir müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir günstiger energieeffiziente Gebäude bauen können», begründete Binotto seine Motivation. Mehr und mehr beschäftigten sich die Verantwortlichen damit. Beim Architekturwettbewerb habe man dann gesehen, dass dieses Gebäude die Anlage hat, viele Aspekte zu vereinen, die ein Lowtech-Gebäude ausmachen. Einer davon sei die Raumhöhe von 4,5 Metern. «Wir wussten damals schon, dass wir andere Luftmengen brauchen, um ein gutes Klima zu erreichen.» Ein weiterer wichtiger Aspekt: Man kam ohne Provisorium aus. Denn am meisten Energie spare man, wenn man weniger baue, eben auch kein Provisorium.

Die hohen Raumhöhen sind nötig für ein gutes Klima. (Bild: PD)

Die hohen Raumhöhen sind nötig für ein gutes Klima. (Bild: PD)

Faszinierend war das Projekt für Architekt Andy Senn.

«Alles, was wir architektonisch lösen können, bedingt weniger Technik. Es ging darum, was die Architektur leisten kann neben den ästhetischen Ansprüchen.»

Bis zum Lowtech-Gebäude sei es ein langer Prozess gewesen, zu dem viele Akteure etwas beitrugen. Einer davon war Gebäudetechniker Richard Widmer. Es sei eine wunderbare Zeit gewesen, bei diesem Projekt mitzuwirken. «Anders als bei anderen Projekten hatte ich hier stets das Gefühl, dass Planer, Architekt und Bauherr in einem Guss zusammenarbeiteten.»

Von Seiten der Nutzer wirkte Markus Hobi von Beginn weg mit. «Ich hatte schnell das Gefühl, dass der Architekt verstanden hat, wer im LZSG ein und aus geht», sagte Hobi und verglich die realisierte Lowtech-Lüftung schmunzelnd mit der Zu- und Abluft von Ställen. Man habe sich bestens verstanden. Der LZSG-Leiter beobachtet regelmässig, dass der Baustoff Holz bei den Besuchern sofort eine positive Einstellung schaffe. Das Interesse am Gebäude ist nach wie vor gross. Eine bis zwei Führungen finden pro Woche statt.

Das landwirtschaftliche Zentrum in Salez - hier noch während dem Bau. (Bild: PD)

Das landwirtschaftliche Zentrum in Salez - hier noch während dem Bau. (Bild: PD)

Publizist Marko Sauer, Chefredaktor einer Architektur-Zeitschrift, bestätigte, dass das LZSG bis heute das einzige Lowtech-Gebäude der Schweiz sei. «Ich kann bestätigten, dass das eine Pionierleistung ist, was ihr hier gemacht habt.»

Zahlreiche am Projekt Beteiligte waren zu Gast

Zu den Gästen der Buchvernissage gehörten am Projekt Beteiligte des Volkswirtschaftsdepartements, des Bildungsdepartements, des Baudepartements, aber auch Kantonsräte, die in vorberatenden Kommissionen mit dem LZSG zu tun hatten. Auch Vertreter derjenigen am Bau beteiligten Unternehmen, die einen Sponsoringbeitrag an das Buch bezahlt hatten, waren eingeladen. Das allererste Buch überreichte Thomas Widmer vom Hochbauamt des Kantons St.Gallen dem Sennwalder Gemeindepräsidenten Peter Kindler, der die Gäste zu Beginn des Abends in der Standortgemeinde des LZSG willkommen geheissen hatte. Anschliessend an die Talk-Runde warfen die Gäste erste neugierige Blicke in das druckfrische Buch und widmeten sich dem reichhaltigen Apéro. Musikalisch begleitet hat die Vernissage Martin Fässler auf dem Hackbrett.

Neben den verschiedenen Kapiteln über die Entstehungsgeschichte enthält das Buch viele Fotografien des einzigartigen Lowtech-Gebäudes in Salez sowie Grafiken über die Bauweisen.

Hinweis
Das 125 Seiten starke Buch «Landwirtschaftliches Zentrum St.Gallen in Salez» kann im LZSG in Salez für 40 Franken gekauft oder beim Hochbauamt St.Gallen bestellt werden.

4500 Kubikmeter Holzschnitzel pro Jahr

Die Besucher der Tage der offenen Tür konnten nebst dem Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez auch die erst kürzlich fertiggestellte Heizzentrale besichtigen.
Corinne Hanselmann