Peter Lenzin spielte im Fabriggli vor der Kamera ein Konzert und sagt: «Mit dieser Ungewissheit umzugehen ist nicht einfach»

Anfang Monat war der St.Galler Jazzmusiker Peter Lenzin unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorkehrungen in Buchs zu Gast.

Christian Imhof
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Jazzmusiker Peter Lenzin (rechts) und Gitarrist Sakis Hatzigeorgiou spielten im Fabriggli.

Jazzmusiker Peter Lenzin (rechts) und Gitarrist Sakis Hatzigeorgiou spielten im Fabriggli.

Bild: Christian Imhof

Anlässlich des Lockdown-Festivals «Bliib dahai» im Fabriggli spielte Peter Lenzin ein kurzes Konzert gemeinsam mit dem befreundeten Gitarristen Sakis Hatzigeorgiou. Im Gespräch mit Christian Imhof offenbarte Lenzin nicht nur wie sich die Coronapandemie auf die Musikszene auswirkt, sondern machte sich auch Gedanken darüber, wie es mit dem Musikunterricht weitergehen sollte.

«Mich persönlich und ich glaube auch, die ganze Musikbranche hat es ziemlich hart getroffen.», erklärte Peter Lenzin zum Start des Talks offenherzig. Er könne sich noch gut an seinen letzten Auftritt vor der Pandemie erinnern. Es sei Mitte März in St.Moritz gewesen und man habe regelrecht gespürt, dass sich da was zusammenbraue. Seit diesem Abend im Engadin habe er kein einziges «richtiges» Konzert mehr gegeben. Einmal habe er zwar noch vor einem Altersheim ein Ständchen gegeben, aber sonst sei es das ziemlich gewesen.

«Momentan ist es vor allem schwierig, weil man schlicht nicht weiss, wann wieder Konzerte gegeben werden können… Mit dieser Ungewissheit umzugehen ist nicht einfach.»

Dank der Frau ist die Existenz nicht bedroht

Auf die Frage vom Qultur-Verleger Christian Imhof, ob diese Krise auch die finanzielle Existenz bedrohe, verneinte Peter Lenzin und erklärte, dass glücklicherweise seine Frau ebenfalls berufstätig sei und er noch ein Pensum von 40 Prozent als Musiklehrer arbeite.

«Wenn ich nur meinen Lohn als freischaffender Musiker hätte, dann hätte ich jetzt echt ein Problem.»

Er sei ein bisschen aufgewühlt beim Thema Kurzarbeit, gab Lenzin im Fabriggli zu. Er habe das berühmte «Coronaformular» von der SVA in mühseliger Arbeit ausgefüllt, wie es gewünscht gewesen sei. Erst vor kurzem habe er Bescheid erhalten, dass er keine Ersatzzahlungen erhalten werde. Dies sei laut Lenzin dem «Hintertürchen» geschuldet, dass es anscheinend einen Stichtag gegeben habe, den er gemäss den Sozialversicherungen leider verpasst hätte. Jeder Fall sei da ein bisschen anders, aber er hoffe doch sehr, dass Musiker, welche nur freischaffend unterwegs seien, direkter und unkomplizierter Unterstützungsgelder erhalten würden.

Unterricht läuft online weiter

«Die meisten Musiker haben sehr schnell umgestellt», stellt Lenzin anerkennend fest. Für eine begrenzte Zeit gehe das mit dem Online-Unterrichten ganz gut, aber auf längere Sicht gesehen, fehle ihm jedoch die persönliche Interaktion. Er freue sich jetzt sehr auf eine normalisierte Zukunft, wenn Musik zwar mit sozialem Abstand, aber doch wieder von Mensch zu Mensch und nicht durch Smartphones und Maschinen weitergegeben werde.

Erster Teil des «Bliib dahai»-Festivals

Das produzierte Livevideo vom Konzert von Peter Lenzin soll die Stimmung des Fabriggli direkt zu den Zuschauern nach Hause bringen. Aus diesem Grund seien am Festival professionelle Ton- und Lichttechniker vor Ort gewesen, die den Kameraleuten die Arbeit erleichtert haben. Bis im Juni gebe es jeweils am Montag und Donnerstag ein Konzert und einen Talk, der die Stimmung heben soll und die Leute noch ein wenig zum Durchhalten motivieren soll. Es bestehe die Möglichkeit, während der Ausstrahlung des Festivals freiwillig einen Beitrag zu spenden. Dieses Geld werde dann zu gleichen Teilen an die Künstler und Techniker aufgeteilt. Dies soll nicht nur den Ausfall an Gagen dämmen, sondern auch als eine Wertschätzung an alle Kulturschaffenden gesehen werden.