Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Echte Mädchen spielen Fussball

Wurden Frauen im Fussball einst belächelt, ist diese Sportart heute längst etabliert. Olivia Meier ist eine, die die Leidenschaft für die beliebteste Sportart der Welt schon lange nicht mehr loslässt.
Ursula Wegstein
Olivia Meier: «Der FC Buchs ist für mich eine Familie geworden. Ein Stück Heimat.» (Bild: Mareycke Frehner)

Olivia Meier: «Der FC Buchs ist für mich eine Familie geworden. Ein Stück Heimat.» (Bild: Mareycke Frehner)

Nein. Fussball ist ganz sicher nicht nur etwas für Buben, findet Olivia Meier. «Man darf auch als Mädchen mal im Dreck liegen», sagt sie. Seit 22 Jahren ist sie als Spielerin und/oder Trainerin im Fussball aktiv. Zuvor im Turnverein Mels wurde sie im Alter von elf Jahren vom Fussballfieber gepackt: Gerade nach Sennwald umgezogen, lag im Postkasten ein Flyer für ein Probetraining beim Fussballclub Ruggell. «Das wär’ doch was für dich», hat Papa damals gesagt. Auf dem Pausenplatz hat Olivia Meier schon immer gern Fussball gespielt. Also hat sie spontan beim Fussballtraining geschnuppert. Und ist bis heute dabei hängen geblieben.

Später in Mels, Grabs und Triesen in Frauenmannschaften aktiv, ist sie mit Triesen in die 2.AABB22Liga aufgestiegen. Mit 18 hat sie das Trainerdiplom gemacht. Beim FC Buchs ist Olivia Meier inzwischen seit zehn Jahren aktiv: als Spielerin in der Frauenmannschaft. Als Trainerin der ersten Mädchenmannschaft. Und im Vereinsvorstand. Im Herbst erwartet Olivia Meier ihr drittes Kind. Aufgrund ihrer Schwangerschaft macht sie als Spielerin derzeit eine Pause.

Mehr Ehrgeiz und Motivation

Die 33-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass es als Frau mehr Ehrgeiz und Motivation braucht, um an die Spitze zu kommen. Denn mit dem Fussball lässt sich als Frau kein Geld verdienen. Durch Schwangerschaft und familiäre Verpflichtungen wird frau auch häufig ausgebremst. Zudem gibt es viel weniger Vereine, die eine Mädchen- oder Frauenmannschaft stellen und damit weniger Möglichkeiten als bei Männern. So sei der Aufwand für die Einzelne von Anfang an grösser. Das beginne schon beim Weg zum Training, wie sie erzählt.

«Jetzt verspreche ich mir mehr, weil wir die Mädchen von unten aufbauen können», sagt sie, die gerade mitten in der Organisation für die nächsten Schnupper-Events der «Kicking Girls» steckt.

Sind Mädchen überhaupt für Fussball geeignet? Auch Mädchen wollen sich austoben, Sport im Freien machen, sagt sie. Das Schönste sei das Team. Das überzeuge alle Mädchen, die zum Schnuppern kommen, erzählt die Trainerin weiter. «Bei uns ist es lustig. Wir stehen als Einheit auf dem Platz. Durch das Auftreten in der Gruppe ­gewinnen die Mädchen an Selbst­vertrauen, sie lernen, im Team zu ar­beiten, auf die Schwachen Rücksicht zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen.» Das sei gut für die Ent­wicklung allgemein, ist die Trainerin überzeugt. Die Mädchen seien wissbegierig und ehrgeizig. Allerdings ­seien ihnen die Regeln meist nicht geläufig. Da müsse man praktisch bei null anfangen. Olivia Meier führt das auf die Erziehung zurück: Kaum fähig zu Laufen, bekomme man als Bub schon den ersten Ball geschenkt. Und fängt so viel früher mit dem Kicken an. Dann wird fleissig geübt. Idolen oder grösseren Buben nachgeeifert. Dass eine Mutter ihrer Tochter erklärt, was Abseits ist, sei hingegen die Ausnahme. Technisch seien gleichaltrige Buben darum besser. Spielten schneller. Können sich mehr wehren. Hätten schlussendlich mehr Ballgefühl. «Auch wenn sie mehr tratschen, sind mir die Mädchen trotzdem lieber», sagt Olivia Meier.

Der Aufstieg mit Triesen in die zweite Liga war Olivia Meiers grösster Erfolg. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Aufstieg mit Triesen in die zweite Liga war Olivia Meiers grösster Erfolg. (Bild: Mareycke Frehner)

Klischees und Bewunderung

Ist man als Mädchen im Ballett nicht besser aufgehoben? Man werde als ­aktive Spielerin schon immer mal ­wieder mit dem Image «Mannsweib» oder «lesbisch» konfrontiert, erzählt die zweifache Mutter. Auch wenn die ganz jungen Mädchen vielleicht noch belächelt werden, fänden Buben das durchaus «cool», wenn Mädchen auch Fussball spielen. «Wenn eine auch Tricks auf Lager hat, erntet sie sofort stille Bewunderung.» Im Fussball lernten Mädchen sich durchzuboxen. Im Fussball stehen anfangs das Polysportive und der Spass im Vordergrund. Auch wenn Buben anfangs über mehr technisches Können verfügen, sind Mädchen im Sozialen stärker. Ballett fördert eine gute Körperspannung. «Darum würde ich meine Kinder ins Ballett und in den Fussball schicken.»

Über zu wenig Nachwuchs kann der Mädchen- und Frauenfussball Werdenberg derzeit nicht klagen. Im Moment gibt es eine G-, F-, E- und C-Mannschaft, wobei die F- und E-Mannschaften nur gegen Buben spielen. Verlieren oder Gewinnen? Ist beinahe egal: Hauptsache, Spass am Fussballspielen. Dass die Mädchen dabei meistens noch verlieren, sei weniger schlimm, als von den Buben blöde Sprüche zu hören. Der Vater eines gegnerischen Buben war an einem Turnier vom Spiel der Mädchen so begeistert, dass er ihnen spontan einhundert Franken zum Feiern geschenkt habe. «Das war eine tolle Bestätigung für die Mädchen. Erst wurden sie angefeuert und nachher haben sie zwar verloren, sich aber wie die Siegerinnen der Herzen gefühlt.»

Hinweis
Am 29.Mai und 7.Juni findet jeweils um 18 Uhr auf der Sportanlage Rheinau Buchs ein Schnupper­training mit Spaghettiplausch statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.