Die Grabser Glocken läuteten früher mehr und länger

Früher warnten die Kirchenglocken unter anderem vor Unwetter oder bei Feuer. Heute läuten die Glocken in Grabs weniger.

Alexandra Gächter
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Die Grabser Kirchenglocken läuten ab Montag 30 Minuten weniger lang pro Woche.

Die Grabser Kirchenglocken läuten ab Montag 30 Minuten weniger lang pro Woche.

Bild: PD

Die Reformierte Kirchgemeinde Grabs-Gams passt das Geläut den heutigen Ansprüchen an. Seit längerem wird an den Wochenenden um 6 Uhr nicht mehr geläutet. Zum Gebet und vor Beerdigungen wird zudem neu nur noch drei anstatt fünf Minuten geläutet. Ausserdem entfällt das Betläuten um 19 Uhr am Vortag von Sonn- und Feiertagen. Insgesamt läutet die Grabser Kirche ab Montag, 13. Januar, 30 Minuten weniger lang pro Woche. Über weitere Reduktionen des Geläutes wird derzeit diskutiert (siehe Titelseite).

Trotz der Reduktionen möchte die Reformierte Kirchgemeinde Grabs-Gams bewusst an einigen Läutzeiten der jahrhundertealten Tradition festhalten und unterstreicht damit den tieferen Wert des Glockenklangs. So wird beispielsweise werktags weiterhin an das Morgengebet erinnert.

Die Glocken werden unterschiedlich eingesetzt

Die Grabser Kirche gilt als eines der ältesten Gotteshäuser der Region, wie die Kirchenvorsteherschaft der Reformierten Kirchgemeinde Grabs-Gams in ihrer Mitteilung festhält. Ab 1901 wurde die ursprüngliche Kirche, welche um 1500 entstanden sein dürfte, grundlegend umgebaut. Neben das neogotische Kirchenschiff wurde 1917 der heutige Glockenturm gesetzt. Zuerst läuteten noch die Glocken aus dem Jahr 1869, bis diese schliesslich durch das heutige fünfstimmige Geläut ersetzt wurden. Gegossen wurden die Glocken im Jahr 1935 in Staad bei Rorschach. Am 13. Dezember desselben Jahres wurden sie in den mächtigen Kirchturm aufgezogen. Das Geläut in Grabs besteht aus fünf Glocken – der grossen Glocke, der Betglocke, der mittleren Glocke, der Sturmglocke und der kleinen Glocke. In die Glocken sind ausgewählte Bibelverse gegossen, welche dem Geläut eine spezielle Bedeutung und Aussage zuweisen (siehe Kasten). «Der Klang erinnert den Hörer an einen bestimmten Gedanken oder eine Geisteshaltung», schreibt die Kirchenvorsteherschaft. Zudem unterscheiden sich die Glocken in ihrer Tonhöhe. Entsprechend werden die verschiedenen Glocken unterschiedlich eingesetzt.

Betglocke erklingt nun immer um 19 Uhr

Die Betglocke ertönt morgens um 6 Uhr (Morgengebet) und abends (Abendgebet). Sie erinnert die Bewohner, den Tag mit Gott zu starten und ihn im Alltag in allem Tun an ihrer Seite zu wissen. Neu erklingt die Betglocke abends um 19 Uhr, während sie bislang je nach Jahreszeit früher oder später geläutet wurde. Zudem schwingt die Betglocke eine Stunde vor dem sonntäglichen Gottesdienst, damit man sich rechtzeitig auf den Weg zur Kirche macht.

Eine besondere Bedeutung kommt den Glocken bei Beerdigungen zu. Bereits früher verkündete ihr Klang der Gemeinde, ob ein Mann, eine Frau oder ein Kind beigesetzt wurde. War es damals die Reihenfolge des gesamten Geläuts, das es zu erkennen gab, läutet heute je eine Glocke als Zeichen jeweils zwei Stunden vor der Abdankung. Für einen Mann erklingt die mittlere Glocke (f’), für eine Frau wird die einen Ton höhere g’-Glocke geläutet und für ein Kind die kleine b’-Glocke.

Reformierte Einwohner werden nachmittags, katholische vormittags beerdigt. Ertönt also die g’-Glocke um 8 Uhr vormittags, so weiss man, dass um 10 Uhr eine katholische Frau beerdigt wird. Läutet um 12 Uhr die f’-Glocke, so findet die Abdankung eines reformierten Mannes nachmittags um 14 Uhr statt.

Die Sturmglocke zur Warnung vor Unwetter oder bei Feuersbrunst wird schon länger nicht mehr eingesetzt, wie die Kirchenvorsteherschaft in ihrer Mitteilung schreibt. Ohnehin wurde früher weit mehr und länger geläutet. Zu Zeiten als noch ein Leichenzug vom Haus des Verstorbenen zur Kirche stattfand, wurde dieser auf einem beachtlichen Teil der Strecke durch das Trauergeläut begleitet. Die Glocken waren von Hand mit Seilen zu bedienen, was bei Vollgeläut sechs Mann benötigte.