Die Meinungen über das Projekt «S-Bahn von Feldkirch nach Buchs» gehen stark auseinander

Stand am Anfang der Meinungsbildung der Kredit von 71,2 Millionen Franken für den Ausbau der Bahnlinie Feldkirch–Buchs im Mittelpunkt der Diskussionen, so hat sich in den letzten Wochen der Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung deutlich in die Richtung über Sinn und Zweck einer S-Bahn verschoben.

Günther Meier
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So könnte die S-Bahn beim Bahnübergang Industriestrasse in Schaan aussehen.

So könnte die S-Bahn beim Bahnübergang Industriestrasse in Schaan aussehen.

Daniel Ospelt

Die Regierung wirbt in den Abstimmungsunterlagen für ein Ja mit dem Argument, die S-Bahn sei ein «attraktives und nutzerfreundliches Verkehrsmittel», das zu einer Entlastung der Strassen führe und gleichzeitig den Weg vorbereite für weitere Massnahmen des Mobilitätskonzepts 2030.

Demgegenüber fordert das «Komitee S-Bahn Nein» die Stimmberechtigten zu einer Ablehnung des Kredites auf: Die S-Bahn sei weder für die liechtensteinische Bevölkerung noch für die Zupendler aus Österreich und der Schweiz attraktiv, weil die seit dem Bau im Jahr 1872 unveränderte Bahnlinie abseits der Zentren verkehre.

Schranke wäre mehr geschlossen

Im Fall der Gemeinde Schaan stimmt diese Aussage nicht, denn die Bahnlinie trennt das bevölkerungsmässig grösste Dorf Liechtensteins in zwei Teile. Wenn die S-Bahn im Endausbau in einem Halbstundentakt verkehre, kritisieren die Gegner, blieben die Schranken noch länger geschlossen, ganz abgesehen von einer Zunahme der Güterzüge. Mehr S-Bahn-Züge und Güterzüge bedeuteten mehr Schrankenschliessungen mit massiven Folgen für die Mobilität auf der Strasse:

«In Schaan droht ein Verkehrsinfarkt.»

Die bestehende Bahnlinie, auf der die S-Bahn verkehren soll, durchquert aber nicht nur die Gemeinde Schaan. Sobald einer der Züge anrollt, senken sich automatisch an sechs Strassen die Barrieren. Die Schrankenanlagen liegen nacheinander auf einem kurzen Bahnabschnitt von knapp zwei Kilometern Länge und erschweren die freie Fahrt des motorisierten Individualverkehrs, aber auch der ÖV-Busse.

Laut offiziellen Angaben sind die Schranken tagsüber rund 15 Minuten pro Stunde geschlossen – was für die Befürworter eine zumutbare Unterbrechung ist, während die Gegner vor weiteren Wartezeiten für den motorisierten Verkehr bei der geplanten Ausweitung des Zugverkehrs durch S-Bahn und Güterzüge warnen.

Zwei Lösungsvorschläge liegen vor

Beide Seiten sind sich einig, dass Handlungsbedarf gegeben ist. Auch das Parlament, das mehrheitlich dem Projekt zustimmte, war sich der prekären Lage bewusst. Die Regierung erhielt deshalb den Auftrag, eine Variantenprüfung zur Entlastung des Zentrums Schaan durchzuführen. Derzeit liegen zwei Lösungsvorschläge vor, nämlich die Absenkung der Bahnlinie oder die Absenkung der Strasse bei den Bahnübergängen, die nun vertieft überprüft werden sollen.

Bei beiden Massnahmen sind Fragen der Siedlungspolitik zu lösen, aber auch technische Herausforderungen zu bewältigen. Würde die Bahnlinie tiefer gelegt, könnte der Strassenverkehr die Bahnlinie zwar kreuzungsfrei überqueren, hätte aber eine noch stärkere Trennwirkung im Siedlungsgebiet zur Folge.

Unterführungen für den Strassenverkehr wären wohl einfacher zu realisieren

Zudem wäre für die Bahn die Überwindung der Höhendifferenz vom Schaaner Zentrum bis zur Brücke über den Rhein zu lösen. Unterführungen für den Strassenverkehr wären wohl einfacher zu realisieren, die langen Strassenabsenkungen aber würden den ebenerdig begehbaren Zentrumsbereich durchschneiden. Ausserdem müssten die von der bestehenden Strasse zugänglichen Liegenschaften mit Zugängen von der Rückseite her erschlossen werden.