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Die Trockenheit hält weiter an

Trotz der Gewitter letzte Woche bleibt die Trockenheit im Werdenberg erheblich. Für eine Normalisierung der Lage wären lang andauernde Regenfälle nötig. Diese sind jedoch nicht in Sicht.
Katharina Rutz
Wegen des tiefen Wasserstandes musste unter anderem der Giessenbach in Buchs von Mitgliedern des Fischerei-Vereins Werdenberg abgefischt werden. (Bilder: PD)

Wegen des tiefen Wasserstandes musste unter anderem der Giessenbach in Buchs von Mitgliedern des Fischerei-Vereins Werdenberg abgefischt werden. (Bilder: PD)

Es ist trocken. Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit können die Bewässerungsanlagen auf den Feldern beobachtet werden. Der Fischereiverein Werdenberg musste wegen der tiefen Wasserstände bereits mehrmals Fische aus Bächen retten. Auch die Regenfälle vom letzten Donnerstag und Freitag brachten nur kurzfristig Entspannung. «Da die trockenen Böden einen Grossteil des Niederschlags aufnahmen, reagierten die Bäche höchstens mit kurzzeitigen Abflussspitzen», heisst im aktuellen Bulletin über Trockenheit im Kanton St. Gallen. Für das Werdenberg gilt deshalb nach wie vor die Gefahrenstufe 3 erheblich. Das bedeutet tiefe bis sehr tiefe Wasserstände und eine abnehmende Wasserführung in Bächen mit Schmelzwasser. Die Grundwasserstände sind unter dem langjährigen Mittelwert.

Lang anhaltende Trockenheit

Die Trockenheit herrscht bereits seit dem Frühjahr. Das Amt für Wasser und Energie (AWE) unterhält verschiedene Stationen zur Messung des Niederschlags sowie der Pegelstände der Bäche und des Grundwassers. In Weite auf der ARA Wartau gibt es eine Niederschlagsstation. «In den letzten drei Monaten wurde in Weite nur die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge gemessen», sagt Silja Kempf, Leiterin Hydrometrie beim AWE. Der Fischereiverein Werdenberg ist laut Gewässerschutzbeauftragtem Christian Schwendener bereits seit Mai damit beschäftigt, einzelne Bäche abzufischen, um ein Fischsterben zu verhindern. Für eine Entspannung der Situation wären grosse Niederschlagsmengen nötig. «Für eine Normalisierung bräuchte es flächendeckende und lang anhaltende Regenfälle. Einzelne Gewitter reichen dazu bei weitem nicht aus», sagt Silja Kempf. Da die aktuelle Wetterlage nicht danach aussieht, dürfte die Trockenheit noch andauern.

Verschärfung auch im Toggenburg wahrscheinlich

Im Obertoggenburg ist die Situation noch etwas besser. Die Gefahrenstufe ist mit 2 mässig noch geringer. «Die Bäche führen noch etwas mehr Wasser, möglicherweise profitieren sie noch vom Schmelzwasser», so Silja Kempf. Sie schätzt aber, dass sich die Lage auch im Obertoggenburg noch verschärfen wird.

Für Fische wird es kritisch

«In den Bächen und Flüssen im Kanton St. Gallen fliesst viel weniger Wasser als durchschnittlich in dieser Jahreszeit. Mehrere kleine Bäche sind ausgetrocknet.» Dies schreibt die Staatskanzlei St. Gallen in einer Medienmitteilung. Der Fischerei-Verein Werdenberg ist bereits seit Mai immer wieder damit beschäftigt Fische aus einzelnen Gewässern in der Region abzufischen. Die Einsätze fanden bisher in Sevelen, Buchs und Sennwald statt. Sinkende Wasserstände und eine versiegende Frischwasserzufuhr können für die Fische kritisch werden. «Das Wasser enthält zu wenig Sauerstoff und stehendes Wasser erwärmt sich schneller», sagt Christian Schwendener, Gewässerschutzbeauftragter des Fischerei-Vereins Werdenberg. Normalerweise würde die Wassertemperatur rund 12 bis 14 Grad betragen, kürzlich habe er in einem Gewässer jedoch 22 Grad gemessen.

Für diese Forellen in einem Seveler Bergbach kam jede Hilfe zu spät.

Für diese Forellen in einem Seveler Bergbach kam jede Hilfe zu spät.

Wenn die Fische vermehrt an der Oberfläche schwimmen, sei es an der Zeit diese Abzufischen und in andere Gewässer umzusiedeln. «Die Fische werden in kühlere und wenig gefährdete Gewässer umgesiedelt», so Schwendener. «Der tiefe Wasserstand war vor allem in den Seveler Berggewässern akut.» Doch auch in den Buchser Gewässern Röllbach und Giessenbach seien die Wasserstände kritisch. Der Fischerei-Verein Werdenberg bittet die Bevölkerung bei Verdacht auf einen zu tiefen Wasserstand Meldung beim Vorstand zu machen.

Herausforderung für Gemüsebauern

«Zwar ist die Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt», wie der Kanton St. Gallen schreibt. «Die Bevölkerung ist dennoch aufgerufen, sorgsam mit dem Wasser umzugehen.» Gerade in der Landwirtschaft dürfte dies eine Herausforderung sein. Der Kanton hält die Landwirte an, nach Möglichkeit nachts zu bewässern.

Vor der Ernte werden Felder zurzeit bewässert. (Bild: Reto Martin)

Vor der Ernte werden Felder zurzeit bewässert. (Bild: Reto Martin)

«Ich bin grundsätzlich gegen das Bewässern von Feldern», sagt Beni Dürr, Geschäftsleiter der Verdunova AG. Sein angeschlossener Gemüsebaubetrieb pflanzt zurzeit wöchentlich 600000 Setzlinge auf rund 20 Hektaren. «Wir bewässern nicht flächendeckend, sondern geben jedem Setzling rund einen halben Joghurtbecher voll Wasser zu den Wurzeln», erklärt er. Ausserdem gebe es Massnahmen die Verdunstung aus dem Boden möglichst gering zu halten. Das Hacken der Erde ist beispielsweise eine solche. Bewässern würde er erst vor der Ernte. «Dann benötigen die Pflanzen das Wasser, um nochmals zu wachsen und die Erträge lassen sich verbessern», so Dürr. Wegen der Trockenheit musste Dürrs Gemüsebaubetrieb dieses Jahr vermehrt zu solchen wassersparenden Massnahmen greifen und auch vor der Ernte mehr bewässern.

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