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Die grosse Fernsehwelt ist zu Gast in Vaduz

Liechtensteins Politik tritt für einmal in die zweite Reihe und überlässt den Peter-Kaiser-Platz dem Schweizer Fernsehen und dessen Sendung «SRF bi de Lüt – Herbstfest». Ein Blick hinter die Kulissen.
Oliver Beck
Die SRF-Mitarbeiter Karin Schafflützel und Martin Boner fieber der Sendung entgegen. (Bild: Daniel Schwendener)

Die SRF-Mitarbeiter Karin Schafflützel und Martin Boner fieber der Sendung entgegen. (Bild: Daniel Schwendener)

Ein Hauch von Leutschenbach weht dieser Tage über den Vaduzer Peter-Kaiser-Platz. Seit Montag ist eine täglich grösser werdende Schar von Mitarbeitern des Schweizer Fernsehens dabei, das Regierungsviertel in ein riesiges Open-Air-TV-Studio zu verwandeln. Acht Lastwagen, darunter zwei Sattelschlepper, transportieren tonnenweise Material in den Liechtensteiner Hauptort.

Vieles davon ist bereits an Ort und Stelle, als Produktionsleiterin Karin Schafflützel und Senior Producer Martin Boner am frühen Donnerstagnachmittag über das Gelände streifen: Scheinwerfer, Tonwagen, über zwei Kilometer an verlegten Kabeln, ein Kamerakran für besonders spektakuläre Bilder, ein Regiewagen mit Equipment im Wert von gut vier Millionen Franken und natürlich die Bühne, das Herzstück der gesamten Komposition. «Farblich fügt sie sich wirklich sehr gut in die Umgebung ein», meint Boner lachend, während er auf die in einem hellen Braun gehaltene Konstruktion zeigt. Immer wieder schallt Musik über den Platz, tönen Anweisungen von irgendwoher, kommen Menschen zusammen und diskutieren, bahnen sich Gabelstapler den Weg zwischen ihnen hindurch. Bis das Schweizer Fernsehen am Samstagabend so richtig «bi de Lüt» in Liechtenstein ankommt, ist noch einiges zu tun.

«Wir wollten eigentlich schon immer einmal aus Liechtenstein senden», spricht Boner für alle Verantwortlichen.

«Für uns bedeutet das die Möglichkeit, Geschichten erzählen zu können, welche die Menschen in der Schweiz noch nicht so kennen.»

Ein Jahr Vorbereitung für zwei Stunden

Hinter dem, was sie am Samstag erfahren werden, verbirgt sich eine lange Vorlaufzeit. Die erste Kontaktaufnahme liegt über ein Jahr zurück. Damals sei das grundsätzliche Interesse auf Seiten Liechtensteins abgeklärt worden, gefolgt von ersten organisatorischen Dingen, erzählt Boner: «Welcher Ort verfügt über genügend Manpower? Welcher Ort über genügend Platz? Als wir den Peter-Kaiser-Platz ins Auge fassten, haben wir aufgrund der darunter liegenden Tiefgarage beispielsweise auch einen Statiker mit der Klärung der Frage beauftragt, ob das Gewicht unserer Bühne getragen wird.» Mit dem Ergebnis, dass für die Dauer des SRF-Aufenthalts in Vaduz zusätzliche Stützen angebracht wurden.

Der Inhalt der Sendung rückte dann vor einem knappen halben Jahr allmählich in den Fokus, als in der fünfköpfigen Redaktion erste Gedanken zu möglichen Talkgästen, Showacts und Themen angestellt wurden, die sich nach und nach zu konkreten Ideen verfestigten. Gut drei Monate vor dem Sendedatum wurden schliesslich die Dreharbeiten in Angriff genommen. «Viel früher hätten wir das gar nicht machen können», erklärt Martin Boner. «Wenn das Motto ‹Herbstfest› lautet, sollten die Bilder schon entsprechend aussehen.»

Die ganzen Einspielfilme machen laut dem Senior Producer beinahe 50 Prozent der gesamten Sendung aus. Sie sind eingebettet in einen relativ eng definierten Sendeplan, der annähernd 100 Punkte aufweist. «Das Ganze ist ziemlich durchgetaktet. Wir müssen wissen, was wann kommt», sagt er. Gleichwohl versuche man, der Spontaneität immer genügend Raum zuzugestehen.

«Wenn Nik Hartmann beispielsweise einen Einfall hat, sind wir da alle sehr flexibel. Dass wir voneinander ganz genau wissen, wer wie tickt, hilft dabei sicher sehr.»

Die Arbeit als Adrenalinkick

Und es hilft auch dabei, mit den besonderen Anforderungen einer Live-Sendung zurechtzukommen, die in Summe gut 60 Mitarbeiter in Atem halten wird. «Live ist definitiv etwas anderes als eine Studioproduktion», sagt Karin Schafflützel. «Du weisst, du hast nur einen Versuch.» Es sei vergleichbar mit dem Sport, ergänzt Boner: ein Jahr Vorbereitung für einen einzigen Moment. «Und dann muss es klappen.» Von Druck wollen die beiden nicht sprechen. «Aber klar, du musst solche Situationen schon gern haben», sagt Boner. Für ihn selbst sei es das Grösste. «Für Adrenalinkicks brauche ich keinen Sprung am Bungeeseil. Das erledigt meine Arbeit zur Genüge.» Zumal da immer ein nie ganz zu eliminierender Grad an Ungewissheit ist, den externe Einflüsse bereithalten.

Einige Überraschungen sind mittlerweile auch bei «SRF bi de Lüt – Live» zusammengekommen, wie Schafflützel und Boner erzählen: Flitzer, politische Plakate, die aus Fenstern hängen, oder alkoholisierte Pöbler – alles schon gehabt. Aus dem Konzept bringen lassen habe man sich deswegen aber nie. «Wir gehen mit diesen Dingen sehr gelassen um.»

«Päckchen mit vielen schönen Geschichten»

Gelassenheit ist auch Trumpf in den letzten Tagen vor dem Ernstfall. Die Vorbereitungen sind grösstenteils abgeschlossen. «Nun kommt noch das Feintuning», sagt Boner mit Blick auf die beiden öffentlichen Generalproben am Freitagbend um 20.10 Uhr und am Samstag um 15.15 Uhr. Die Zuversicht, den Zuschauern am Abend ein stimmiges Gesamtprodukt präsentieren zu können, ist gross. «In zwei Stunden Sendezeit wirst du einem Ort natürlich nie ganz gerecht», weiss Boner. «Aber ich glaube, wir haben ein Päckchen mit vielen schönen Geschichten geschnürt.»

Hinweis
Am Samstagabend ab 20.05 Uhr auf SRF 1: «SRF bi de Lüt – Herbstfest», live aus Liechtenstein.

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