Die Grabserberger Schauspielerin Sarah-Louisa Rohrer ist bereit für die grossen Rollen im Leben

Vor wenigen Tagen hat Sarah-Louisa Rohrer, die am Grabserberg aufgewachsen ist, die Musical- und Schauspielausbildung erfolgreich abgeschlossen. Mit Bewerbungen und an Castings will sie nun Rollen erhalten.

Esther Wyss
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Die Musicalschul-Absolventin Sarah-Louisa Rohrer. (Bild: Benjamin Manser)

Die Musicalschul-Absolventin Sarah-Louisa Rohrer. (Bild: Benjamin Manser)

Sarah-Louisa Rohrer ist eine energiegeladene, extravertierte, junge Frau mit einem offenen Lachen, geradlinigem Blick und Schalk in den Augen. Bei der ersten Begegnung erzählt sie begeistert von ihrer Teilnahme an einer Talentshow, die kürzlich im Turbinetheater in der Nähe von Zürich stattgefunden hat. Dabei hat sie erfolgreich den zweiten Platz mit «Welcome To Burlesque» erobert.

Sarah-Louisa Rohrer ist am Grabserberg aufgewachsen und hat Grosses im Sinn. Sie möchte die Bühnen im deutschsprachigen Raum erobern. Die vielseitig talentierte junge Frau hat soeben ihre Ausbildung für Musical und Schauspiel erfolgreich abgeschlossen und schaut voller Optimismus in eine zurzeit unsichere Zukunft.

Begonnen hat alles mit dem Spatzechörli

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Aber alles der Reihe nach. Den Kindergarten hat Sarah-Louisa am Grabserberg besucht und schon während dieser Zeit im Spatzechörli von Heidi Gantenbein mitgesungen. Am liebsten spielte sie draussen Zirkus und machte waghalsige Dinge, die Mut brauchten. Im Winter liebte sie es, mit dem Bob den Abhang hinunter zu sausen, ohne anzuhalten über die Strasse zu jumpen, und gleich am darunter liegenden Hang weiterzufahren.

«Ich war ein wildes Kind, beharrlich und habe meinen Kopf durchgesetzt.»

Das bekamen auch die Eltern zu spüren. Hausaufgaben gehörten nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Die Mutter habe sie jeweils richtiggehend einfangen und an den Tisch setzten müssen, damit sie die Hausaufgaben gemacht habe. Überhaupt sei es ihr schwergefallen, in der Schule ruhig am Pültli zu sitzen, das sei für sie schlimm gewesen. Wille und Durchhaltevermögen Mit acht Jahren wollte sie Klavier und Gitarre spielen, hat sich dann für Klavier entschieden und die Gitarre ihrer Schwester überlassen. Als sie 13 Jahren alt war, wollte sie unbedingt singen. Die Mutter hat die drei Schwestern darauf an der Musikschule Werdenberg für den Gesangsunterricht angemeldet. Als die Älteste der drei Schwestern hat Sarah-Louisa die Leitung des Trios übernommen.

«Ich habe ein strenges Regime geführt und nicht locker gelassen. Wir haben viel geprobt. Ich selber habe fast Tag und Nacht gesungen.»

Da ist es wieder: Ihre Beharrlichkeit, ihr Durchhaltevermögen, das durchzuziehen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. «Ich habe einen eisernen Willen», sagt sie von sich. Sie war gerade mal 16 Jahre alt, als sie eine Ausschreibung für einen eintägigen Gesangskurs sah. Der Kurs fand in Schiers statt und wurde von der Schweizer Opernsängerin Noemi Nadelmann geleitet. Sarah meldete sich an, ging hin und musste entgegen ihren Erwartungen vorsingen. Noemi Nadelmann fand ihre Stimme interessant und zeigte ihr, wie man showmässig auftritt. Einige Monate später begegnete Sarah-Louisa der Opernsängerin an einem Konzert. Diese erkannte sie wieder und bot ihr an, sie in Zürich zu unterrichten. Auch im Nadelmann-Chor, bekannt aus der Fernsehshow «Kampf der Chöre», war sie bei einigen Auftritten dabei.

Gründliche Ausbildung genossen

Während vier Jahren besuchte Sarah-Louisa Rohrer die Musical und Theater School in Adliswil. (Bild: Benjamin Manser)

Während vier Jahren besuchte Sarah-Louisa Rohrer die Musical und Theater School in Adliswil.
(Bild: Benjamin Manser)

Nach dem gestalterischen Vorkurs entschloss sich Sarah-Louisa, die Matura an der Kantonsschule Sargans zu machen. Sie erhoffte sich von diesem Schulabschluss, aus möglichst vielen Berufsausbildungen auswählen zu können. Während vier Jahren besuchte sie die Musical und Theater School in Adliswil, an der das professionelle Handwerk in den Bereichen Schauspiel, Gesang und Tanz vermittelt wird. Sie besuchte zudem Filmacting-Kurse und spielte im Sommer 2018 im Gewinnerfilm des ZFF72-Filmwettbewerbs mit. An verschiedenen Anlässen hatte sie Gesangsauftritte mit Pianisten. Parallel zur Ausbildung lernte Sarah visuelle Gestaltung.

Während der ganzen Ausbildungszeit bis heute nimmt sie immer noch Gesangsunterricht bei Noemi Nadelmann in Zürich. Für die Musical-Gesangstechnik wird sie von der Musicaldarstellerin Monica Quinter unterrichtet.

Erfolgreicher zweiter Platz

Bei einer kleinen Rolle des Knie-Jubiläumsfilms, der im Herbst ausgestrahlt wird, konnte Sarah-Luisa Rohrer bereits Filmset-Luft schnuppern. (Bild: Benjamin Manser)

Bei einer kleinen Rolle des Knie-Jubiläumsfilms, der im Herbst ausgestrahlt wird, konnte Sarah-Luisa Rohrer bereits Filmset-Luft schnuppern. (Bild: Benjamin Manser)

Und dann war da vor kurzem ihr grosser Auftritt in der Talentshow «Apollo Night» im Turbinetheater in der Nähe von Zürich. Lange habe sie überlegt, ob sie sich anmelden solle, sagt die heute in St. Gallen wohnhafte Grabserbergerin. «Aber Angst überwindet man nur, indem man sich in die Situation hineinbegibt", erklärt sie.

Und so hat sie den Schritt für diesen öffentlichen Soloauftritt gewagt. «Im Backstage vor dem Auftritt war ich aufgeregt. Nachdem ich geschminkt und das Headset perfekt angepasst war, ist die Spannung gestiegen. Ich bin ganz kribbelig geworden und konnte es kaum mehr erwarten.» Dann kam endlich der ersehnte Moment.

«Auf der Bühne spürte ich die positive Energie des Publikums, die mir entgegenkam, und ich fühlte mich davon getragen. Das war ein supergutes Gefühl und schmeichelte mir auch. Ich wusste, in diesen drei Minuten muss ich alles geben und überzeugen.»

Der Erfolg wurde mit einem Pegelmessgerät und durch eine geheime Abstimmung ermittelt. Nach dem Auftritt wusste sie, dass sie mit dem Song «Welcome To Burlesque» aus dem gleichnamigen Musical die richtige Wahl getroffen hatte. Der Song ist lebendig und man kann dazu tanzen. Den Sieg hat sie nur knapp verpasst, mit dem zweiten Platz ist sie sehr zufrieden. Ambitionierte Zukunftspläne Nach dem Auftritt habe ihr die jüngere Schwester gesagt, sie müsse unbedingt weiter machen. Das mache ihr Mut, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

(Bild: Benjamin Manser)

(Bild: Benjamin Manser)

Vor wenigen Tagen hat sie die Musical- und Schauspiel-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. «Meine Zukunft ist ungewiss. Ich werde mich an verschiedenen Orten bewerben und an Castings teilnehmen. Zudem muss ich einen Job suchen, um mich finanziell über Wasser halten zu können», sagt sie – und träumt davon, an einer der grossen Bühnen im deutschsprachigen Raum eine Rolle zu bekommen oder für einen Spielfilm engagiert zu werden. Bei einer kleinen Rolle des Knie-Jubiläumsfilms, der im Herbst ausgestrahlt wird, konnte sie bereits Filmset-Luft schnuppern.