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Gefängnisinsasse verlor ohne Medikamente die Kontrolle

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland sprach einen Hilfsarbeiter schuldig, der zwei Gefängnisbetreuer in der Strafanstalt Saxerriet bedroht und geschlagen hatte.
Reinhold Meier

Es war zweifellos eine besondere Form der Eskalation im Knast, die selbst für erfahrene Beamte nicht alltäglich ist. Der Beschuldigte sass vor dem dreiviertel Jahr in der regionalen Strafanstalt Saxerriet, als ihm morgens gegen sieben Uhr nach Zigaretten war. Lauthals, aggressiv und unruhig trat er dabei auf. Sein Wunsch wurde jedoch abgewiesen, weil er ihn ausserhalb der vorgesehenen Zeit vorgebracht hatte. Daraufhin strebte er seinem Arbeitsplatz zu.

Doch auch das war gegen die Regeln, worauf ihn ein Betreuer hinwies, nicht eben zur Freude des Insassen, der lauthals ausrief. Um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, verfügte ein derweil beigezogener Vorgesetzter, dem Schwarzafrikaner ein paar Zigis abzugeben und ihn in seine Zelle einzuschliessen. Doch der weigerte sich, störrisch und unkooperativ, wie es heisst, bis man ihm, bei Gegenwehr, Handschellen anlegen musste. Vor der Zelle angekommen, weigerte sich zunächst hineinzugehen.

«Ich bin der Schwarze Peter»

Als die Betreuer dem 39-jährigen schliesslich in der Zelle die Fesseln abnahmen, schlug er unvermittelt beiden Wärtern mit der Faust gegen den Kopf. Danach schnappte er sich einen Stuhl und schleuderte auch diesen gegen die Betreuer. Die beiden flüchteten und verschlossen die Zellentür. Auf den aggressiven Angreifer warteten danach sieben lange Tage und Nächte in der Arrestzelle, dem sogenannten Bunker.

An Schranken erschien ein ruhig wirkender Angeklagter mit seinem Beistand und zeigte sich im Grundsatz geständig. Er bestritt den Vorfall nicht, machte aber geltend, er habe sich provoziert und beschimpft gefühlt. «Ich wollte die Männer nicht mit dem Stuhl treffen», der Wurf sei im Affekt geschehen. Er sei schon als Kind von Sierra Leone in die Schweiz gekommen, vor 27 Jahren, und habe bis letztes Jahr nie Probleme gehabt. Dann aber habe ihn die Polizei immer wieder kontrolliert, als hätten sie ihn auf dem Kieker gehabt. «Ich bin der Schwarze Peter», seufzte er.

Im letzten Jahr neun Vorstrafen kassiert

Ein Rätsel blieb vorab, warum der bis dato unbescholtene Angeklagte im letzten Jahr volle neun Vorstrafen kassiert hatte, allesamt einschlägig, wegen Diebstahl, Bedrohung, Sachbeschädigung, Hinderung von Amtshandlungen oder Körperverletzung. «Ich verstehe das nicht», so der Richter. Er habe noch nie einen solchen Strafregisterauszug gesehen, hielt er fest. Während die Antworten des Beschuldigten eher fahrig blieben, redete sein Beistand Klartext.

Der Mann leide seit über zwei Jahrzehnten an einer schweren psychischen Krankheit. Er sei deswegen schon über ein Dutzend Mal in stationärer Behandlung gewesen und brauche permanent Medikamente. Diese seien bis 2017 jeweils gespritzt worden, sodass der Mann seinen Alltag regelkonform bewältigen konnte. Dann aber sei auf Tabletten umgestellt worden, die er nicht regelmässig eingenommen habe. Dazu gab es mehrfache Wechsel in der medizinischen Betreuung. Infolge der instabilen Situation spitzte sich sein Verhalten stetig zu, bis er im Knast landete. Doch seit der Entlassung sei er wieder in guter Behandlung und funktioniere tadellos.

Kammer berücksichtigt, dass der Täter krank war

Das Gericht sprach den Mann schuldig. An der Gewalt und Drohung gegen Beamte gebe es nichts zu deuteln, hiess es. Die erfahrenen Betreuer seien mit ihrer Schilderung zweifelsfrei glaubwürdig. Das Gericht verfügte eine Zusatzstrafe von drei Monaten. Diese werde aber nur bedingt ausgesprochen, nicht unbedingt, wie die Anklage gefordert hatte. «Es stand jedoch auf der Kippe».

Zur Begründung machte das Gericht geltend, dass das auffällige Verhalten massgeblich mit der defizitären Medikation verbunden sei. «Sie bekommen somit eine letzte Chance». Bei einem erneuten Vorfall stehe die nun verhängte bedingte Haft zum Vollzug an. «Wenn es nicht klappt, laufen sie in einen Landesverweis», mahnte das Gericht weiter. «Passen sie auf». Dies gelte auch für die Medikation.

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