Markus Stähli: «Die Natur bestimmt den Takt»

Als Naturfotograf weiss der Grabser Markus Stähli, dass sich seine Sujets nicht arrangieren lassen. Deshalb benötigt er viel Zeit und noch mehr Geduld, um die gewünschten Bilder zu erhalten.

Adi Lippuner
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Markus Stähli, Fotograf und Redaktor der Zeitschrift «Jagd + Natur», braucht bei der Wildtier-Fotografie viel Geduld. (Bild: Urs Bucher)

Markus Stähli, Fotograf und Redaktor der Zeitschrift «Jagd + Natur», braucht bei der Wildtier-Fotografie viel Geduld. (Bild: Urs Bucher)

Die Adresse, Rehweg in Grabs, passt zu Markus Stähli, ist er doch Naturfotograf, Jäger und Chefredaktor des Magazins «Jagd + Natur».

Dass er vor gut acht Jahren sein Hobby zum Beruf machen konnte, sei ein Glücksfall gewesen, betont er. «Nach über ­ 20 Jahren als Gemeinderatsschreiber in Grabs war es der richtige Zeitpunkt für eine neue Herausforderung. Nebst dem Fotografieren habe ich immer auch gerne geschrieben und mit der neuen Aufgabe sozusagen meine ­Bestimmung gefunden.»

Schon als Knabe gerne in der Natur unterwegs

Rückblende in die Jugendjahre: Markus Stähli wuchs, zusammen mit einem Bruder, in der Gemeinde Vilters-Wangs auf.

«Schon als Knabe war ich gerne in der Natur unterwegs, einerseits mit meinem Vater, der war Fischereiaufseher, andererseits aber auch ganz allein auf Wanderungen im Pizolgebiet. Daheim habe ich jeweils erzählt, dass ich Gämsen, Steinböcke und Schneehühner sah.» Meist hörte ich von den Eltern nur: «Das erzählst du einfach so, aber ob es stimmt, ­wissen wir nicht.»

Mit «Voigtländer» auf der Pirsch

Um zu beweisen, welche Beobachtungen er in der freien Natur mache, habe er den Fotoapparat seines Vaters – eine ganz einfache «Voigtländer», ein Produkt aus Braunschweig – mitgenommen. «Eigentlich war es ein Apparat für Landschaftsaufnahmen, aber die eine oder andere Tierbegegnung konnte ich trotzdem festhalten.»

Für seine eindrücklichen Aufnahmen von Wildtieren benötigt Markus Stähli sehr viel Geduld. (Bild: Markus Stähli)

Für seine eindrücklichen Aufnahmen von Wildtieren benötigt Markus Stähli sehr viel Geduld. (Bild: Markus Stähli)

So kam Markus Stähli «auf den Geschmack» der Naturfotografie. Er hat sich während der vergangenen drei Jahrzehnte ständig weiter entwickelt und auch seine Ausrüstung vervollständigt. «Sie wiegt bis 20 Kilo, je nachdem, was ich alles dabei haben will.»

Auf Wanderungen mit seiner Frau Therese nehme er dagegen meist nur eine kleine Kamera mit, «denn unterwegs beobachte ich ständig meine Umgebung.»

«Wir sind schon oft ohne Bilder auf dem Kamerachip, aber mit wunderbaren Erfahrungen und Erinnerungen an Tierbegegnungen nach Hause gekommen.»

Vom Sarganserland nach Grabs

Nach einigen Schnupperlehren im kaufmännischen Bereich entschied sich Markus Stähli für die Ausbildung auf der Gemeindekanzlei in Vilters-Wangs. «Ich hatte schon immer gerne Kontakt mit Menschen, und auf einer kleinen Gemeindeverwaltung sind die Aufgaben vielfältig und abwechslungsreich.»

Nach der KV-Lehre wechselte der Sarganserländer nach Grabs, zuerst als Angestellter der Gemeindekanzlei. Kurz darauf wurde er, damals erst 21-jährig, zum Gemeinderatsschreiber von Grabs gewählt.

«Ich war der Jüngste in dieser Position im Kanton St. Gallen und wurde mit der neuen Aufgabe stark gefordert.»

Doch dank guter Vorgesetzter, einem Superteam und verschiedenen Weiterbildungen habe er sich in der neuen Position schnell zurechtgefunden.

Fernweh für einige Zeit schubladisiert

Seine Pläne und Wünsche, einige Zeit die Welt zu entdecken, habe er zurückgestellt. «Da war die Rekrutenschule, dann die Aufgabe bei der Gemeinde Grabs, die mir sehr gefiel, und zudem lernte ich an einer Turnerunterhaltung in Gams meine spätere Ehefrau Therese kennen. Dies waren genügend Gründe, um das Fernweh für einige Zeit zu schubladisieren.»

Nach dem Motto: «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben», entdeckten Therese und Markus Stähli einige Orte auf der Welt gemeinsam. «Wir haben während elf Monaten pro Jahr gearbeitet und waren dann jeweils einen Monat unterwegs, so in Kanada, Alaska oder auch in Afrika.»

Fan der nordischen Länder

Geheiratet haben Therese und Markus Stähli im Juni 1994, sie können dieses Jahr ihre silberne Hochzeit feiern. Zusammen mit ihren beiden Töchtern Franziska (21) und Luzia (19) entdeckte die Familie während der vergangenen Jahre die nordischen Länder, insbesondere Mittelschweden.

«Inzwischen reisen meine Frau und ich wieder allein, wobei wir gerne einfach unterwegs sind – zu Fuss, mit einem Camper oder dem Zelt.»

Nächstes Jahr kann sich der Naturfotograf einen ganz besonderen Traum erfüllen: Dank guter internationaler Kontakte zu Berufskollegen ist er zu einer Expedition in die Arktis eingeladen. «Damit geht einer meiner grossen Träume in Erfüllung, auch wenn die Herausforderungen nicht zu unterschätzen sind.» Er müsse – vor Antritt der Reise – bezüglich Gesundheit genaue Angaben machen. «Ich erfreue mich bester Gesundheit und habe zudem drei Frauen im Haus, die alle in dieser Branche tätig sind», stellt er mit fröhlichem Lachen fest.

Die Fotoausrüstung, die Markus Stähli jeweils mitführt, wiegt bis zu 20 Kilo. (Bild: Urs Bucher)

Die Fotoausrüstung, die Markus Stähli jeweils mitführt, wiegt bis zu 20 Kilo. (Bild: Urs Bucher)

Mit Geduld zu guten Aufnahmen

«Ein Studiofotograf kann seine Modelle ins richtige Licht rücken und Anweisungen erteilen, bei Tieren funktioniert dies nicht», erklärt Markus Stähli. Deshalb brauche er viel Zeit für seine Aufnahmen – und vor allem auch eine rechte Portion Geduld.

«Oft warte ich während Stunden, dann muss ich innerhalb weniger Sekunden reagieren. Wenn dies nicht funktioniert, lässt sich die Szene nicht erneut stellen. Oft heisst es dann, wieder auf die nächste Begegnung zu warten.»

Weil Zeit ein rares Gut ist, benötigte Markus Stähli für sein vergriffenes Buch «Rothirsch. Auf der Fährte des Geweihten», das ihm einen internationalen Buchpreis einbrachte, acht Jahre. «Es war eine intensive Auseinandersetzung mit dem ‹König der Wälder›. Ich fotografierte im Kanton St. Gallen und im Kanton Graubünden und war sehr oft allein unterwegs», blickt er zurück auf die Zeit bis 2009, als das Werk druckfrisch vorlag.

Begegnung mit den Tieren auch auf der Jagd im Mittelpunkt

Auch als Jäger ist der in Grabs wohnhafte Fotograf und Wildtier-Liebhaber gerne unterwegs. Er gehört der Jagdgesellschaft Grabs-West an und darf sich ab und zu über ein «Weidmannsheil» beim Abschuss eines Hirsches, einer Gämse oder eines Rehs freuen.

Wobei auch bei der Jagd nicht nur der Abschuss, sondern vielmehr die Begegnung mit den ­Tieren und der Aufenthalt in der freien Natur im Mittelpunkt stehe, wie Stähli betont.

Hinweis: www.wildphoto.ch