Disziplin bei Einhaltung der Massnahmen des Bundes bringt viel tiefere Auslastung und hat finanzielle Folgen für Ärzte und Zahnärzte

Arztpraxen in der Region Werdenberg haben markant weniger Patienten, Zahnärzte dürfen nur Notfälle behandeln.

Adi Lippuner
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Die Gamser Ärztin Dr. med. Küngolt Bietenhard im, auf die Coronasituation angepassten, Empfangsbereich in der Praxis.

Die Gamser Ärztin Dr. med. Küngolt Bietenhard im, auf die Coronasituation angepassten, Empfangsbereich in der Praxis.

Bild: Adi Lippuner

Weniger statt Mehrarbeit, und das während der Coronakrise. Was auf den ersten Blick widersprüchlich ist, erklärt die Präsidentin des Ärztevereins Werdenberg-Sarganserland, Küngolt Bietenhard, so:

«Die Menschen halten sich sehr gut an die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Somit verzeichnen wir weniger Freizeitunfälle, und auch im beruflichen Umfeld wird vorsichtiger agiert.»

In den Praxen der Allgemeinmediziner seien rund die Hälfte der Termine sogenannte «Tagesnotfälle», also Patienten, die spontan anrufen und wegen einer Beschwerde einen Termin benötigen. «Ganz anders in den Spezialarztpraxen, dort sind die Konsultationen markant bis auf rund 30 Prozent des Normalbetriebs gesunken», stellt Küngolt Bietenhard fest.

In Spezialarztpraxen ist die Zahl der Kunsulationen markant gesunken.

In Spezialarztpraxen ist die Zahl der Kunsulationen markant gesunken.

Bild: Christian Beutler / Keystone

Wie sieht es angesichts dieser Zahl mit der Anmeldung für Kurzarbeit aus? Die Gamser Ärztin und Allgemeinmedizinerin sagt dazu: «Ich frage dies nicht systematisch ab, aber bei den Spezialärzten ist Kurzarbeit ein Thema, teilweise auch in den Allgemeinpraxen.»

Unnötige Angst der Patienten

Am Mittwoch vor Ostern sei bei einer Telefonkonferenz mit Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Kantonsärztin Danuta Reinholz auch die Angst der Patienten vor einem Besuch in der Praxis angesprochen worden. «Es gibt Patienten, welche die Arztpraxen im Zusammenhang mit dem Coronavirus als Kontaminationspunkt empfinden.»

Die Präsidentin des regionalen Ärztevereins betont:

«Die Ärzte und ihre Mitarbeitenden haben sich bezüglich Hygienemassnahmen sehr gut eingerichtet. In den Warteräumen sind nur wenig Patienten, die Abstandsregeln können eingehalten werden. Und wer mit Fieber in die Praxis kommt, wird sofort in einen separaten Raum geführt.»

Ihre eigenen Patienten nehmen sie als entspannt wahr. «Die vereinbarten Termine werden eingehalten und damit ist auch die gesundheitliche Versorgung sichergestellt.»

Küngolt Bietenhard arbeitet in ihrer Praxis für Allgemeinmedizin mit zwei Medizinischen Praxisangestellten (MPA) und einer Lernenden. Eine der beiden MPA gehöre zur Risikogruppe, für sie sei Kurzarbeit angemeldet worden und die Frau bleibe zu Hause. Die andere Mitarbeiterin habe ihr Pensum etwas aufgestockt – «so lässt sich die anfallende Arbeit gut bewältigen.»

«Die vom BAG verordneten Massnahmen sind einzuhalten»

Persönlich habe sie keine Angst vor dem Coronavirus. «In unserer beruflichen Tätigkeit sind Viren und Bakterien ein ständig präsentes Thema. Wir wissen, welche Hygienemassnahmen nötig sind.»

Als besondere Herausforderung im Zusammenhang mit Corona nennt sie: «Es ist ein neuer Erreger, die Bevölkerung hat keine Abwehrkräfte. Deshalb müssen wir abwarten, wie sich das Virus verhält.» Ganz wichtig sei: «Die vom BAG verordneten Massnahmen sind einzuhalten. Dies gilt für Risikopatienten, die älteren Generation, und die Jüngeren sollten solidarisch sein», betont Küngolt Bietenhard.

Die Patiententriage erfolgt am Telefon

Auch in der Praxis Kappelihof in Buchs sprechen wesentlich weniger Patienten vor. «Wir haben viele telefonische Anfragen, und auch der Mailverkehr hat zugenommen», sagt der praktische Arzt Christoph Berg. Für ihn ist ganz klar, dass am Telefon eine Triage vorgenommen werden soll. «So können wir mit Patienten, die unklare Symptome haben oder Hilfe benötigen, einen Konsultationstermin vereinbaren. Die Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Und deshalb soll jemand, der Hilfe braucht, diese auch erhalten.»

Für die Medizinischen Praxisangestellten (MPA) in der Praxis Kappelihof wurde bisher keine Kurzarbeit angemeldet. «Wir bauen Überstunden ab, und wenn diese Guthaben aufgebraucht sind, werden Minusstunden aufgebaut», stellt Christoph Berg fest. Aktuell arbeite er als Arzt und dazu vier Mitarbeiterinnen mit insgesamt 260 Stellenprozent.

Vermehrt psychische Probleme festgestellt

Wie steht Berg persönlich zum Coronavirus? Dazu sagt der Arzt: «Angst habe ich keine, denn ein Grossteil der Bevölkerung wird wohl früher oder später mit dem Virus in Berührung kommen. Wichtig ist aber, dass die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit konsequent eingehalten werden.»

Er stellt vermehrt psychische Probleme bei den Menschen fest.

«Die soziale Isolation der älteren Generation, aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und damit verbundene finanzielle Sorgen machen sich nun, einen Monat nach dem Lockdown, bemerkbar.»

Wenig Arbeit und Einkommen beim Zahnarzt

In der Zahnarztpraxis von Urs Schönenberger an der Buchser Bahnhofstrasse gibt es aktuell – aufgrund der Vorschrift, dass nur Notfälle behandelt werden dürfen – kaum Arbeit und entsprechend auch kein Einkommen.

Zahnärzte halten sich an die Auflagen des Bundes und haben deshalb derzeit kaum Arbeit.

Zahnärzte halten sich an die Auflagen des Bundes und haben deshalb derzeit kaum Arbeit.

Bild: Michel Lüthi/Bilderwerft.ch / Solothurner Zeitung

Für fünf Mitarbeitende wurde Kurzarbeit beantragt, der Zahnarzt als Selbstständigerwerbender muss nun schauen, wie er mit den anfallenden Fixkosten über die Runden kommt. Er sagt:

«Kurzfristig kann ich das aus eigenen Mitteln stemmen und hoffe einfach, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können.»

Das Team habe während der vergangenen Wochen Arbeiten erledigt, die während des normal laufenden Betriebs nicht möglich seien. «Aber nun warten alle darauf, dass wir wieder arbeiten dürfen», so Urs Schönenberger.

Die Absagen und die Verschiebung der Termine seien bei den Patienten unterschiedlich angekommen. «Einige waren froh, dass sie nicht in die Praxis kommen müssen, andere meinten, dass die Behandlung trotzdem durchgeführt werden könnte», erzählt der Zahnarzt. Aber er halte sich an die Auflagen und werde seine Praxis erst wieder für alle Behandlungen öffnen, wenn dies von Seiten des Bundes erlaubt sei.