Die Frümsnerin Christina Hunziker ist eine kreative Frohnatur

Ein eigenes Lädeli war nie das Ziel von Christina Hunziker. Doch Puzzleteil für Puzzleteil fügte sich zusammen, so dass sie heute den Atelierladen «Gschenkli Zauber» in Frümsen betreiben kann.

Andrea Müntener-Zehnder
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Christina Hunziker liebt es, kreativ zu sein. (Bilder: Benjamin Manser)

Christina Hunziker liebt es, kreativ zu sein. (Bilder: Benjamin Manser)

Mitten in Frümsen an der Durchgangsstrasse weist eine von Hand beschriftete Tafel auf den «Gschenkli Zauber» hin. So gut sichtbar wie die Tafel am Strassenrand ist das Atelier von Christina Hunziker nicht. Eine verwinkelte schmale Strasse führt ein paar Meter bergwärts. Dort liegt versteckt das alte Bauernhaus und unmittelbar nebenan ein renovierter Stall. Sofort werden die Blicke der Besucher gefangen genommen: Blumen und Pflanzen in verschiedenen Farben und Grössen wachsen in Töpfen und im Garten rund um das Bauernhaus, das Zuhause von Christina Hunziker und ihrer Familie. Auch verspielte Vogeltränken aus Beton und kunstvolle Werke aus rostigem Metall laden zum Verweilen und Träumen ein. Mit den einladenden Worten «Guten Morgen, hier bin ich – herzlich willkommen», begleitet von einem fröhlichen Lachen, wird die W&O-Mitarbeiterin aus ihren Träumereien gerissen.

Ein gemütliches Zuhause

Gemütlich an einem kleinen Tisch im Atelier sitzend, plaudert die 51-Jährige darauf los. «Dass in diesem Stall hier einmal mein Atelier und mein Lädeli beheimatet ist, war nicht geplant. Es ist einfach ein weiterer Schritt auf meinem Lebensweg.»

Christina Hunziker öffnet ihren «Gschenkli Zauber» fast täglich für einige Stunden.

Christina Hunziker öffnet ihren «Gschenkli Zauber» fast täglich für einige Stunden.

Aufgewachsen ist die Frohnatur im griechischen Korinth – ihr Vater ist Grieche – und in Mels. Bereits im Kindergartenalter zeigte sich ihre ausgeprägte Liebe zur Natur, insbesondere zu Blumen. «Ich konnte in einer Blumenwiese sitzen und mir ein Haarkränzli aus bunten Blumen zaubern. Mehr brauchte es nicht, ich war mit mir und der Welt zufrieden», erinnert sich die Lädeli-Inhaberin. Später besuchte sie das Lehrerseminar in Menzingen und schloss dieses mit dem Handarbeits-, Hauswirtschafts-, und Sportlehrerdiplom ab. Viele Jahre unterrichtet sie diese Fächer in Gams. Zusammen mit ihrem Mann Thomas bewohnte sie ein altes Bauernhaus in Frümsen, welches sie in Eigenregie Schritt für Schritt renovierten und ihren Bedürfnissen anpassten. «Es war eine Heidenarbeit. Wir beide waren mit einem Vollpensum als Lehrer tätig. Während Monaten steckten wir in der Freizeit all unsere Energie, Zeit und Geld in unser Daheim. Doch ich bereue es keine Minute, wenn ich sehe, was heute daraus geworden ist.» Tatsächlich, das Haus von Familie Hunziker – inzwischen gehören zwei erwachsene Kinder dazu – ist ein Schmuckstück. 200 Jahre alte Sichtbalken treffen auf sich nahtlos einfügende, moderne Elemente. In jeder Ecke sind liebevolle Details zu finden. Auf den ersten Blick ist erkennbar, dass hier eine kreative Person das Sagen hat. «Nicht nur ich bin kreativ. Ich habe das grosse Glück, dass mein Mann ebenso ein Bastler und Handwerker ist. Wir ergänzen uns ganz wunderbar», so Christina Hunziker.

Schritt für Schritt

Erst als ihre Kinder etwas grösser und tagsüber in Kindergarten oder Schule waren, begann Christina Hunziker wieder mit Unterrichten: «Ich mag Kinder einfach unglaublich gerne und liebe es, mit ihnen zu arbeiten.» Vor rund sechs Jahren entschloss sie sich, nebst Familie und Teilzeitjob einen Diplom-Lehrgang in Floristik zu besuchen. «Das war quasi der erste Schritt zum heutigen ‹Gschenkli Zauber›.» So fuhr ich jeden Montag nach Chur und drückte selbst die Schulbank. Dabei lernte ich sehr viel über meine geliebten Blumen und die Floristik allgemein.» Zu Hause übte sie das Erlernte und zeigte die Ergebnisse der Familie und ihren Freundinnen. Auch auf den sozialen Medien zeigte sie ein paar ihrer Werke. Das Echo liess nicht lange auf sich warten.

«Christina, zeigst Du uns, wie das geht? Machst Du mit uns einen Kurs?» Anfangs war sie etwas skeptisch, gleichzeitig aber sehr erfreut, dass ihre Arbeiten auf so grosses Interesse stiess. Zusammen mit ihrem Mann entschied sie sich, den zum Haus gehörenden, baufälligen Stall ebenfalls zu renovieren, um ihn als Kurslokal zu nutzen.

«Das war wohl der nächste Schritt, wenn auch ein gewagter. Denn ich wusste ja nicht, ob sich der Kurs als Eintagsfliege entpuppte.»

Ein weiterer Schritt – ein sehr wichtiger für die kreative Powerfrau – war die Firmengründung. «Ich wollte nichts Halbes oder gar Illegales. Darum gründete ich eine Einzelfirma. Mittlerweile bin ich im Handelsregister unter dem Namen «green45 - Christina Hunziker home decoration» eingetragen, damit alles mit rechten Dingen zu und her geht.» Warum «green45»? Welchen Bezug hat die Nummer 45 im Namen? Mit einem Augenzwinkern erklärt die Naturliebhaberin: «Das werde ich oft gefragt. Es ist keine Hausnummer. Green steht logischerweise für die Verbundenheit zur Natur, zu Naturmaterialien. Die Zahl 45 ist ganz pragmatisch gewählt, weil ich bei der Firmengründung 45 Jahre alt war.» Seit nunmehr sechs Jahren bietet «green45» Kurse und Workshops in ihrem rustikalem und doch liebevoll hergerichteten Atelier an.


Ausstellungen folgten auf Kurse


Christina Hunziker war immer bestrebt, ihren Kursteilnehmern ein breites Sortiment an Materialien zur Verfügung zu stellen. So hatte sie nach Beendigung der Kurse jeweils viel Material übrig, welches sie kurzerhand selbst zu kreativen Kunstwerken verarbeitete und vor der Haustüre verkaufte. «Das fand hier in Frümsen Anklang. Das Geld für die gekauften Geschenke legten die Leute ganz unkompliziert in den Briefkasten.»

Zahlreiche Materialien stehen den Kursteilnehmern zur Verfügung.

Zahlreiche Materialien stehen den Kursteilnehmern zur Verfügung.


Deko-Artikel aus rostigem Blech


Kompliziert machten es für Christina Hunziker erst die Fliegen, welche ihre «schwarzen Kunstwerke» auf den Geschenken hinterliessen. Die Machenschaften der Fliegen brachten Christina Hunziker schliesslich zur Idee, in ihrem Atelier Ausstellungen, inklusive Verkäufe, zu organisieren. Meist zu bestimmen Themen oder Jahreszeiten organisierte die engagierte Frau in ihrem Atelier farbenfrohe Ausstellungen, zusammen mit anderen kreativen Personen. So wurden an ihren Ausstellungen, nebst ihren eigenen Werken aus Holz, Beton oder der Floristik auch Glückwunschkarten, Genähtes oder Deko-Artikel aus rostigem Blech angeboten. Dass die Artikel handgefertigt waren, war der Atelier-Inhaberin wichtig.


«Mit der Zeit wurden die Ausstellungen immer grösser, nahmen immer mehr Raum ein. Der Anklang dieser zwei Tage dauernden Ausstellung war teilweise so gross, dass wir richtiggehend überrannt wurden. Es wurde mir fast zu viel. So hatte ich kaum mehr Zeit für den persönlichen Kontakt, die Gespräche mit den Kunden. Und genau das war und ist mir auch heute noch sehr wichtig», erzählt die Frümsnerin. Somit kamen die Gedanken für ein permanentes Lädeli auf.

«Ein Geschenk-Lädeli auf dem Land? Frümsen ist nicht der Nabel der Welt, denn Frümsen ist Frümsen», waren ihre anfänglichen Bedenken.


Das Gesamtpaket passt


Nach einiger Vorbereitungszeit wag-te Christina Hunziker den Schritt in das Neuland: Der Atelier-Laden «Gschenkli Zauber» wurde geboren. Zusammen mit einem kleinen Team an Frauen, welche auch wieder ihre kreativen Geschenke anbieten, organisiert sie ihren «Gschenkli Zauber», der fast täglich für wenige Stunden geöffnet ist. Somit hat die Inhaberin wieder vermehrt Zeit, sich den Besuchern zu widmen.
«Ich liebe es, wenn mir die Kunden erzählen, aus welchem Grund sie nach einem Geschenk Ausschau halten. So erfahre ich manchmal herzerwärmende Geschichten.» Die bewährten Workshops und kreative Kurse sowie die Ausstellungen mit Gastausstellern werden selbstverständlich weiterhin angeboten. Aber auch Neues hat in ihrem Atelier-Laden Platz. Ihr Konzept dafür ist offen und grenzenlos. «Grenzen macht man sich selbst. Ich muss einfach hinter dem Projekt stehen können», so ihre Devise. Getreu diesem Motto fanden in der letzten Zeit ein «Zauber Zmorgen» für Frauen oder auch die Rosenausstellung mit dem ersten Gastaussteller statt.


Unterricht an einem halben Tag


«Der ‹Gschenkli Zauber› ist für mich ein Herzensprojekt geworden. Ich bin überglücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Hier kann ich meinem geliebten Hobby nachgehen, habe Blumen um mich und kann kreativ sein und basteln. Zudem steht meine ganze Familie hinter mir, was ich nicht als selbstverständlich erachte.» Ganz so gut wie ihr und ihrer Familie geht es den Schützlingen ihres «anderen Projektes» nicht. Christina Hunziker unterrichtet rund einen halben Tag pro Woche das Fach Hauswirtschaft in einer sozialpädagogischen Jugendeinrichtung für Mädchen und junge Frauen.

Zuerst hatte Christina Hunziker Bedenken, in Frümsen ein Lädeli zu eröffnen.

Zuerst hatte Christina Hunziker Bedenken, in Frümsen ein Lädeli zu eröffnen.


«Auch das ist für mich ein Herzensprojekt. Vor rund einem Jahr war ich der Meinung, dass ich mit meinen 50 Jahren genug Reife und Lebenserfahrung besitze, um einer solchen Aufgabe gewachsen zu sein. Für mich ist dieses Unterrichten eine Ergänzung, ein Gegenpol und eine Herausforderung zu meiner bunten und fröhlichen Welt im Atelier. Mit diesen beiden Aufgaben und dem Unterrichten der Frümsner Primarschüler im Fach Handarbeit ist mein Rucksack gepackt. Damit fühle ich mich erfüllt und glücklich. Ich bin dankbar, dass mir diese Möglichkeiten Schritt für Schritt geboten wurden und mein Puzzle sich so zusammen gefügt hat.»