Die Toggenburger bauen am fleissigsten

In einem Bericht über die Unterschiede in den Regionen im Kanton St. Gallen, zeigt ein Haufen Zahlenmaterial, wie sich das Werdenberg und das Toggenburg entwickeln.

Armando Bianco
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Die Region Toggenburg wird laut einem Bericht des Kantons künftig wieder wachsen. (Bild: Martin Lendi)

Die Region Toggenburg wird laut einem Bericht des Kantons künftig wieder wachsen. (Bild: Martin Lendi)

(ab) Die Frage nach der Existenz regionaler Unterschiede und ihrer Veränderung im Zeitverlauf ist ein zentraler Ausgangspunkt für Entscheidungen über regionalpolitische Aktivitäten. Aus diesem Grund hat das Volkswirtschaftsdepartement die Fachstelle für Statistik beauftragt, diese Frage für die St. Galler Regionen der Neuen Regionalpolitik (NRP) aus statistischer Sicht zu beantworten. Ergebnis dieses Auftrags ist der Bericht «Regionale Disparitäten im Kanton St. Gallen», welcher kürzlich erschienen ist. Darin finden sich (erfreuliche) Zahlen und Aussagen zu den Regionen Toggenburg und Sarganserland-Werdenberg.

Werdenberg klettert in der Export-Rangliste nach oben

Zum dritten Mal seit 2010 hat der Kanton diesen statistischen Bericht zu den Unterschieden zwischen seinen Regionen publiziert. Analysiert werden Wirtschaft und Bevölkerungsstruktur, aber auch Themen wie Bildung, Steuerlast und Wohnraum. Bei den Exporten beispielsweise liegt das Rheintal nach wie vor mit Abstand auf dem ersten Platz: Die Region exportiert pro Mitarbeiter Waren im Wert von über 130000 Franken pro Jahr.

Auf dem zweiten Platz befindet sich neu die Region Sarganserland-Werdenberg mit rund 54000 Franken – und nicht mehr die Region Wil, diese ist mit 52000 Franken jetzt auf dem dritten Rang. Für die Statistik sind nicht die Wahlkreise massgebend, sondern die sogenannten «Regionen der Neuen Regionalpolitik (NRP)», die jeweils in privaten Vereinen organisiert sind. Im Bericht wird beleuchtet, ob sich die Disparitäten zwischen den NRP-Regionen im Zeitverlauf eher verstärkt haben oder ob eine Annäherung stattgefunden hat. Insgesamt wird zu sieben Themenbereichen anhand von 34 Indikatoren ein breites Bild über Stand und Entwicklung der regionalen Disparitäten gezeichnet. Neben Erwartbarem tritt hierbei auch manch überraschendes Ergebnis zutage. So wurden beispielsweise 2016 im Toggenburg die höchsten Bauinvestitionen pro Kopf getätigt, nachdem diese lange Zeit auf dem tiefsten Niveau der sechs Regionen lagen. Den höchsten Anteil Know-how-intensiver Unternehmensneugründungen erreichte während der Jahre 2013 bis 2015 nicht etwa die Region St. Gallen, sondern die Region Sarganserland-Werdenberg.

Kanton prognostiziert Positives fürs Toggenburg

Die Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen ist in allen betrachteten Regionen gross. In sämtlichen Regionen entfallen im Jahr 2016 mehr als 65 Prozent der Beschäftigung auf KMU. Dennoch sind deutliche regionale Unterschiede zu verzeichnen. Im Toggenburg finden sich nur wenige Betriebe, die zu Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten gehören, sodass dort der Anteil der Beschäftigung in KMU 2016 bei über 90 Prozent liegt. Am tiefsten ist der KMU-Anteil an der Beschäftigung in der Regio St. Gallen. Auffällig ist, dass ausser in der Regio St. Gallen der KMU-Anteil zwischen 2011 und 2016 jeweils etwas zugenommen hat, am stärksten mit einem Plus von zwei Prozentpunkten in der Region Sarganserland-Werdenberg.

Mit verbesserter Aussicht insgesamt glänzt vor allem die Region Toggenburg. Der Kanton sagt dem Tal einen längerfristigen positiven Trend voraus. Bis 2035 soll die ständige Wohnbevölkerung wieder langsam aber stetig anwachsen. Die Werte der vergangenen Jahre scheinen den vorsichtigen Optimismus zu bestätigen: Schon im Jahr 2010 war die Talsohle durchschritten.