Die zwei Wochen Bauferien haben begonnen - nur ausnahmsweise muss gearbeitet werden

Seit Montag steht die Arbeit auf den meisten Baustellen in der W&O-Region während zwei Wochen still. Im Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe hat dies Tradition.

Thomas Schwizer
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Diese und nächste Woche steht der Betrieb auf fast allen Baustellen der Region still. (Bild: Thomas Schwizer)

Diese und nächste Woche steht der Betrieb auf fast allen Baustellen der Region still. (Bild: Thomas Schwizer)

Viele Leute schlafen derzeit nach heissen Sommertagen in der Nacht gerne bei offenem Fenster, um so willkommene Abkühlung zu finden.

Doch wer ferienhalber morgens länger schlafen wollte, wurde bisher an manchen Orten schon in den frühen Morgenstunden geweckt; weil auf einer nahen Baustelle bereits die Baumaschinen dröhnten. Dies bleibt ihnen diese und nächste Woche erspart – denn es sind Bauferien.

Traditonell Ende Juli und Anfang August

Wer seit Montag in der W&O-Region bei einem Unternehmen aus dem Baugewerbe oder Baunebengewerbe anruft, wird wahrscheinlich durch einen Anrufbeantworter darauf hingewiesen, dass bis und mit Sonntag, 4. August, Betriebsferien sind. Sie sind in dieser Branche traditionell auf die letzten Juli- und der ersten Augustwoche terminiert.

Vor den Ferien steigt jeweils die Zahl der Unfälle an

Während andere Chefetagen von Bauunternehmen bereits Mitte vergangener Woche nicht mehr besetzt waren, war Werner Marty jun. von der Marty-Gruppe (Azmoos, Sennwald, Rüthi) noch bei der Arbeit. Er bestätigt, dass in diesen beiden Wochen der Betrieb auf den Baustellen grossmehrheitlich eingestellt ist.

Das zeigt auch ein Blick auf die Homepage des Gewerbevereins Wartau, auf dem die Betriebsferien der Mitglieder aufgeführt sind. Ob Plattenleger, Maler, Holzbauer oder Schreiner: Die Mitarbeitenden von Firmen aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe dürfen derzeit Sommerferien geniessen. «Sie haben das auch verdient», betont Werner Marty. Und sie hätten diese Erholungszeit auch nötig, denn vor den Sommerferien nehme die Zahl der Arbeitsunfälle jeweils auffallend zu.

Auch die Bauleiter und Ingenieure haben Ferien

Marty erklärt die koordinierten Bauferien damit, dass auch Architekten, Ingenieure und Bauleiter in diesen Wochen in die Ferien gehen. Und diese seien auf den Baustellen gefragt, weil es vor Ort immer wieder Entscheide zu fällen gibt.

Werner Marty stellt aber diesbezüglich einen neuen Trend fest: Manche dieser Entscheidungsträger seien auch während der Bauferien im Büro anzutreffen, so dass sie in dieser Zeit ungestört Arbeiten erledigen könnten.

Auf Grossbaustellen wird teilweise gearbeitet

Vor allem grössere Bauunternehmen halten auch während der zwei Bauferien-Wochen einen reduzierten Betrieb aufrecht, weil auf gewissen Grossbaustellen der Zeitdruck sehr hoch ist. So arbeitet auch bei der Marty-Gruppe etwa jeder zehnte Mitarbeitende, sagt Werner Marty. Zudem wird vom Unternehmen ein Notfall- und Pikettdienst sichergestellt.

Die betreffenden Angestellten, die arbeiten müssen, könnten ihre Ferien vor oder nach den Bauferien beziehen. Die anderen hätten die Option, ihre Ferien auf Wunsch um eine Woche zu verlängern.

Beim Neubau des Spitals Grabs gibt es keine Pause

Bei dringenden (Gross-)Bauvorhaben sind auch im Sommer Bauferien nicht möglich; die beauftragten Unternehmen müssen also ihre Arbeit gemäss Zeitplan erledigen. So gibt es auf der Baustelle «Neubau Spital Grabs» grundsätzlich keine Betriebsferien bzw. keinen Bauunterbruch. Das sagt Urs Diethelm, Bauprojektleiter der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, auf Anfrage des W&O.

Die Unternehmen der Bereiche Gebäudetechnik und Ausbau, die aktuell gemäss Baustand am Werk sind, müssten laut Programm der Bauleitung ständig vor Ort sein und ihre Personalressourcen (Ferienvertretungen) entsprechend planen.

«Einige wenige Betriebe konnten aber ihre Arbeiten zusammen mit dem Baumanagement so terminieren, dass sie während zwei Wochen der Baustelle fernbleiben.»

Als Beispiel nennt Diethelm die Umgebungsarbeiten.

«Das ist die attraktivste Zeit für Ferien»

In der Baubranche sind gemäss Gesamtarbeitsvertrag fünf Wochen Ferien für alle obligatorisch, ab 50 sind es sogar sechs Wochen. Durch betrieblich bedingte Überzeiten kommen meistens noch eine bis zwei weitere Wochen hinzu, die zu beziehen sind, erklärt Werner Marty. Deshalb würden den Mitarbeitenden neben den zwei vorgegebenen arbeitsfreien Wochen, gemäss Marty in der «attraktivsten Zeit für Ferien», genügend freie Wochen zur Verfügung stehen, deren Zeitpunkt sie frei wählen können.

Nun geniessen sie aber die zwei arbeitsfreien Wochen bei hoffentlich schönem Sommerwetter – und mit ihnen all jene, die nun morgens bei offenem Fenster auch etwas länger ungestört schlafen können.