Kabarettist spielt im Fabriggli vor nur 30 Leuten: «Das war ein Auftritt wie im Wohnzimmer»

Kabarettist Peter Spielbauer trat wohl virusbedingt im Fabriggli in Buchs vor nur gut 30 Personen auf.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Peter Spielbauer glänzte mit starkem Ausdruck in der Mimik und mit kreativen Wortspielen.

Peter Spielbauer glänzte mit starkem Ausdruck in der Mimik und mit kreativen Wortspielen.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Er wolle das Publikum mit dem alles beherrschenden Thema verschonen, begann der aus dem bayrischen Wald stammende Kabarettist Peter Spielbauer seinen Auftritt. Doch ganz ohne ging es nicht. In zwei Akten zu je einem Satz handelte er das Corona-Virus ab. 1. Akt: (Schreiend) «Wir müssen alle sterben». 2. Akt: (Ruhig) «Aber das war doch von vornherein klar.»

Virus stoppt Fabriggli (noch?) nicht

Noch konnte das Corona-Virus das Fabriggli nicht stoppen, wie der freitägliche Auftritt von Peter Spielbauer belegt. «Die Gagen müssten wir ohnehin bezahlen. Verschieben wäre schwierig und für die Künstler eine Zumutung», sagte Co-Leiterin Claudia Novotny dem W&O. Wichtig sei, laufend die neuen Vorgaben der Behörden im Auge zu behalten und die Leute darauf hinzuweisen. «Vielleicht wäre es heute ohne Virus voller im Saal gewesen. Aber jeder Einzelne, der gekommen ist, freut uns.» Schön sei, dass das Fabriggli seinen 40. Geburtstag im Februar noch feiern konnte. «Nun nehmen wir es Schritt für Schritt und schauen, was möglich ist.» Am Montag werde man an einer Programmsitzung besprechen, wie und wie lange man – im Rahmen des Erlaubten – das Programm noch durchziehen könne.

Kleine Anspielungen konnte er sich im Verlaufe des Abends auch nicht ganz verkneifen. Etwa wenn er vom Virus sagte: «Wenn wir so viele Sachen von so weit herholen, ist es naheliegend.» Was folgte, war ein Feuerwerk voller philosophisch-komischer Betrachtungen zu ganz unterschiedlichen Themen – gekleidet in Verse und überraschenden Wortspielereien, manchmal abgründig, meist hintergründig und oft sehr witzig. Beispiel gefällig? «Nutze den Raum am Rand der Verzahnung, trinke die Milch vor ihrer Verrahmung. Sprühe vor Geist, auch wenn das Hirn leer ist. Geniesse dein Essen, auch wenn’s nur Verzehr ist.»

Praktisch von Anfang an bezog er das Publikum spontan ein und spielte mit dessen Reaktionen. In seinem Programm streifte er Themen wie das Wasser «als Basis alles Schönen und Reinen», philosophierte über das Wandern, die Raumzeitkrümmung oder Fehler: «Es gibt so viele Fehler auf der Welt, man müsste keinen zweimal machen. Aber warum mache ich gerade diesen Fehler, es gäbe ja so viele Alternativen.»

Mit spielerischer Leichtigkeit beschrieb er in Versform einen so alltäglichen Vorgang wie das Trinken aus einer Tasse oder ermunterte das Publikum dazu, «täglich drei Bewegungen, die ihr noch nie gemacht habt, auszuführen – am besten auf dem Marktplatz eurer Gemeinde». Köstlich seine pantomimische Demonstration solcher Bewegungen.

Spielen mit Zitaten von grossen Persönlichkeiten

Doch zurück zur Tasse. Sie bot Anlass für aufschlussreiche Ausflüge voller Schalk und Witz in die Geschichte des Kaffees und den Mythos rund um die Entstehung der Wiener Kaffeehauskultur. Schliesslich brachten uns damals die Türken unfreiwillig diesen Trank: «Dass sie vor Wien geschlagen wurden, machte sie sauer – bis heute, siehe Erdogan!» Gerne spielte Peter Spielbauer mit Zitaten grosser Persönlichkeiten. Breiten Raum nahm seine messerscharfe Analyse über das Wirtschaften und die Steuern ein, welche in der Erkenntnis endeten: «Es ist immer ein Geben und Nehmen, wobei die einen immer geben und die anderen immer nehmen.»

Nicht nur fürs Publikum ein besonderer Auftritt

Spielbauer kommt mit ganz wenigen, einfachen Requisiten aus, spielt mit ihnen, indem er sie immer wieder neu zusammenstellt. So entsteht daraus zum Beispiel ein «trojanisches Pferd, das eine Kuh ist», mit der sich die Wirtschaftsweise der EU trefflich darstellen lässt. Da bekommen EU-Politiker wie der «Junkie» Junker, der «draghische» Draghi oder José Manuel Barroso ihr Fett weg. Wie ein gut gelaunter Peter Spielbauer nach der Vorstellung sagte, war es auch für ihn vor nur gut 30 Personen etwas Besonderes: «Es war wie ein Auftritt im Wohnzimmer.»