Die Saison dauert das ganze Jahr

Stundenlanges Training in der Turnhalle und auf der Skipiste, daneben eine Ausbildung – die jungen Athleten des OSSV-Kaders nehmen viel Aufwand auf sich, um ihren grossen Traum, eine Karriere als Skirennfahrer, zu verwirklichen.

Sabine Camedda
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Co-Trainer Immanuel Egger (rechts) bespricht sich mit den jungen Kaderathleten des OSSV auf dem Mölltaler Gletscher. (Bild: PD)

Co-Trainer Immanuel Egger (rechts) bespricht sich mit den jungen Kaderathleten des OSSV auf dem Mölltaler Gletscher. (Bild: PD)

Die Blicke der Skination Schweiz sind im Winter auf die Weltcup-Fahrer gerichtet. Doch längst stehen deren Nachfolger im Starthäuschen. Acht junge Toggenburger – vier Damen und vier Herren – gehören dem Juniorenkader des Ostschweizer Skiverbandes (OSSV) an. Darunter zwei Fahrerinnen vom SSC Toggenburg: Lea Sophia Mettler und Nina Herren. Die Herren trainieren unter Mary Egger-Reichhold und Immanuel Egger, für die Damen ist Burkhard Bär zuständig. Die Kärntnerin Egger-Reichhold hat in den vergangenen 25 Jahren im Nachwuchsbereich der alpinen Skifahrer gearbeitet und weiss, worauf es ankommt. «Die Junioren müssen viel und nachhaltig arbeiten», sagt sie.

Die Juniorenstufe bedeutet, dass die Skirennfahrer erstmals bei FIS-Rennen starten, in denen sie auf internationale Konkurrenz treffen. «Der Sprung von interregionalen und nationalen Rennen in den FIS-Bereich ist gross», weiss Mary Egger-Reichhold. «Dazu kommt, dass die Jugendlichen in diesem Alter viele Weichen stellen müssen und den Sport nebst der Ausbildung in Schule und Beruf unter einen Hut bringen müssen.»

Alles dem grossen Traum unterordnen

Einen Saisonstart kennen die Skirennfahrer nicht. Nur wenige Tage nach den letzten Skirennen beginnt im Mai das Training für die nächste Saison. Die Athleten unterziehen sich in einem ersten Trainingslager einem Laktattest. Dieser gibt Aufschluss über den Fitnesszustand jedes Einzelnen. «Das erlaubt uns, jedem einen individuellen Trainingsplan zusammenzustellen», erklärt Egger-Reichhold. Diese Tage auf dem Mölltaler Gletscher dienen aber auch dem Training auf den Ski. Gleichzeitig lernen die Junioren selbstständiger zu werden und bilden ein Team, fügt die Trainerin schmunzelnd hinzu. Denn: Fast jeden Tag müssen die Junioren einkaufen gehen und sich ihr Essen selber zubereiten.

Mary Egger-Reichhold hat grossen Respekt vor dem, was ihre Schützlinge leisten. Die meisten gehen morgens und nachmittags zur Arbeit oder zur Schule, trainieren über den Mittag und am Abend. Dazwischen lernen sie oder machen Hausaufgaben, wenn sie noch in der Ausbildung sind. «Sie brauchen und erhalten viel Unterstützung von ihrem Umfeld», so die Trainerin zu. Die Eltern helfen nicht nur finanziell, sondern übernehmen Fahrdienste, leisten wertvolle Aufbauarbeit, wenn es einmal nicht wunschgemäss läuft, und sind für ihre Kinder da. Es sei auch nicht selbstverständlich, dass die Firmen flexibel seien und die jungen Skirennfahrer so unterstützen. Oftmals werde kurzfristig über Renneinsätze entschieden und das bedeute dann, dass der Junior am Arbeitsplatz sei oder eben nicht.

Eine neue Generation von Skifahrern

Für die Junioren bedeutet die Kaderzugehörigkeit viel reisen und fast jedes Wochenende mehrere Rennläufe. Für die Damen von Trainer Burkhard Bär sind 14 Rennen im Winter Pflicht – sie gehören zum Swiss Cup und dienen für die Selektion in höhere Kader. Bei ihr fahre nicht jeder immer beim gleichen Rennen, erklärt Mary Egger-Reichhold. Trotzdem könne es sein, dass gerne einmal bis gegen 200 Fahrer am Start stehen. Die Spitze sei entsprechend breit und viele könnten vorne mitfahren. «Es zeigt sich aber klar, dass sie im Sommer hart arbeiten müssen, sonst haben sie keine Chancen vorne mitzufahren», sagt Egger-Reichhold. Bei den Damen sei die Spitze weniger breit, fügt Burkhard Bär an. «Kämpfen bei den Herren fünf um einen Startplatz, sind es bei den Damen vielleicht drei.» Mary Egger-Reichhold spricht von einer neuen Generation Skifahrer, die vieles in sich vereinen müssten: Fitness, Kondition, Kraft, Koordination und eine mentale Stärke. Dazu komme, dass die Technik sich verändert und wieder weiterentwickelt hat. Egger-Reichhold bemerkt aber, dass sich die Nachhaltigkeit bei ihren Junioren positiv auswirkt.

Talent alleine genügt nicht

Die Resultate der OSSV-Junioren stimmen, sie sind motiviert und spornen einander an, noch besser zu sein. «Ich glaube an sie und an ihren Erfolg. Aber noch wichtiger ist es, dass sie selber daran glauben und motiviert sind», sagt Mary Egger-Reichhold. Dies sei es letztlich auch, was die Junioren antreibt, auch wenn es einmal nicht wunschgemäss läuft.

Je höher hinauf es gehe, desto dünner sei die Luft. «Im Weltcup sind nur die Besten der Welt dabei und das wissen die Junioren», sagt Egger-Reichhold. Talent allein genüge nicht, Willensstärke und Geduld würden die jungen Athleten weiterbringen. Das können sie gerade miterleben, denn Cédric Noger (Speer Ebnat-Kappel), der zweimal aus dem Regionalkader in ein Kader von Swiss-Ski aufgestiegen ist, hat in diesem Jahr den Sprung an Weltcup-Rennen geschafft. Sein Weg sei nicht nur im Skisport vorbildlich, findet Egger-Reichhold: «Wenn jemand lernt, immer aufzustehen, der schafft es in seinem Leben leichter, alle Hürden zu überwinden.»

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