Die Kriminalstatistik 2019 zeigt regional erwartungsgemäss am meisten Fälle in den Zentrumsorten Buchs und Sargans

Insgesamt blieb die Zahl der gesamten Straftaten in der Polizeiregion Werdenberg-Sarganserland mit einem Plus von 1,4 Prozent im vergangenen Jahr relativ stabil. Dieses an sich gute Resultat ist aber, wie im gesamten Kanton, vor allem dank einer gesetzlichen Liberalisierung im Betäubungsmittelbereich zustandegekommen.

Thomas Schwizer
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Die Zahl der Raubüberfälle ist im Kanton St. Gallen im Jahr 2019 deutlich von 70 auf 97 angestiegen.

Die Zahl der Raubüberfälle ist im Kanton St. Gallen im Jahr 2019 deutlich von 70 auf 97 angestiegen. 

Bild: Kapo (24.8.2019)

Die Kriminalstatistik des Kantons St. Gallen weist für das Jahr 2019 einen Rückgang der Gesamtkriminalität um 6 Prozent aus.

Das ist aber fast ausschliesslich das Resultat des deutlichen Rückgangs um 29 Prozent bei den Betäubungsmitteldelikten. Da seit dem 1. März 2019 ein straffreier Einzug von Marihuana (bis 10 Gramm) sowie Kokain und Heroin (je bis 2 Gramm) möglich ist, sanken diese Widerhandlungen kantonal massiv.

Betäubungsmittel: Dank Anpassung ein Drittel weniger Straftaten

In der Polizeiregion Werdenberg-Sarganserland ist nach dieser gesetzlichen Lockerung die Zahl solcher Straftaten um ein Drittel von 567 auf noch 376 gesunken. 2018 waren hier noch 6,9 solcher Widerhandlungen pro tausend Einwohner verzeichnet, 2019 nur noch 4,6.

Raubüberfälle: Viele Minderjährige

Die Entwicklung der Gesamtkriminalität ist kantonsweit uneinheitlich: In der Polizeiregion St. Gallen sank die Fallzahl deutlich, im Werdenberg-Sarganserland stieg sie um 1,4%, in den anderen drei Polizeiregionen deutlich – um 15,6 bis 18,8%. Die Zahl der schweren Raubüberfälle ist vor allem in der Stadt St. Gallen gestiegen (von 3 auf 14), die Zahl der unbewaffneten Raubüberfälle in den Regionen Bodensee-Rheintal, Linthgebiet-Toggenburg und Fürstenland Neckertal. Die Hälfte aller ermittelten Täter bei unbewaffneten Raubüberfällen ist unter 18-jährig, während bei den bewaffneten Raubüberfällen von 24 ermittelten Tätern 17 unter 18 Jahre alt waren. Von den Einbruchdiebstählen war vor allem die Region Bodensee-Rheintal betroffen (Zunahme von 285 auf 394 Delikte). In anderen Regionen nahm die Anzahl Einbruchdiebstähle sogar ab oder blieb ungefähr gleich. Bei den Einschleichdiebstählen erfolgte eine Zunahme in den Regionen Bodensee- Rheintal, Werdenberg-Sarganserland und Fürstenland-Neckertal. In der Stadt St. Gallen blieb die Zahl der Einschleich- und Einbruchdiebstähle nahezu konstant. (tb)

In der W&O-Region wiesen gemäss der Kriminalstatistik Sennwald mit 9,1 Fällen pro 1000 Einwohner (Vorjahr: 8,3) und Buchs mit 8,8 Fällen den höchsten Anteil an Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz auf, gefolgt von Wartau (6,6) und Sevelen (6,1 Fälle). Die sogenannte Häufigkeitszahl könne massgeblich von Faktoren wie Zentrumstruktur und Personalressourcen der Kontrollorgane beeinflusst werden, heisst es dazu.

Die Polizeiregion St. Gallen mit 14,6 und die Region Bodensee-Rheintal mit 10,8 pro tausend Einwohner verzeichnen kantonal am meisten Betäubungsmittel-Straftaten.

Werdenberg-Sarganserland mit relativ tiefen Werten

Klammert man den Sondereffekt im Betäubungsmittelbereich aus, blieb 2019 die Gesamtkriminalität im Kanton St. Gallen gegenüber 2018 nahezu unverändert, teilte die Kantonspolizei am Montag mit.

Die Statistik aus dem Teilbereich Straftaten zeigt für die Region Sarganserland-Werdenberg einen minimen Rückgang um 2 % gegenüber dem Vorjahr. Wurden 2018 hier 2366 solcher Straftaten verzeichnet, so waren es 2019 noch 2318. Pro tausend Einwohner zeigt die Statistik hier nun einen Anteil von 28,1 Fällen.

Am meisten Straftaten in der Polizeiregion St.Gallen

Das ist wie 2018 der tiefste Wert der fünf Polizeiregionen im Kanton. Am häufigsten waren im 2019 Verstösse gegen das Strafgesetzbuch in den Polizeiregionen St. Gallen (59 pro tausend Einwohner; –7 %) und Bodensee-Rheintal (37,2; +13 %).

Auch wegen Zentrumslasten liegt Buchs in diesem Bereich regional mit 53,4 Fällen pro tausend Einwohner an der Spitze vor Sennwald (24,9) und Wartau (21,1). Sargans, das ebenfalls Zentrumslasten hat, zählt 45,5 Fälle pro tausend Einwohner.

Ausländergesetz: mehr Verstösse in Grenzregionen

Der dritte Bereich, der gemäss kantonaler Statistik zur Gesamtkriminalität zählt, sind Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz. Das betrifft zum Beispiel illegalen Aufenthalt oder die Ausübung einer Arbeit ohne Bewilligung. In diesem Bereich wurde im Jahr 2019 in allen Regionen des Kanton St. Gallen ein Rückgang der Fallzahlen verzeichnet.

Am meisten solche Straftaten wurden in wirtschaftlich starken Regionen mit einer Grenzlage festgestellt. Die Polizeiregion Bodensee-Rheintal führt hier 2019 mit 480 Fällen die kantonale Rangliste an. Das entspricht einer Häufigkeit von 3,7 Fällen pro tausend Einwohner. Es folgt die Region Werdenberg-Sarganserland mit 193 Fällen (2,3 pro tausend Einwohner), was 30 Prozent weniger ist als im Vorjahr.

Auch in diesem Bereich ist die Kontrollintensität ein massgeblicher Faktor für die Anzahl der festgestellten Straftaten. Buchs führt hier regional mit 5,9 Fällen pro tausend Einwohner die Statistik ebenfalls an, vor Wartau (3,4) und Sevelen (2,5). Sargans liegt in der Region Werdenberg-Sarganserland mit einer Häufigkeitszahl von 5,2 auf Rang 2.

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