Die Zeiten, als die Mountainbike-Weltelite den Buchser Hundschopf bezwang, sind leider vorbei

Nach einem grossen Verlust 2019 führt der RV Buchs das beliebte Mountainbike-Rennen nicht mehr durch. Nun wird ein Kinder- und Jugendtraining aufgebaut.

Heini Schwendener
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Polly Hollenstein, neue Präsidentin des RV Buchs, und Werner Vetsch, der ehemalige OK-Chef des Mountainbike-Rennens in Buchs.

Polly Hollenstein, neue Präsidentin des RV Buchs, und Werner Vetsch, der ehemalige OK-Chef des Mountainbike-Rennens in Buchs.

Heini Schwendener

Nino Schurter, Jolanda Neff, Julien Absalon, Manuel Fumic, Esther Süss, Christoph Sauser, Irina Kalentjewa, Sabine Spitz, die Flückigers – das sind nicht nur klingende Namen des Mountainbike-Sports, sie repräsentierten und repräsentieren die Weltelite. Sie alle sind schon am Buchser Mountainbike-Rennen gestartet. Wenn es schönes Wetter war vor Tausenden von Zuschauern, wenn es aber garstig, nass und bitterkalt war wie 2019, nur vor einigen wirklichen Fans.

Organisator des Rennens war jeweils der RV Buchs. Die Vergangenheitsform ist bewusst gewählt, denn die Mountainbike-Weltspitze wird künftig nicht mehr in Buchs in die Pedale treten. Was ist passiert?

Der Entscheid wurde schweren Herzens getroffen

Am 14. April 2019 hat «Wettermacher» Petrus dem Verein richtig übel mitgespielt. Er bescherte dem Verein mit seinen rund 55 Mitgliedern ein dickes Minus von 15000 Franken in der Kasse. Der Vorstand legte an der Hauptversammlung die traurigen Fakten auf den Tisch, ohne aber den Antrag zu stellen, das Rennen künftig nicht mehr durchzuführen. Dieser Antrag kam nach längerer Diskussion von Seiten der Mitglieder und wurde schliesslich einstimmig gutgeheissen. Der Entscheid sei dem Verein nicht leicht gefallen, sagt RV-Präsidentin Polly Hollenstein:

«Der Entscheid schmerzt und er ist mit viel Wehmut verbunden.»

Auch Werner Vetsch, OK-Chef der letzten vier Rennen in Buchs, tut der Entscheid weh. «Ein OK hätten wir sicher wieder zusammengebracht», sagt er. Doch das ist noch nicht einmal die halbe Miete. Allein für die Vorbereitung der Strecke sind ein bis zwei Wochen vor dem Rennen 50 Helfer notwendig, am Freitag vor den Rennen noch einmal 50 und an den beiden Renntagen je 100. Bei etwa 55 Mitgliedern wird klar, dass der kleine Verein sehr stark auf auswärtige Hilfe angewiesen ist.

Sehr beliebt war der Jugendparcours, da konnten die Schurters und Neffs von morgen ihr fahrtechnisches Können auf zwei Rädern unter Beweis stellen.

Sehr beliebt war der Jugendparcours, da konnten die Schurters und Neffs von morgen ihr fahrtechnisches Können auf zwei Rädern unter Beweis stellen.

Heini Schwendener

Vor allem finanzielle Gründe

«Im vergangenen Jahr konnten wir etwa ein Drittel der notwendigen Helfer selber stellen, zwei Drittel waren Externe, die uns tatkräftig unterstützt haben», erzählt Werner Vetsch. Die personellen Herausforderungen liessen sich bisher aber immer irgendwie stemmen. Vor allem, seit das Rennen alternierend in Buchs und in Schaan stattfand. Der RV Schaan und der RV Buchs haben sich jeweils gegenseitig ausgeholfen, und so blieb die Region Werdenberg-Liechtenstein im Rennkalender und das Publikum kam stets in den Genuss von spannenden Rennen mit den Weltklassesportlern.

Dass nun Schluss in Buchs ist, hat primär finanzielle Gründe: Neben den tiefroten Zahlen von 2019 auch der Umstand, dass die Sponsorensuche jedes Mal schwieriger wurde und ausserdem die Abgaben an den neuen Veranstalter der Rennserie höher waren als früher.

Polly Hollenstein und Werner Vetsch bedauern, dass zwar etliche potenzielle Sponsoren immer betont hätten, wie toll der Anlass sei, aber trotzdem nicht für ein substanzielles Sponsoring bereit waren.

Rennserie-Veranstalter von Corona betroffen

Simon von Allmen, Chef des Proffix Swiss Bike Cup, wusste noch gar nicht, dass der RV Buchs künftig keine Mountainbike-Rennen mehr organisieren wird. Ob damit das Rennen im Raum Werdenberg-Liechtenstein künftig noch stattfindet, sei darum noch gar nicht zur Diskussion gestanden. Mit dem RV Schaan habe man ja noch immer einen Partner. Der RV Schaan und Simon von Allmen haben im Moment jedoch andere Herausforderungen zu lösen. Das Rennen in Schaan vom 4./5. April ist wegen des Corona-Virus abgesagt. Simon von Allmen weiss noch nicht, wie es mit der Rennserie in diesem Jahr weitergeht. Das Rennen in Schaan werde eventuell später im Jahr nachgeholt. Sollte unsere Region letztlich sogar aus der Agenda der Proffix-Swiss-Bike-Cup-Rennserie verschwinden, muss sich Simon von Allmen keine Sorgen machen. Es gäbe Interessenten, die diese Lücke schliessen würden. (she)

Die Rennen waren nicht nur für das Renommee des Vereins wichtig, sagt die Präsidentin des RV Buchs, Polly Hollenstein, «Sie sind auch wichtig für die Juniorenförderung und eine nationale Plattform, um aufzusteigen in höhere Kader.»

Jugendparcours ist wichtig für den Nachwuchs

Grosser Beliebtheit erfreute sich jeweils auch der Jugendparcours. Mit solchen Events werden die Jüngsten spielerisch an den Sport herangeführt und sie lernen dabei die Fahrtechnik von Grund auf. Eltern nehmen mit ihren Kindern weite Anreisewege in Kauf, um bei den Jugendparcours starten zu können. Werner Vetsch ist überzeugt:

«Die Jugendparcours sind eine wichtige Plattform für Familien.»

Wer je vor Ort mitverfolgt hat, wie geschickt die jungen Zweiradkünstler über und durch die kniffligen Hindernisse fahren, weiss, welche Grundlagen sich die Rennfahrer von morgen dabei aneignen können. Die Schurters und Neffs von morgen kommen nicht von ungefähr.

2019 waren die äusseren Umstände des Moutainbike-Rennens in Buchs sehr schwierig. Selbst der mehrfache Weltmeister Nino Schurter kam an seine Grenze.

2019 waren die äusseren Umstände des Moutainbike-Rennens in Buchs sehr schwierig. Selbst der mehrfache Weltmeister Nino Schurter kam an seine Grenze.

Heini Schwendener

Kinder- und Jugendtraining aufbauen

Der RV Buchs blickt gleichwohl nach vorne. Polly Hollenstein, die an der denkwürdigen Hauptversammlung zur neuen Präsidentin des RV Buchs gewählt wurde, möchte ein Jugend- und Kindertraining aufbauen. Etwa fünf Rennfahrer gibt es im Verein noch, diese Zahl soll sich künftig erhöhen. Polly Hollenstein sagt:

«Ich glaube daran, dass wir eine
Bike-Region sind.»

Dieses Potenzial gelte es nun zu nutzen, dafür werde man einen Effort lancieren. Werner Vetsch betont, dass Kinder beim RV Buchs ihre Zweiradbegeisterung ausleben und unter professioneller Anleitung spielerisch umsetzen können.

Auf der Website (www.rvbuchs.ch) des Vereins, unter dessen Mitgliedern es übrigens auch «Gümmeler» und nicht nur Mountainbikerinnen und Mountainbiker gibt, findet man die Kontakte und das Angebot an Trainings und gemeinsamen Ausfahrten.