Pastoralassistentin Petra Oehninger-Arens hält vom grossen Weihnachtskommerz nicht viel

Petra Oehninger-Arens ist Pastoralassistentin in Gams. Die Arbeit mit Menschen jeden Alters und aus allen Gesellschaftsschichten bedeutet ihr viel. Trotzdem ist sie auch offen für Kritik.

Miriam Cadosch
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Pastoralassistentin Petra Oehninger-Arens hat in der Weihnachtszeit alle Hände voll zu tun.

Pastoralassistentin Petra Oehninger-Arens hat in der Weihnachtszeit alle Hände voll zu tun.

Eigentlich ist ihre Religionslehrerin der Primarschule dafür mitverantwortlich, dass Petra Oehninger-Arens heute einen Beruf in der Kirche ausübt. «Das war eine so tolle Lehrerin, dass ich mir dachte, das will ich auch werden. In der sechsten Klasse merkte ich dann aber, dass man dafür die Matura braucht und diese wollte ich nicht machen», erzählt Petra Oehninger-Arens. «Also entschied ich mich für eine Ausbildung zur Arztgehilfin.»

Als sie 20 Jahre alt war, begegnete sie jedoch ihrem früheren Jugendgruppenleiter, welcher das Religionspädagogikstudium machte. Petra Oehninger-Arens, die kurz vor ihrem Lehrabschluss stand, stellte fest, dass sie dies noch immer sehr reizen würde.

«Arztgehilfin war schon spannend, aber das Kreative fehlte mir.»

So trat sie nach bestandenem Lehrabschluss das Studium am Katechetischen Institut Luzern an. Zehn Jahre später folgte der dritte Bildungsweg in Theologie, der nochmals zwei Jahre dauerte.

Heute arbeitet sie als Pastoralassistentin bei der katholischen Kirche in Gams. Ihre Aufgaben beinhalten unter anderem das Vorbereiten von Gottesdiensten, die Begleitung als Präses der Ministranten und des Frauenvereins, Religion unterrichten und Seelsorgearbeit. Zudem unterstützt sie die Jugendarbeit als Begleiterin der Firmung und Oberstufenprojekte. «Ich schätze es am meisten, dass ich mit Menschen jeden Alters zu tun habe. Von kleinen Kindern bis zu alten Leuten und aus jeder Gesellschaftsschicht. Das ist das pure Leben», erzählt sie begeistert. Ihre ursprüngliche Ausbildung zur Arztgehilfin hat sie jedoch nie bereut. «Als ich noch Jungwacht und Blauring in die Lager begleitete, war ich manchmal froh darum. In brenzligen Situationen hatte ich keine Berührungsängste und wusste, wie reagieren», erklärt sie.

Bei einem Spaziergang mit Hund Fay kann Petra Oehninger-Arens gut abschalten. (Bilder: Mareycke Frehner)

Bei einem Spaziergang mit Hund Fay kann Petra Oehninger-Arens gut abschalten. (Bilder: Mareycke Frehner)

Auch die Arbeit als Seelsorgerin ist ihr wichtig. Es komme jedoch sehr selten vor, das jemand anruft und explizit um ein Seelsorgegespräch bittet. «Die Seelsorgearbeit entwickelt sich meist automatisch aus einem Gespräch, das kann im Austausch mit Eltern sein. Bei expliziten Anfragen sind es meist Frauen. Das liegt vielleicht daran, dass ich die einzige Frau im Pastoralassistententeam der Seelsorgeeinheit Werdenberg bin», sagt Petra Oehninger-Arens.

Kritik ist erlaubt

Obwohl sie bei der Kirche arbeitet, fällt es Petra Oehninger-Arens längst nicht immer leicht, sich damit zu identifizieren. «Wenn ich negative Schlagzeilen lese, bereitet das manchmal schon Kopfschmerzen. Dann denke ich mir, dass ich etwas anderes von der Kirche erwarte», erklärt sie. Auf die Frage, ob sie kritische Stimmen gegenüber der Kirche nachvollziehen könne, antwortet sie: «Auf jeden Fall, aber man darf nicht allen, die in der Kirche arbeiten, einen Stempel aufdrücken. Ich kann auch mal sagen, das finde ich schlecht oder dahinter kann ich nicht stehen. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass unsere Mitte Jesus ist und aus der heraus sollten wir leben. Fehler passieren überall, wo Menschen sind, auch in der Kirche. Das ist etwas, was ich im Studium erst zu begreifen lernen musste. In diesem Alter denkst du, dass in der Kirche eine heile Welt herrscht.»

Wie in jedem Betrieb gibt es auch in ihrem Arbeitsalltag Schattenseiten. «Abzugrenzen ist manchmal schwierig. Du nimmst den Job immer mit, es gibt kein ein- und ausstempeln. Gerade bei schwierigen Themen ist es nicht immer einfach, abzuschalten. Das kann das Schicksal eines Menschen sein, das dich beschäftigt.» Um abzuschalten, helfe ihr ein Spaziergang mit ihrem Hund Fay oder die Waldspielgruppe, welche sie einmal in der Woche begleitet. Auch das Gebet nütze in solchen Momenten. «Darin schöpfe ich Kraft und kann gewisse Dinge übergeben. Natürlich sind sie immer noch präsent, aber es belastet nicht mehr gleich», erklärt Petra Oehninger-Arens.

Trotzdem überlegt sie bei der Frage, ob sie ein sehr gläubiger Mensch sei. «Für mich heisst Glauben das Leben, und Jesus ist die Mitte. Mir sind Menschen und die Schöpfung wichtig und ich versuche, das Beste daraus zu machen. Daher würde ich sagen ja, ich bin sehr gläubig. Aber wenn man darunter versteht, bei jeder Gelegenheit in die Kirche zu gehen, muss ich verneinen. Ich bin eher der praktische Typ. Das Leben an sich und das in Beziehung treten mit Gott und den Menschen, das heisst für mich Glaube. »

Ruhe bewahren trotz Stress

Als Pastoralassistentin hat Petra Oehninger-Arens während der Weihnachtszeit alle Hände voll zu tun. Obwohl diese Tage für sie viel Stress bedeuten, schaut sie mit Vorfreude Richtung Weihnachten: «Ich freue mich immer riesig auf den ökumenischen Gottesdienst mit den Viertklässlern. Dieses Jahr führen wir ‹Lücht, chline Stärn› auf. Es ist immer wunderschön und die Kinder sind mit Herzblut dabei. Unsere Nerven liegen im Vorfeld meist blank, daher ist es Freude und Anspannung in einem. Dieses Jahr sind etwa 30 Kinder dabei, das ist total schön», erzählt sie begeistert. Trotz dem Stress bleibt für Petra Oehninger-Arens aber auch Zeit zum Feiern. «Der 24. Dezember gehört meinem Mann und mir. Nach dem ökumenischen Gottesdienst hilft er meist aufzuräumen und dann feiern wir bei einem schönen Essen. In den Tagen darauf ist die Familie dran», erzählt sie.

«Jedoch steht nicht das gegenseitige Beschenken im Vordergrund, sondern miteinander zu reden und zu singen. Ein gemütliches Fest.»

Vom grossen Weihnachtskommerz hält sie nicht viel. Ihr sei die Stimmung wichtig, das bringe ihr eine gewisse Ruhe. Sorgen, dass der Kommerz die Bedeutung von Weihnachten in den Hintergrund rückt, macht sie sich keine. «Ich denke, irgendwann ändert sich dies wieder. Das tut es manchmal bereits jetzt.»

«Es gibt viele, die Ruhe suchen und keine Lust auf die Hektik haben.»

In der Kirche bemerke man zwar, dass viel weniger Leute die Weihnachtsmesse besuchen als noch vor einigen Jahren. «Die Frage ‹wie weiter?› ist allgegenwärtig», so Petra Oehninger-Arens. «Die Kirche befindet sich im Wandel, aber das muss nicht etwas Schlechtes bedeuten. Sorgen mache ich mir keine, die Kirche wird immer bestehen. Bestimmt auf eine andere Art, aber sie bleibt bestehen», ist sie überzeugt.

Für die Pastoralassistentin steht an Weihnachten vor allem ein Wunsch im Vordergrund. «Als ich etwa 14 Jahre alt war, hatte ich einen Spruch im Adventskalender, der mir in Erinnerung geblieben ist. ‹Mach es wie Gott, werde Mensch›, stand da geschrieben. Ich denke, das sollten wir uns zu Herzen nehmen. Menschlich bleiben oder werden ist ein wichtiger Punkt in der heutigen Zeit, die oft auch von unschönen Dingen geprägt ist. Ich finde, es ist ein wunderschöner Spruch», erzählt sie. Menschlichkeit ist auch das, was sie sich für die Zukunft der Kirche wünscht. In welche Richtung das auch gehen mag.