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Die Schadensituation im Wildhauser Schutzwald ist punktuell prekär

Um die Funktion des Schutzwaldes oberhalb von Wildhaus zu erhalten, stehen jahrelange Arbeiten an.
Jessica Nigg
Ohne Schutzwald wäre die Badi Schönenbodensee von Steinschlag bedroht. (Bild: Jessica Nigg)

Ohne Schutzwald wäre die Badi Schönenbodensee von Steinschlag bedroht. (Bild: Jessica Nigg)

Nicht überall sind die Schäden im Wald aus einer unglücklichen Kombination von Stürmen und Trockenheit gleich deutlich zu spüren. Die Gebiete Gulmen und Chochler in Wildhaus beispielsweise hat es aber voll erwischt. In diesen Schutzwäldern stehen zu einem grossen Anteil flachwurzelnde Fichten. Während Sturmtief Burglind viele Bäume umgeweht und der darauffolgende Sommer die Wurzeln vieler weiterer ausgetrocknet hatte, gibt nun der Buchdrucker - wie der Borkenkäfer, der Fichten befällt, heisst - einer weiteren grossen Anzahl an Bäumen den Rest.

Braune Mahnmale

Die Folgen sind nicht mehr zu übersehen, viele Fichten sind abgestorben und zeigen als braune Mahnmale auch Laien, dass hier wohl etwas nicht in Ordnung ist. «Viele denken, dass nur die braunen Bäume besonders betroffen sind. Das waren sie. Bis aber ein Baum abstirbt, sind die Borkenkäfer schon wieder eine ‹Hausnummer› weiter», wie Reto Hürlimann, Betriebsleiter der Forstbetrieb Obertoggenburg AG (Foag), erklärt.

«Den frisch befallenen Fichten sieht man die Anwesenheit des Borkenkäfers noch nicht an, sie sind noch grün»,

ergänzt der Toggenburger Regionalförster Christof Gantner. «Erst später wirken sie etwas fahl.»

Situation hat sich Ende Juli massiv verschärft

Selbst als Revierförster, der das Gebiet sehr gut kennt, ist Reto Hürlimann überrascht, wie schnell der Verfall des Waldes fortschreitet: «In der letzten Juliwoche hat sich die Situation im Gebiet massiv verschärft. Obwohl wir ein Augenmerk auf die Situation gelegt hatten, dachten wir, im Gegensatz zum Unterland glimpflich davon gekommen zu sein.»

Es habe sich aber gezeigt, dass der Borkenkäfer sich grossflächig eingenistet habe. Hürlimann veranlasste daraufhin eine Begehung der betroffenen Flächen mit Regionalförster Christof Gantner sowie mit der Waldbesitzerin, der Ortsgemeinde Wildhaus. Auch von einem Spezialisten der Fachstelle Gebirgswaldbau sowie anderen Fachleuten wurde Rat eingeholt, bevor man das weitere Vorgehen beschloss. «Wenn man sich für eine Bekämpfung entscheidet, muss das innerhalb nützlicher Frist passieren.» Ziel ist es, mit den Massnahmen die Waldfunktion zu erhalten.

Wo es Sinn macht, wird das Käferholz abgeführt

Um eine die Ausbreitung der Borkenkäfer einzudämmen, empfiehlt der Kanton, Käferholz aufzurüsten und aus dem Wald abzuführen. Denn obwohl der Buchdrucker hauptsächlich schwache Bäume angeht, vermag eine hohe Käferpopulation auch gesunde Bäume zu befallen. «Man sagt, es fällt noch einmal so viel Totholz durch Borkenkäferbefall wie durch einen schweren Sturm selbst an», erklärt Christof Gantner. Durch den Hitzesommer habe sich die Lage noch verschärft. Die Fichte wehrt den vier bis fünf Milimeter langen Feind mit Harz ab. Dafür braucht sie aber genug Flüssigkeit, welche sie wegen ihrer flachen Wurzeln während einer Trockenperiode je nach Standort nicht beziehen kann.

Käferholz aus dem Wald schaffen

Die Holzereiarbeiten in den betroffenen Gebieten sind aufwendig und teuer, da man mit Seilbahnen oder Helikoptern arbeiten muss. Im Gebiet Gulmen, oberhalb des Schönenbodensees, leisten zudem tote Fichten einen letzten Dienst: Sie werden quer zum Abhang gefällt. Auf diese Weise bieten sie auch liegend Schutz – zum Beispiel vor Steinschlägen.

Ausserdem wird im Moment wiederholt ganz genau eruiert, wo die Borkenkäfer aktiv sind. «Dort, wo wir Massnahmen durchgeführt und Aufwand betrieben haben, müssen wir nun wöchentlich schauen, ob alle Käfer entfernt wurden», erklärt Reto Hürlimann. Den Befall erkennt man unter anderem an Harzfluss oder am Sägemehl am Stammfuss. Besonders gut sichtbar wird dieses zum Beispiel auf Brombeerblättern oder in Spinnennetzen.

Auch Spechtanzeichen wie Rindenschuppen am Boden oder Spechtlöcher weisen auf die Anwesenheit des Borkenkäfers hin. Die Suche nach diesen Anzeichen kostet Zeit und Geld. «Die Kosten der aktuellen Arbeiten im Wald sind aber immer noch deutlich weniger hoch, als wenn wir beispielsweise die Badi Schönenbodensee vor Steinschlag schützen müssten, indem wir Netze über die Felsen oberhalb der bei Touristen und Einheimischen sehr beliebten Einrichtung montieren müssten», erklärt Kantonsoberförster August Ammann.

Holzabsatz wird immer schwieriger

«Wir haben das Glück, dass wir eine Käuferschaft haben, die den Ernst der Lage erkennt und sich solidarisch zeigt und uns das Holz abnimmt», freut sich Reto Hürlimann. Die Käufer stammen aus der Region. Ein guter Anteil des Käferholzes wird als Schnitzelholz den diversen regionalen Wärmeverbünden im Toggenburg zugeführt. «Das Holz kommt also relativ schnell aus dem Wald heraus», so der Foag-Betriebsleiter. Wie lange dieser Absatz bei der aktuellen Marktsättigung aber noch aufrechterhalten werden kann, weiss auch er nicht. August Amman erklärt:

«Solange man das Holz zeitnah aus dem Wald holt, gibt es keine Entwertung.»

Wartet man aber zu lange mit dem Abtransport des Käferholzes, bildet sich im äusseren Viertel des Stammes durch den Befall eines speziellen Pilzes ein bläulicher Ring. Das Holz sei dann schwieriger abzusetzen. «Käferholz ist rein vom Statischen her kein Problem, nur zum Anschauen ist es nicht mehr so schön», erklärt Chläus Forrer, der Präsident der Ortsgemeinde Wildhaus, der selbst Säger ist und sich mit Käferholz bestens auskennt. «Der blaue Streifen verdirbt viel; für vieles ist Käferholz noch zu gebrauchen, nicht aber für den Innenausbau. Auch Schreiner wollen es nicht.» Wenn man ein Brett Käferholz mit blauer Verfärbung schneide und an eine Fassade nagle, sehe man innerhalb eines halben Jahres nichts mehr, so Forrer. Und Regionalförster Christof Gantner weiss: «Die Markthalle in Wattwil ist komplett aus Käferholz gebaut und man sieht nichts.»

Noch ist viel zu tun für die Schutzfunktion des Waldes

Die Folgen der unglücklichen Anhäufung von Ereignissen, die zur explosionsartigen Vermehrung des «Buchdruckers» geführt hat, werden die Forstdienste noch über Jahre hinweg beschäftigen. «Mindestens bis ins Jahr 2025», schätzt Chläus Forrer und Christof Gantner, August Ammann und Reto Hürlimann stimmen ihm zu.

Bleibt zu hoffen, dass bis dahin nicht weitere Naturereignisse die erbrachten Arbeiten zunichtemachen.

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