Durchsetzungsvermögen gegenüber einem 500 Kilogramm schweren Koloss: In Sennwald lernen diese Woche 16 Kinder mehr als nur Reiten

Das Reitcamp in Sennwald hat mehr zu bieten als Reiten. Es ist eine fünftägige Lebensschule. Die Kinder eignen sich viel Wissen rund ums Ross an.

Robert Kucera
Drucken
Teilen
Der Höhepunkt eines jeden Reitcamps: Mit dem Pferd in der Natur unterwegs sein.

Der Höhepunkt eines jeden Reitcamps: Mit dem Pferd in der Natur unterwegs sein.

Bild: Robert Kucera

Erstmals findet unter der Federführung von MS Sports Camp ein Lager im Werdenberg statt. Diese Woche lernen in Sennwald 16 Kinder den Umgang mit einem Pferd kennen. Respektive gleich mit acht Pferden. Denn wie bei den Menschen, dies wird den jungen Teilnehmern des Camps vermittelt, gibt es auch unter den Pferden verschiedene Charaktere. Grundlegend ist, dass man sich viel Basiswissen rund um das Pferd aneignet.

Theorie ist bloss ein Punkt in diesem Lager. Leiterin Antonia Koller aus Herisau, die ihren Heimatstall in Niederwil hat, führt seit neun Jahren die Camps «Reiten (er)leben». Sie möchte in diesen Lagern den Kindern den Reitsport sowie das Pferd näher bringen. So wird in Sennwald nicht bloss geritten. «Bei mir wird das Pferd aus dem Stall geholt, geführt, geputzt, gesattelt und geritten – und das schon bei Lagerteilnehmern ab vier Jahren», beschreibt sie. So sei das Kennenlernen intensiver sowie die Faszination, die von diesem anmutigen Tier ausgeht, und der Respekt um ein Vielfaches höher.

Die Kinder lernen im Camp das Pflegen und Putzen des Pferdes.

Die Kinder lernen im Camp das Pflegen und Putzen des Pferdes.

Bild: Robert Kucera

Leidenschaft fürs Reiten und fürs Pferd weitergeben

So ein Camp zu leiten, erklärt Koller, ist vom Arbeitsaufwand her recht intensiv. Doch um nichts in der Welt will es die Leiterin missen. «Ich liebe Reitlager. Man verbringt den ganzen Tag miteinander und startet mit dem Ross, beim morgendlichen Ausmisten, in den Tag.» Was sie antreibt, ist ihre Leidenschaft für das Reiten und für das Pferd. Diese will die 36-Jährige weitergeben, besonders Kindern.

«Kinder haben heutzutage nicht mehr viel Kontakt zu Tieren. Und das Pferd ist allgemein nicht mehr so präsent.»

Ein weiterer Pluspunkt für sie ist, dass man diesen Sport draussen in der Natur ausüben kann. Das Camp in Sennwald darf man mit gutem Gewissen als fünftägige Lebensschule bezeichnen. «Die Kinder müssen mit einem 500 Kilogramm schweren Koloss umgehen. Man lernt, sich gegen diesen Koloss durchzusetzen, ist das Alphatier. Das gibt Selbstvertrauen, wenn man sich gegen ein solch grosses Tier behaupten kann.» Wie Antonia Koller betont, werden die Kinder in alle Arbeiten eingebunden. Es herrscht ein dynamisches Miteinander in der Gruppe.

Mit ihrem Konzept, wie sie ein Reitcamp leiten möchte, liegt die ausgebildete Sozialpädagogin goldrichtig. «Mir gefällt es hier einfach super», sagt Selva Ferrara (10). Einen klaren Höhepunkt festmachen könne man nicht. «Alles macht Spass, auch das Putzen und Pflegen», betont Lewa Eschmann (10). Wie Noelia Albisser (11) stellvertretend für alle festhält, sei das Reiten und Zusammensein mit dem Pferd das Allerschönste.

Leiterin Antonia Koller erklärt das Aufsetzen des Zaumzeugs.

Leiterin Antonia Koller erklärt das Aufsetzen des Zaumzeugs.

Bild: Robert Kucera

Das Pferd ist denn auch der Grund, weshalb man nun in Sennwald sei. «Ich bin im Camp, weil Pferde meine Lieblingstiere sind und man viel mit ihnen machen kann», so Albisser. «Man lernt auch neue Kinder kennen und schliesst neue Freundschaften», hebt Eschmann hervor. «Alle sitzen zusammen am Tisch und reden miteinander. Es gibt auch kein Zimmer, in welchem eine Person allein ist», ist Ferrara von der sozialen Komponente des Camps angetan.

Grosse Begeisterung für Reitgebiet Sennwald

Seit 2017 führt Antonia Koller Reitcamps in Sennwald durch. Da an ihrem damaligen Domizil Herisau kein Lager durchführbar war, sah sie sich um – und entdeckte die Werdenberger Gemeinde. Zunächst privat als Feriengast, dann als umsichtige Leiterin. «Es spricht vieles für Sennwald. Ich war nicht das letzte Mal hier», sagt Koller.

Die genutzte Infrastruktur mit grosszügigen Weiden für ihre Pferde, den Boxen sowie die unkomplizierte Vermieterin Jennifer Vetsch-Mock hebt sie ebenso hervor wie die Gegend:

«Das Reitgebiet ist der Hammer. Man kann stundenlang reiten. Deshalb komme ich zum Wanderreiten wieder.»

Doch wenn es ein nächstes MS Sports Camp gibt, wird dieses dann in Niederwil stattfinden. Koller schliesst jedoch ein Wiedersehen in Sennwald mit der Leitung eines Camps nicht aus.