Die Holzlager der Sägereien sind voll bis Ende Jahr

Wegen des Stums Burglind und des höheren Borkenkäferbefalls gibt es überdurschnittlich viel Holz auf dem Markt. Auch bei der Sägerei Lippuner in Gams reicht das gelagerte Holz noch bis mindestens Ende Jahr.

Katharina Rutz
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Wegen des noch bestehenden Überangebots an Holz könnte in der kommenden Saison manch einem Waldarbeiter die Arbeit ausgehen. (Bild: Urs Bucher)

Wegen des noch bestehenden Überangebots an Holz könnte in der kommenden Saison manch einem Waldarbeiter die Arbeit ausgehen. (Bild: Urs Bucher)

Normalerweise wäre das Holzlager der Sägerei Lippuner in Gams um den Oktober aufgebraucht. «Doch dieses Jahr haben wir noch ziemlich viel an Lager und müssen zuerst dieses alte Holz verarbeiten», sagt Peter Lippuner. Der Säger würde ansonsten Gefahr laufen, dass dieses Holz schlecht wird. «Wir haben sicher noch bis Ende Jahr damit zu tun», sagt er. Der Grund dafür ist das Sturmholz, das im Januar angefallen ist – verursacht durch den Sturm Burglind.

Deshalb kann die Sägerei Lippuner zur Zeit auch nicht noch zusätzlich regionales Käferholz verarbeiten. Davon gibt es aber im Werdenberg sehr viel.

Sägewerke sind mit Holz eingedeckt

In der Region Werdenberg gibt es nur wenige Sägewerke. «Die grösste Sägerei ist Lippuner in Gams. Darüber hinaus gibt es noch zwei oder drei kleinere Sägereien», sagt Heinz Engler, Geschäftsführer von Holzmarkt Ostschweiz AG. So betreibt auch die Ortsgemeinde Wartau in Weite eine eigene Sägerei.

Das Unternehmen Holzmarkt Ostschweiz AG vermarktet das Holz im Auftrag ihrer Mitglieder, mehrheitlich der öffentlichen Waldbesitzern. Das Einkaufsgebiet ist festgelegt. Es handelt sich um das Fürstentum Liechtenstein sowie die Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Glarus. «Die Sägereien kaufen rund zwei Drittel der anfallenden Holzmengen im Werdenberg», so Engler. Gewisse sehr dicke Stämme oder Laubholz könnten diese aber nicht verarbeiten. «Diese werden ausserhalb der Region verkauft. Sie werden beispielsweise für Möbel oder Parkett gebraucht.»

So wie bei der Sägerei Lippuner in Gams ist die Lage auch bei anderen Sägereien. «Sämtliche Werke sind bis über das Jahresende hinaus mit Rundholz eingedeckt und können keine zusätzlichen Schadholzmengen mehr übernehmen», schreibt Heinz Engler deshalb in seinem Holzmarktbericht vom 21. September.

Waldbesitzer brauchen Geduld

Den Druck auf die Sägewerke zu erhöhen, würde nur zu sinkenden Preisen führen. Diese sind für das Käferholz, welches eine schlechtere Qualität aufweist, ohnehin schon tiefer. «Käferholz fällt zurzeit viel an, somit kann nicht alles sofort abgesetzt werden. Es braucht hier Geduld», sagt Heinz Engler. Die Situation auf dem Holzmarkt gestaltet sich also für Waldbesitzer und Forstunternehmen zunehmend schwierig.

Zwar hält sowohl die gute Wirtschaftslage als auch der Holzbauboom noch an, dennoch ist die Lage auf dem Holzmarkt im Moment alles andere als einfach. «Die Sägereien haben eine sehr gute Auftragslage, so gut wie seit Jahren nicht mehr», sagt Heinz Engler von der Holzmarkt Ostschweiz AG. «Das Angebot an Holz ist aber eben auch sehr hoch.»

Trotz guter Auftragslage sind die Sägereien zur Zeit noch genügend mit Holz eingedeckt. (Bild: Nana do Carmo)

Trotz guter Auftragslage sind die Sägereien zur Zeit noch genügend mit Holz eingedeckt. (Bild: Nana do Carmo)

«Der Holzmarkt ist zur Zeit miserabel», sagt Martin Lieberherr, Revierförster aus Gams. «Wer nicht schon im Frühjahr mit den Sägereien Vereinbarungen getroffen hat, hat fast keine Chance mehr, zusätzliches Käferholz zu verkaufen», sagt er. «Über unsere Kanäle, die das Sturmholz abgenommen haben, können wir momentan noch Käferholz vertreiben. Dies allerdings nur dank guter Beziehungen.»

Teure Produktion wegen Lager- und Transportkosten

Wenn das Holz nicht sofort von den Sägereien verarbeitet werden kann, muss es zwischengelagert werden. Der Transport zu diesen Holzlagern verteuert jedoch die Produktion. Zudem ist gerade bei Käferholz die Qualität problematisch. Die von den Käfern befallenen Stämme verfärben sich aussen bläulich. «Für blaues Käferholz erzielt man einen rund 20 bis 30 Prozent tieferen Preis», sagt Heinz Engler. Waldbesitzer müssten deshalb unter Umständen mit Verlustgeschäften rechnen. Dennoch seien die Forstschutzmassnahmen zur Eindämmung des Borkenkäfers unbedingt auszuführen. «Gerade die öffentlichen Waldbesitzer haben ein grosses Interesse daran, den Wald gesund zu erhalten», so Engler.

Den rauen Wind im Holzgeschäft spürt auch der private Forstunternehmer Peter Rutz aus Nesslau. «Normalerweise brauchen die Sägereien im Herbst frisches Holz und versuchen teilweise aktiv, solches einzukaufen», sagt er. Diese Nachfrage sei nun wegen des Sturm- und Käferholzes hinfällig. Die Situation auf dem Holzmarkt bezeichnet er als aussergewöhnlich. Eine Folge davon könnte sein, dass auf neue Holzschläge diesen Winter verzichtet wird. «Dies bedeutet weniger Arbeit beispielsweise auch für saisonale Arbeitskräfte in der Forstwirtschaft», befürchtet er.

Die Empfehlung von Holzmarkt Ostschweiz lautet in der Tat, Nadelfrischholz nur wo dringend notwendig und auf ausdrückliche Bestellung zu ernten. Auch Peter Rutz wartet nun mit seinen geplanten Holzschlägen noch zu und führt zurzeit mit seinem Mobilseilkran Auftragsarbeiten in Graubünden aus.

Holz wird auch ins Ausland exportiert

Was passiert denn nun aber mit den grossen Mengen an Käferholz? Schliesslich sei der Borkenkäfer unterhalb von 800 Höhenmetern im ganzen Kanton St.Gallen überdurchschnittlich aktiv. Heinz Engeler relativiert die Problematik. «Es sind rund fünf bis zehn Prozent der jährlichen Nutzung durch den Borkenkäfer betroffen, nicht mehr», schätzt er. Und verkaufen lasse sich eigentlich alles Holz, es sei immer eine Preisfrage.

Holz aus dem Werdenberg wird auch exportiert. Es geht nach Vorarlberg, Italien oder Deutschland. «Wenn viel Holz anfällt, wird auch einiges Holz in Buchs verladen und geht nach Österreich in die grossen Werke. Das minderwertige Käferholz geht also oft ins Ausland. Es wird für die Palletten- und Maschinenindustrie benötigt. Die regionalen Werke verwenden Käferholz auch. Daraus entsteht Bauholz, das nicht sichtbar verbaut wird.

Europäisches Problem

Die gleiche Situation wie im Werdenberger Holzmarkt zeigt sich auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich sowie in Tschechien. Laut Holzmarktbericht von Holzmarkt Ostschweiz beschreiben mehrere Deutsche Landesforstverwaltungen die Situation als alarmierend. Auch in Österreich herrsche ein Überangebot, bedingt durch Sturm- und Borkenkäferholz aus dem In- und Ausland, welches volle Rundholzlager beschere. Zur Entlastung der tschechischen Rundholzmärkte soll der Frischholzeinschlag auch im Privatwald für ein Jahr komplett gestoppt werden. (kru)