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Doch kein zusätzlicher Schlachtviehmarkt in Sargans

Nachdem es vergangene Woche in Wattwil zu dramatischen Szenen gekommen war, normalisiert sich der Schlachtviehmarkt in der Ostschweiz wieder. Deutliches Zeichen dafür am gestrigen Markt in Sargans: Landwirte zogen kurzfristig Kühe zurück, die Preise ziehen wieder an und ein zusätzlicher Markt entfällt.
Hans Bärtsch
Ursprünglich wollten sich mehr Bauern als üblich von ihren Kühen trennen. (Bild: Nadine Bantli)

Ursprünglich wollten sich mehr Bauern als üblich von ihren Kühen trennen. (Bild: Nadine Bantli)

Ernst Rutz, Geschäftsführer der Ostschweizer Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft (NSG), ist dieser Tage nicht zu beneiden – er kommt kaum mehr normal zum Arbeiten. Die Medien geben sich bei ihm die Klinke in die Hand, nachdem der Viehmarkt vom Dienstag letzte Woche in Wattwil national Schlagzeilen gemacht hatte. Wegen der anhaltenden Trockenheit wollten sich mehr Bauern als üblich von ihren Kühen trennen. Von 450 angemeldeten Tieren konnten aber nur 250 berücksichtigt werden.

Bereits zwei Märkte später hat sich die Situation beruhigt, wie Rutz bei einem Augenschein des «Sarganserländers» in der Markthalle Sargans ausführt. «In Wattwil tat es einen Knall, die Bauern waren in Panik, der Referenzpreis ging runter», fasst der NSG-Geschäftsführer die Ereignisse von letzter Woche nochmals zusammen. Am Montag in Herisau und gestern in Sargans dann die Wende zum Besseren. Deutlichstes Zeichen dafür: Etliche Landwirte haben angemeldete Tiere wieder zurückgezogen. Von 145 angemeldeten wurden gestern Vormittag in der Markthalle gerade noch 81 Tiere aufgefahren. Und, zweites deutliches Zeichen einer Markterholung: Die Preise pro Kilo Kuhfleisch gehen nach oben – in Sargans je nach Qualitätskategorie um mehr als 40 Rappen.

Kein zusätzlicher Markt

Unablässig habe er den Bauern in den letzten Tagen gesagt, keine Panikverkäufe zu tätigen, sondern drei bis vier Wochen zu warten, sagt Rutz. Das haben sich einige von ihnen nun offenbar zu Herzen genommen. Die Situation hat sich derart entspannt, dass der auf kommenden Montag, 20. August, in Sargans vorgesehene zusätzliche Schlachtviehmarkt abgesagt ist, wie Rutz ausführt. Insgesamt, betont er, spiele der Rind- und Kuhfleischmarkt – im Gegensatz zum Milchmarkt – mit fix vorgegebenen Preisen. Das beeinflusst sich im Übrigen gegenseitig: Weil wegen der tiefen Milchpreise generell weniger Kühe gehalten werden in der Schweiz, ist dieses Fleisch knapp. Und somit begehrt.

Die Preise dafür bewegen sich in der Regel auf einem ordentlichen Niveau. Erst dieser Tage hat die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, Proviande, 8.05 Franken pro Kilo Kuhfleisch als neuen Basispreis definiert. Der Haken an der Sache: Dieser Preis ist nicht verbindlich. Einzelne grosse Abnehmer wie Bell (Coop) oder Lucarna-Macana haben angesichts des Andrangs auf den Wattwiler Schlachtviehmarkt plötzlich nur noch sieben Franken geboten. «Das Verhalten einzelner grosser Abnehmer hat mich am meisten geärgert», sagt NSG-Geschäftsführer Rutz rückblickend. «Die Ausnahmesituation ist schamlos ausgenützt worden.» Gegenüber der «Appenzeller Zeitung» hatte Rutz in diesem Zusammenhang die sarkastische Bemerkung platziert, dass er nicht glaube, dass durch die gedrückten Ankaufspreise für Schlachtfleisch die Cervelats im Verkaufsladen billiger zu haben sein werden.

Von Basel angereist

Wie auch immer, der Schlachtviehmarkt ist eine einiger-massen komplexe Angelegenheit mit Anbietern, Händlern und den Schlachthöfen, hinter denen in der Regel die Grossverteiler (Migros, Coop usw.) stehen. Rutz nennt es einen «unberechenbaren Markt». Wie beliebt Schweizer Kühe sind, zeigen zwei weitere Beispiele. So ist gestern ein Händler von Basel angereist, um in Sargans Mastvieh zu ersteigern. Dann erwähnt Rutz gerne McDonald’s Schweiz, die für ihre Burger ausschliesslich Schweizer Rindfleisch verwenden – solange der Bedarf gedeckt werden kann. Just der Import von 800 Tonnen Kuhhälften zum Zeitpunkt des Überangebots in der trockenen Ostschweiz hat das Fass in Wattwil zusätzlich überlaufen lassen. Dieser Import – er hat nichts mit McDonald’s zu tun – ist grundsätzlich unbestritten. «Der Zeitpunkt war jetzt einfach sehr ungünstig», so Rutz. Von der Aufregung in Wattwil war in Sargans gestern jedenfalls gar nichts mehr zu spüren.

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