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Christoph Ulmer wurde dank Junggugga zum Kaminfeger

Knapp 20 Jahre ist es her, seit Kaminfeger Christoph Ulmer den ersten Kamin russte. Mittlerweile ist er Kaminfegermeister mit eigenem Betrieb und geht der Arbeit in den Gemeinden Gams, Sennwald und Rüthi nach.
Andrea Müntener-Zehnder
Bei seiner Arbeit als Kaminfeger kommt Christoph Ulmer oft mit den Kunden ins Gespräch. (Bilder: Mareycke Frehner)

Bei seiner Arbeit als Kaminfeger kommt Christoph Ulmer oft mit den Kunden ins Gespräch. (Bilder: Mareycke Frehner)

Für die Mitarbeiterin des W&O war es im ersten Moment etwas unerwartet, als der 35-jährige Christoph Ulmer nach Feierabend sportlich in Jeans und Pullover und nicht etwa in der traditionellen Kaminfeger Bekleidung zum Neujahrsinterview erschien. Die traditionelle Bekleidung besteht beim Kaminfeger nämlich aus dem pechschwarzen Zylinder, der ebenso pechschwarzen Uniform, bestückt mit den zwei goldig polierten Knopfreihen auf der Brust, und dem leuchtend roten Halstuch. «Das muss für mich ein ganz besonderer Anlass sein, dass ich mich so herausputze. Die Hochzeit eines guten Freundes beispielsweise, ein wohltätiger oder offizieller Anlass würden mich sicherlich dazu bewegen», stellt Christoph Ulmer unter einem freundlichen Lächeln, jedoch bestimmend, klar.

Bester Lehrling vom Kanton

Erstmals in Kontakt mit dem Kaminfeger kam Christoph Ulmer im Alter von zwölf Jahren, als er als Bub der Gamser Junggugga beitrat. Diese Guggenmusik hatte kein eigenes Probelokal. Daher wurde jeweils die Halle des Junggugga-Gründers, dem Kaminfegermeister Peter Baumgartner aus Gams, in ein Probelokal umfunktioniert. So kam es, dass Christoph Ulmer in der zweiten Oberstufe zum Schnuppern in den besagten Kaminfeger-Betrieb kam. Er fand Gefallen an den abwechslungsreichen Arbeiten des Kaminfegers. «Anfangs wusste ich ja überhaupt nicht, in welche Richtung mich mein beruflicher Weg führen sollte. Einen reinen Bürojob, das stand für mich ausser Frage. Dafür war und bin ich auch heute noch nicht geeignet. Zudem war ich in der Sekundarschule nicht unbedingt der fleissigste Schüler, wenn es ums Lernen – insbesondere die Lernfächer Sprachen – ging», erinnert er sich grinsend an seine Schulzeit zurück.

Gemeinsam mit einem guten Freund absolvierte Ulmer die Ausbildung zum Kaminfeger bei Peter Baumgartner in Gams. «Dass ich die Lehre am gleichen Ort wie mein Schulfreund machen durfte, war mein Highlight. Als wir beide nach drei Jahren die Lehre als die zwei besten Abgänger vom Kanton St. Gallen abschlossen, war dies nicht nur unser, sondern auch der grosse Stolz unseres Chefs und Lehrmeisters Peter.»

Es folgte die Meisterprüfung

Kaum hatte der ausgelernte Kaminfeger im Jahr 2003 die Rekrutenschule beendet, befasste er sich mit seinem weiteren beruflichen Werdegang. Der Weg zum Kaminfegermeister bestand aus rund 35 einzelnen Modulen. So nahm der 21-Jährige das erste in Angriff, bis er schliesslich im Jahr 2008 mit der praktischen und ein Jahr danach mit der schriftlichen, über 60-seitigen Diplomarbeit abschloss. Endlich durfte er sich Kaminfegermeister nennen!

«In erster Linie sind mein Team und ich dazu da, die Kamine und Heizungen zu reinigen und unsere auferlegten Arbeiten pflichtbewusst zu erledigen», so Ulmer.

«In erster Linie sind mein Team und ich dazu da, die Kamine und Heizungen zu reinigen und unsere auferlegten Arbeiten pflichtbewusst zu erledigen», so Ulmer.

Während der gesamten Ausbildungszeit war er bei seinem Lehrmeister Peter Baumgartner angestellt. Immer wieder wurde Christoph Ulmer durch ihn die Möglichkeit geboten, auswärts zu arbeiten. So war er als Kaminfeger im schwyzerischen Brunnen, im Berner Oberland und im benachbarten Fürstentum Liechtenstein tätig.

«Die auswärtigen Einsätze brachten mir persönlich, aber natürlich auch für die Meisterprüfung enorm viel. Und immer bin ich anschliessend wieder gerne nach Gams zurückgekehrt. Obwohl ich kein Urgamser bin, ist Gams mein Zuhause. War es immer, und ist es auch heute.»

Im Jahr 2013, mit der Pensionierung von Peter Baumgartner, wurde Christoph Ulmer durch den Gemeinderat als Kaminfeger für den ihm zugeteilten Kreis gewählt.

Bewusstes Glück

Das neue Jahr ist bereits wieder ein paar Tage alt und die Glückwünsche dafür werden kaum mehr ausgesprochen. Doch, wird der Kaminfeger nicht das ganze Jahr hindurch als Glücksbringer angesehen?

«Früher entstanden durch die Pechablagerungen im Kamin viele Kaminbrände. Durch die Reinigungen des Kaminfegers gingen diese Brände deutlich zurück. Das Feuer oder eben das dadurch entstandene Unglück wurde vom Haus ferngehalten», erklärt Christoph Ulmer den Grund, warum der Kaminfeger als Glückssymbol gehandelt wird. Als Glücksbringer sieht sich der Kaminfegermeister selbst nicht.

«In erster Linie sind mein Team und ich dazu da, die Kamine und Heizungen zu reinigen und unsere auferlegten Arbeiten pflichtbewusst zu erledigen. Wir wollen zu 100 Prozent ehrliche und saubere Arbeit abliefern und den Arbeitsplatz sauberer verlassen, als wir ihn vorfinden.»

Und doch kommt es während des ganzen Jahres hindurch in manchen Haushalten zu Situationen, in denen der Kaminfegermeister bewusst in seine Tasche greift und eine goldige Glücksmünze hervornimmt. «Nebst dem recht schnell sichtbaren Ergebnis unserer Arbeit ist für mich sicherlich der nahe Kundenkontakt etwas vom Allerschönsten in unserem Beruf. So kommt es oft vor, dass wir während der Arbeit ins Gespräch mit den Kunden kommen. Wenn ich dabei merke, dass diesem Kunden eine Portion Glück guttun würde, übergebe ich ihm eine der Glücksmünzen, welche ich während der Arbeit immer bei mir habe. Diese Glücksgabe kann aus diversen Gründen sein: eine langwierige Krankheit, eine anstehende Prüfung aber auch die Geburt des Enkelkindes, die kurz bevorsteht.»

Manchmal kommt es vor, dass Kaminfeger Ulmer in einem Geschäft an der Kasse steht und ihn wildfremde Menschen mit der Begründung «ich musste Sie einfach mal kurz anfassen» am Arm berühren. Dies in der Hoffnung, dass der Kaminfeger ihnen Glück bringen möge. «Das stört mich nicht, denn wirklich oft passiert es nicht. Es scheint mir eher ein deutscher oder österreichischer Brauch zu sein, dass das Anfassen des Kaminfegers Glück bringen soll.»

Glücklich als Kaminfeger

Auf die Frage hin, was ihn persönlich glücklich macht, erwidert er: «Ich bin mit meinem privaten Leben sehr zufrieden und glücklich. Etwas vom Grössten ist es für mich und meine Partnerin, wenn wir zusammen tauchen. Wir waren schon an fast allen Ecken der Welt zum Tauchen. Diese Ruhe und Farben unter Wasser, das ist für uns Erholung und Glück pur zugleich.» Etwas anders sieht es im Berufsalltag des Tauchbegeisterten aus. Zwar ist er auch dort zufrieden und glücklich, doch hat er einen Wunsch:

«Obwohl jeder den Kaminfeger kennt, sind wir doch eher eine kleine Berufsgruppe und gehen ab und zu vergessen. Gerne würde ich die jungen Leute animieren, sich diesen handwerklichen Beruf genauer unter die Lupe zu nehmen: Ich versichere euch, er ist spannend und abwechslungsreich und kann euch glücklich machen.»

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