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Dieb legte sich mit dem Falschen an

Ein Seriendieb ist bei einem hiesigen Fleischer an den Falschen geraten. Sein Raubversuch ging mächtig in die Hose. Jetzt wurde der serbische Tourist vom Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilt.
Reinhold Meier
Der Ausbeinraum war kein guter Ort für einen Überfall und der Metzger kein gutes Opfer: Die beiden Einbrecher suchten angesichts massiver Gegenwehr rasch das Weite. Der serbische Tourist wurde nun verurteilt und des Landes verwiesen. (Bild: Lara Abderhalden)

Der Ausbeinraum war kein guter Ort für einen Überfall und der Metzger kein gutes Opfer: Die beiden Einbrecher suchten angesichts massiver Gegenwehr rasch das Weite. Der serbische Tourist wurde nun verurteilt und des Landes verwiesen. (Bild: Lara Abderhalden)

Auf diese Idee muss man auch erst mal kommen. Keine Bank oder Tankstelle, sondern eine Metzgerei haben sich der Beschuldigte und sein Kumpan vor einem halben Jahr als lohnendes Ziel ausgespäht. An einem Samstag loteten die Profis aus, ob sich der Laden für einen Raubüberfall eigne, so die Anklage. Überwachungskameras konnten sie keine orten, das schien schon mal günstig. Zudem hatten sie das Gerücht aufgeschnappt, dass der Schlachter jeweils viel Bargeld auf sich trage. «Sie erhofften sich eine Beute von mehreren Tausend Franken».

Den Sonntag nutzten die Räuber, um sich mit Pfefferspray einzudecken. Am Montagmorgen schritten sie zur Tat, mit einer vermeintlich trickreichen Überlegung. Denn zunächst betrat nur der Kumpan den Laden, um den Metzger abzulenken. Der Mann bekundete, Fleisch kaufen zu wollen, ja, und zwar in rechter Menge. Der Hausherr bat den «Kunden» denn auch arglos in den Kühlraum, schnappte sich dort eine veritable Schulter und legte sie auf die Waage. Der Kunde schien zufrieden und beschied ihm, sie morgen abholen zu wollen.

Schläge und Wurfgeschosse gegen Einbrecher

In diesem Moment stiess der Angeklagte, der das Geschäft derweil heimlich betreten hatte, den Metzger von hinten in den Rücken. Jener fiel durch den heftigen Angriff auf die vor ihm stehende Waage. Doch der Angreifer machte weiter. Er sprühte ihm Pfefferspray in die Augen und schlug ihm ans Jochbein. Darauf fiel der Metzger erneut auf die Waage. Nun griff auch noch der Kumpan mit ein und stiess ihn von der Seite gegen die Wand.

Damit jedoch schien das Überraschungsmoment auch schon vorbei. Denn nun fing der Metzger an, sich gegen die beiden Angreifer zu wehren und wischte sich erst mal resolut den Pfefferspray aus den Augen. Darauf kam es zum «Austausch gegenseitiger Schläge», wie die Anklage vielsagend festhielt. Dann zog sich der Metzger kurz in den Ausbeinraum zurück, schnappte sich ein Stück Holz, um sich besser zu verteidigen. Das Holz flog gegen den Kumpan. Und gleich noch eine Kiste hinterher. Auf der lagen Messer. Von dieser Wende sichtlich eingeschüchtert suchte zunächst der Angeklagte das Weite, dann folgte der Kumpan. «Ohne Deliktsgut» flohen sie vor dem wehrhaften Handwerker. Umsonst, eine halbe Stunde später sassen sie in Untersuchungshaft.

Einbruchserie mit Festnahme gestoppt

Dies war das unrühmliche Ende einer mehrwöchigen Tatserie, wie sich bald zeigte.Denn in der U-Haft flog auf, dass dem Beschuldigten vier Einbruchdiebstähle zur Last zu legen sind, kurz zuvor begangen im Kanton St. Gallen. Dabei hatte der als Tourist eingereiste Mann jeweils nächtens Türen aufgewuchtet und nach Geld sowie wertvollen Sachen gesucht. Die Einbrüche organisierte er mit dem besagten Kumpan, der in einem eigenen Verfahren zur Verantwortung gezogen wird.

Einmal traf es ein Restaurant, hier erbeutete er 9 200 Franken und hinterliess 2000 Franken Sachschaden. Zwei Wochen später wiederholte sich dies in einer Anwaltskanzlei. Hier summierte sich der Wert der Beute auf 7 800 Franken. In einer Bar und in einem weiteren Restaurant war das Deliktsgut etwas geringer, belief sich aber auf jeweils mittlere vierstellige Beträge. Für die Anklage resultierte daraus der Vorwurf des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigungen und Hausfriedensbrüche sowie des besagten versuchten Raubs.

Im abgekürzten Verfahren wurde der Mann jetzt zu einer Haftstrafe von 16 Monaten verurteilt, bedingt auf zwei Jahre. Zudem kassierte er einen Landesverweis von acht Jahren, dem er direkt aus der halbjährlichen U-Haft heraus Folge zu leisten hat. Er hatte sich vorab geständig gezeigt und auch die Zivilforderungen von insgesamt über 50 000 Franken dem Grundsatz nach anerkannt.

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