Die Gefahr ist noch nicht gebannt

Das konstant hohe Waldbrandrisiko rechtfertigt das Feuerverbot weiterhin. Die Feuerwehren Gams und Sennwald bereiten sich derweil auf allfällige Brände vor.

Bianca Helbling
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An der Blockhütte bei der Feuerstelle im Ranserholz hängt ein Plakat, das auf das Feuerverbot aufmerksam macht. (Bild: Heini Schwendener)

An der Blockhütte bei der Feuerstelle im Ranserholz hängt ein Plakat, das auf das Feuerverbot aufmerksam macht. (Bild: Heini Schwendener)

Auch wenn die Sonne inzwischen weniger heiss strahlt, ist die Waldbrandgefahr nach wie vor gross. Das Ende Juli vom Regierungsrat erlassene totale Feuerverbot bleibt bestehen (W&O vom 20. August). Dies unter anderem, weil der fehlende Niederschlag und die überdurchschnittlich hohen Temperaturen zur Austrocknung der Streu und des Oberbodens führten. Selbst vereinzelte Regengüsse konnten die Waldbrandgefahr nicht grundlegend senken, denn dafür wäre ein ergiebiger Landregen von mehreren Tagen nötig.

Dies bestätigt Jörg Hässig vom Kantonsforstamt St. Gallen. «Bestenfalls würde eine Niederschlagsperiode mit sanftem Regen beginnen, damit der ausgedörrte Boden Zeit hat, aufzuweichen und die Flüssigkeit aufzunehmen. Bei Platzregen und Unwettern läuft das Wasser oft oberflächlich ab, was schlimmstenfalls in Murgängen oder überfluteten Kellern enden kann.» Der kantonale Führungsstab berät laufend über die Situation und versucht, die Brandgefahr aktuell zu beurteilen. Dabei wird, so Hässig, neben Messstationen und der Auswertung von Meteodaten auch die Einschätzung und Erfahrung der regionalen Förster miteinbezogen.

Die vereinzelten Gewitter des Wochenendes führten zwar dazu, dass das Waldbrandrisiko etwas sank, für eine Aufhebung des Feuerverbots reicht es jedoch nicht. Hinsichtlich der etwas kühleren Wetterphase ab kommendem Wochenende wird ein mögliches Ende des Feuerverbots im Freien in Betracht gezogen. Keiner Diskussion bedarf es dagegen bezüglich des Feuerverbotes in Wald und Waldesnähe.

Lokale Unterschiede im Werdenberg

Auch Andreas Eggenberger, Betriebsleiter der Forstgemeinschaft Grabus (Buchs, Grabs, Sevelen) steht hinter dem Feuerverbot. «Seit dessen Inkrafttreten ist die Waldbrandgefahr in der Gegend sogar leicht angestiegen und Humus und Krautschicht sind noch trockener geworden. Der Wald hat zudem den Nachteil, dass es der Niederschlag meist nicht bis auf den Boden schafft, sondern von den Baumkronen abgefangen wird.»

Dennoch ist die Trockenheit in seinem Einsatzgebiet nicht überall gleich akut. Neben den lokal unterschiedlich grossen Niederschlagsmengen spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Eggenberger erklärt: «Der Grabser Nordhang beispielsweise ist aufgrund der Schattenlage in einer weniger prekären Lage als der Voralpbereich, wo sich viel Blockschutt befindet.» Dennoch ist die Waldbrandgefahr im gesamten Gebiet der Forstgemeinschaft Grabus beträchtlich. Auch hier hoffen die Förster auf einige Tage kontinuierlichen Regens, um die Lage zu entschärfen.

Ein geringer Teil der Bevölkerung scheint das Brandrisiko zu unterschätzen. Laut Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei, wurden vergangenes Wochenende im Kanton 13 Fälle registriert, in denen das Feuerverbot missachtet wurde. Daraus resultierten drei Verzeigungen. Rezzoli bemerkt: «Viele Leute waren in den Ferien, als das kantonale Feuerverbot erlassen wurde, und haben schlicht nichts mitbekommen. Anderen ist nicht bewusst, dass auch weggeworfene Zigaretten im Wald oder das Anzünden von Kerzen und Kohlegrills bereits unter das Verbot fallen.»

Feuerwehren proben den Ernstfall

Der fehlende Niederschlag macht sich nicht nur in der Dürre bemerkbar, sondern auch im tiefen Grundwasserpegel. Die Feuerwehren Gams und Sennwald haben deshalb am Montagabend eine gemeinsame Übung abgehalten, in der sie Wasser aus offenen Gewässern statt Hydranten entnehmen mussten. Mittels Tanklöschfahrzeugen wurde das Wasser vom Simmisämmler zum Gamserberg transportiert. Die Übung, bei der rund 60 Mitglieder der beiden Feuerwehren beteiligt waren, dauerte etwa zwei Stunden. Gemäss Jürg Wohlwend, Feuerwehrkommandant von Sennwald, stellte die Hitze die grösste Herausforderung dar. «Wir haben zwar Maschinen, aber unsere Leute müssen Schlauchleitungen legen, mit Motorspritzen hantieren und schweres Material schleppen. Diese Tätigkeiten bei 30 Grad, in voller Feuerwehrmontur und angesichts der zusätzlichen Hitze eines Waldbrandes auszuführen, ist ein Knochenjob. Unsere Mannschaften haben die Übung sehr gut gemeistert, aber sie waren danach ausgepowert.»

In der Realität wütet ein Waldbrand wohl mehr als zwei Stunden, weshalb nach Ablauf dieser Zeit für eine Ablösung der Feuerwehrleute gesorgt werden müsse. Auch Wohlwend unterstützt das Feuerverbot, insbesondere im Wald. «Gestern haben wir gesehen, dass alles extrem trocken ist. Trotzdem möchte ich der Bevölkerung meinen Dank aussprechen. Bisher hält sich die Mehrheit wirklich an das Verbot und wir hatten noch keinen Einsatz. Ich hoffe sehr, dass dies so bleibt».