Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein Alltag mit viel Blaulicht

Blaulichter, Sirenen, Hubretter, Tanklöschfahrzeuge und Rettungswagen gehören zum Berufsalltag von Michael Derungs. Als Berufsfeuerwehrmann im 24-Stunden-Schichtbetrieb pendelt er zwischen Rans und Zürich.
Andrea Müntener-Zehnder
Ein motivierter Retter an vorderster Front: der in Rans wohnhafte Michael Derungs. (Bild: Mareycke Frehner)

Ein motivierter Retter an vorderster Front: der in Rans wohnhafte Michael Derungs. (Bild: Mareycke Frehner)

Wer kennt sie nicht, die Freundschaftsbücher aus der Schulzeit, in welche die Lieblingslehrer oder Lieb­lingstiere und eben auch der spätere Berufswunsch eintragen wurde? Ganz oft ist bei den Jungs unter Berufswunsch zu lesen: Feuerwehrmann. Heute übt Michael Derungs aus Rans genau das aus, obwohl es bei ihm so nicht geplant war. Sein Dialekt lässt erahnen, dass er nicht aus dem Werdenberg stammt. Der 38-Jährige wuchs in Birmensdorf, im Zürcher Bezirk Dietikon auf. Während der Schulzeit betrieb er erfolgreich Leistungssport bei den Leichtathleten. Am Ende der Oberstufe stand die Entscheidung an: Sport oder Ausbildung. Er entschied sich für eine berufliche Laufbahn und absolvierte eine Lehre als Automechaniker im berüchtigten Quartier der Zürcher Langstrasse.

«Nach der Ausbildung arbeitete ich noch kurze Zeit als Automechaniker in einer Werkstatt in Kloten. Bereits am Vorabend wusste ich, was am nächsten Tag anstand: Zwei Services, ein Reifenwechsel und ein Austausch der Bremsen. Alsbald wurde mir bewusst, dieser durchgeplante ­Tagesablauf passt nicht zu mir. So wechselte ich mit 21 Jahren zu einem Schweizer Verkehrsclub als Patrouilleur.» Die selbstständigen Arbeiten des Patrouilleurs brachten nebst unregelmässigen Arbeitseinsätzen auch neue technische und soziale Herausforderungen mit sich. Nie wusste er, was ihn am nächsten Tag, in den nächsten Stunden, am kommenden Arbeitseinsatz erwartete. War es lediglich eine leere, altersschwache Autobatterie? Musste das Fahrzeug mit Totalschaden mitgenommen werden? Bei seinen täglichen Aufgaben traf Derungs oft auf Menschen im Ausnahmezustand. Personen, die durch die Autopanne das Flugzeug verpassen könnten, oder aufgelöste Eltern mit weinenden Kindern im Auto erwarteten den Patrouilleur. In seiner ruhigen Art erzählt er: «Der tägliche Kontakt mit diesen Menschen zeigten mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. In diesen unvorhersehbaren Situationen einen klaren Kopf zu wahren und schliesslich technisch und emotional die richtigen Entscheidungen zu treffen, passte zu mir.» So entschied sich der junge Berufsmann mit 24 Jahren, sich dem Auswahlverfahren zur Berufsfeuerwehr bei Schutz & Rettung Zürich (SRZ) zu stellen. Die Berufsfeuerwehr von SRZ löscht nicht nur Brände, sie rettet Menschen und Tiere aus gefährlichen Situationen und rückt unter vielem anderen auch bei Chemie- und Ölunfällen aus. Dies alles in der Stadt Zürich, am angrenzenden Flughafen und als Unterstützung in anliegenden Gemeinden oder sogar auch ausserkantonal mit Spezialfahrzeugen.

Jeder Handgriff ist einstudiert, denn oft muss es schnell gehen: Der in Rans wohnhafte Michael Derungs arbeitet bei Schutz & Rettung Zürich. (Bild: Mareycke Frehner)

Jeder Handgriff ist einstudiert, denn oft muss es schnell gehen: Der in Rans wohnhafte Michael Derungs arbeitet bei Schutz & Rettung Zürich. (Bild: Mareycke Frehner)

Vieles war absehbar

2004 trat er nach erfolgreichem Auswahlverfahren den Dienst als einer von heute über 650 Mitarbeitenden bei SRZ an. Der Berufsfeuerwehr von Zürich ist Michael Derungs seit Kindsbeinen an emotional sehr stark verbunden. Bereits sein Vater war rund 40 Jahre als Berufsfeuerwehrmann in Zürich tätig und seine Schwester arbeitete viele Jahre bei der Partnerorganisation, der Stadtpolizei Zürich. Der junge Birmensdorfer liess sich zum Berufsretter ausbilden: Er absolvierte die Ausbildung zum Feuerwehrmann sowohl auch als Rettungssanitäter. Just in dieser Ausbildung lernte er die Rettungssanitäterin Denise aus Sevelen, seine heutige Lebenspartnerin kennen. Anschliessend arbeitete Michael Derungs während Jahren als Berufsretter, immer im Turnus: Drei Monate als Rettungssanitäter, danach wieder drei Monate bei der Feuerwehr. «Das war eine spannende Zeit, die Abwechslung war gross. Und auch hier gefiel mir die Flexibilität, analog zum Patrouilleur. Unwichtig, ob du in einem Fahrzeug vom Rettungsdiensts oder in einem der Feuerwehr zu einem Einsatz fährst. Die eigentliche Situation ist immer dieselbe: Man trifft als Retter oft auf Menschen im Ausnahmezustand. Sei dies, dass ihre Katze vom Baum geholt werden muss, ein medizinischer Notfall oder eben auch ein Brand oder ein technischer Unfall mit Chemikalien. Und wieder heisst es, kühlen Kopf bewahren und die richtigen Knöpfe und Hebel in Bewegung setzen.»

«Die eigentliche Situation ist immer dieselbe: Man trifft als Retter oft auf Menschen im Ausnahmezustand.»

Stets einen kühlen Kopf bewahren

Durch die kompetente Ausbildung weiss Michael Derungs stets, was zu tun ist. Als Soldat hatte er den Befehlen seiner Vorgesetzten zu folgen, und doch ist jeder auch für sich selbst verantwortlich, um seine eigene Sicherheit bedacht. Im Jahr 2014 wurde der mittlerweile zweifache Familienvater zum Feuerwehrkorporal befördert, und aktuell ist Michael Derungs als Wachtmeister zur Beförderung vorgesehen. Das ist auch der Grund, warum er nur noch bei der Feuerwehr, nicht mehr auf dem Rettungswagen eingesetzt wird. In seiner Funktion als Korporal – künftig als Wachtmeister – hat er mehr Verantwortung. «Mehr Verantwortung ja, in einem kleinen Rahmen. Wir sind keine ‹Big Bosse›. Wir sind ein Team», betont der bescheidene, sportliche Mann.

Im Gespräch mit dem W&O betont Michael Dergungs mehrmals, dass für ihn Teambildung sehr wichtig sei, dass ein Einsatz nur dann erfolgreich sein kann, wenn man sich hundertprozentig auf seine Partner verlassen kann. Das ist vor allem dann wichtig, wenn der Einsatz zwar erfolgreich war, ein Brand gelöscht, das Kind aus dem Lift gerettet oder ein Tier wieder gesund bei seinem Herrchen ist, doch emotional oder körperlich an die Substanz ging. «Jeder verarbeitet seine geleisteten Einsätze anders. Das persönliche Empfindungsvermögen ist bei jedem meiner Kolleginnen und Kollegen unterschiedlich. Vieles wird bei Bedarf nach einem Einsatz innerhalb der Mannschaft besprochen. In Ausnahmesituationen wird uns zusätzlich professionelle Hilfe von Fachpersonen angeboten. Bis jetzt musste ich davon glücklicherweise keinen Gebrauch machen. Mein Vorteil ist sicherlich, dass ich im Bedarfsfall in meinen pensionierten Vater und meiner Partnerin, welche beide mit meinem Berufsfeld ebenfalls bestens vertraut sind, grosse Stützen habe.» Der Feuerwehrkorporal hat seine ganz eigene Methode mit seinen geleisteten Feuerwehreinsätzen umzugehen: «Ich muss es für mich nicht krampfhaft versuchen zu verarbeiten, ich integriere sie in meine Lebensgeschichte. Denn, ich habe mich bewusst für diesen Beruf entschieden, die ganzen Erlebnisse gehören einfach dazu. Klar ist es manchmal nicht einfach, aber andererseits gibt es sehr viele positive Ereignisse als Berufsretter, welche ebenfalls zu meinen Leben gehören.» Wenn Michael Derungs vormittags nach seiner 24-Stunden-Schicht in seinem Daheim in Rans ankommt, hat er oftmals vieles der letzten Arbeitsstunden ad acta gelegt. Fern von ­Zürich und den Blaulichtern liegen 48 Stunden Pause vor ihm, zwei Tage Zeit mit seiner Familie.

Seite 2004 angestellt: Michael Derungs hat Führungsaufgaben bei Schutz & Rettung Zürich. (Bild: Mareycke Frehner).

Seite 2004 angestellt: Michael Derungs hat Führungsaufgaben bei Schutz & Rettung Zürich. (Bild: Mareycke Frehner).

Eine gemeinsame Biketour

«Für uns ist es ideal, in Rans zu wohnen. Auf dem Heimweg im Zug kann ich herunterfahren. Wenn ich da bin, kann ich voll und ganz für meine Familie da sein.» Diese geniesst es, ihren Vater und Partner auch tagsüber oft zu Hause zu haben. Die beiden Kinder kennen es schliesslich auch nicht anders. «Dass Denise ebenfalls aus dem gleichen Berufsalltag wie ich kommt, vereinfacht es bestimmt. Sie kennt die unregelmässigen Arbeitszeiten ja selbst und nimmt es gelassen. So machen wir das Beste daraus. Eine gemeinsame Biketour vormittags mit Denise lässt sich mit keiner ­regelmässigen Bürozeit wettmachen», grinst Derungs und wirft seiner Partnerin einen verschwörerischen Blick zu.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.