Die Rebellion der Tiere auf der Wildhauser Puppenbühne

Nach 1982/83 wird «Farm der Tiere» von George Orwell im Wildhauser Puppentheater erneut gespielt. Dank neuem Bühnenbild, aufgefrischter Tiere und neu aufgenommener Dialoge, kommt das anspruchsvolle Spiel, welches die Rebellion der Tiere gegen die Menschen zeigt, erfrischend und doch ernst daher. Erarbeitet wurde das Ganze unter der Regie von Barbara Rhyner.

Adi Lippuner
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Regisseurin Barbara Rhyner gibt den Spielerinnen Anweisungen, wie die Puppen aufgestellt werden sollen.

Regisseurin Barbara Rhyner gibt den Spielerinnen Anweisungen, wie die Puppen aufgestellt werden sollen.

Bild: PD

Die Fabel wurde seinerzeit als Satire auf die Russische Revolution von 1917 und die Errichtung der Diktatur geschrieben und wurde fälschlicherweise oft als Märchen für Kinder missverstanden. Zusammenfassend kann das Stück so erklärt werden: Auf einer Farm in England versammelt eines Nachts ein alter Eber namens Old Major alle Tiere in der Scheune. Der Hof gehört Mr. Jones, einem brutalen und trunksüchtigen Herrscher. Old Major hält eine aufwieglerische Rede. Er führt den Tieren vor Augen, wie elend und grausam ihr Leben auf der Farm ist. Schweine, Hühner, Pferde und Kühe seien nichts als Sklaven und die Menschen ihr natürlicher Feind. Als Gegenbild zu diesem «Schweineleben» malt Old Major ein Traumbild von freien Tieren, die nur für sich selbst arbeiten und den ganzen Ertrag teilen.

Der alte Eber ruft die Tiere schliesslich zur Rebellion auf. Der Kampf gegen den selbstsüchtigen Menschen müsse gewonnen werden. Zum Schluss der Versammlung singt Old Major eine Hymne auf die Freiheit der «Tiere Englands».

Die anspruchsvolle Arbeit an den langen Fäden

Die Spielerinnen, eigentlich gewohnt, die Menschenfiguren an langen Fäden zu führen, müssen sich beim aktuellen Stück ein Stück weit umgewöhnen. Heidi Himmelberger, Gründungsmitglied der Puppenbühne beschreibt im Gespräch mit dem W&O auf diese Weise: «Die Tierfiguren haben mehr Gewicht als Menschen und sind deshalb schwieriger zu führen.» Es sei eine Umgewöhnung gewesen, aber inzwischen habe sich die ganze Truppe der Spielerinnen, das sind nebst Heidi Himmelberger auch Alice Schwendener, Claudia Vetsch, Vreni Tobler, Silvia Bösch und Vreni Oehler, an die neue Herausforderung gewöhnt.

Speziell am aktuellen Stück für Erwachsene ist die Tatsache, dass bei der ersten Aufführung kein eigentliches Theaterstück vorhanden war. «Wir haben seinerzeit Seite für Seite des Buches gelesen und die Dialoge selbst geschrieben», blickt Heidi Himmelberger zurück. Für die Neuauflage wurde das Ganze von Stefan Litscher bearbeitet und er war auch feder­führend bei den Aufnahmen der Sprecherinnen und Sprecher. Zudem erwartet die Besucherinnen und Besucher eine Überraschung, welche das Stück auch für Nicht-Kenner des Orwell’schen Buches verständlicher macht. Welche, das will das Puppenbühne-Team im Vorfeld nicht verraten.

Familiäre, ja fast schon intime Atmosphäre

Familiär, schon fast intim, so kann die Atmosphäre im Zuschauerraum des Puppentheaters beschrieben werden. «Wer einmal als Besucher hier war, kommt immer wieder», so oft gehörte Aussagen nach den Aufführungen. Und in der Tat: Viele Gäste und Einheimische haben den Besuch der Puppenbühne fix in ihrem Jahresprogramm eingeplant.

Das Stück für Kinder

Für die Kinder wird in der aktuellen Spielsaison, unter der Regie von Heidi Himmelberger, «Rumpelstilzchen» gespielt. Das Stück der Gebrüder Grimm wurde für die Puppenbühne von Bernadette Helbing und Irmgard Litscher bearbeitet. Premiere ist am Samstag, 28. Dezember um 14 Uhr. Vorverkauf bei Toggenburg Tourismus. Premiere für «Farm der Tiere» ist am Samstag, 28. Dezember, um 20 Uhr. Aufführungsdaten sowie Infos zur Reservierung unter www.puppenbuehne-wildhaus.ch

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