Die Energie Selbstbau Genossenschaft-Ost erhielt den Nachhaltigkeitspreis von Idee-Suisse

Aus den Händen von Idee-Suisse-Präsident Olaf Böhme durfte der Grabser Roger Rusterholtz als Präsident der Energie Selbstbau Genossenschaft (ESG-Ost) und sein Team den «Goldenen Nachhaltigkeitspreis» in Form eines goldenen Männchens samt Urkunde entgegennehmen.

Hanspeter Thurnherr
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Olaf Böhme überreicht Preis und Urkunde an das Team der ESG-Ost mit Präsident Roger Rusterholtz, Aktuar Jürg Nef, Vizepräsident Markus Huber und Geschäftsführer Xaver Dörig (von links).Bild: Hanspeter Thurnherr

Olaf Böhme überreicht Preis und Urkunde an das Team der ESG-Ost mit Präsident Roger Rusterholtz, Aktuar Jürg Nef, Vizepräsident Markus Huber und Geschäftsführer Xaver Dörig (von links).Bild: Hanspeter Thurnherr

Wie Böhme bei der Verleihung im NTB sagte, ist es der Idee-Suisse (Schweizerische Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement) wichtig, dass die Schweiz weltweiter Innovationsleader bleibt. Unter anderem erkennt sie mit Preisen die Umsetzung von Ideen in die Praxis an. NTB-Rektor Lothar Ritter sagte in seinem Grusswort, Idee-Suisse habe viel mit seiner Hochschule zu tun, denn Innovation und der Transfer von Ideen in die Praxis sei hier ein zentrales Thema.

Es braucht Verhaltensänderungen und technische Fortschritte

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann verwies in ihrer Rede auf Erfindungen, die heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind: kleine Dinge mit einer grossen Wirkung wie beispielsweise 1891 das Sackmesser, 1880 die Arterienklemme, 1872 der Geschirrspüler (durch eine Frau!) oder 1561 das Deutsche Reinheitsgebot für die Herstellung von Bier. Dies zeige, dass auch die Politik manchmal Nachhaltiges zustande bringe. «Wer weiss, wie einst die heutige Preisträger-Erfindung beurteilt würde?», schloss sie. Der Buchser Stadtpräsident Daniel Gut verdeutlichte, dass es in der Ökologie individuelle und gesellschaftliche Verhaltensänderungen ebenso brauche wie technologische Fortschritte. «Die ESG-Ost macht beides. Sie verdient deshalb Respekt und erfüllt uns mit Stolz», sagte er. Es gebe in der Region mit der Firma Brusa ein weiteres Beispiel für Pioniergeist und Innovation im Bereich Energie und Mobilität.

Laudator Jacques Kuhn zeichnete nach, wie und warum es zur Auszeichnung für ESG-Ost kam. So habe Roger Rusterholtz auf Einladung der Idee-Suisse in seinem Referat mit der «genialen Idee» der Selbstbaugenossenschaft überzeugt. Als Gemeinderat in Grabs habe er sich stark für nachhaltige Energie eingesetzt. Weiter bringe Xaver Dörig, der Geschäftsführer von ESG-Ost, ein breites theoretisches und vor allem praktisches Wissen mit, um die Genossenschaft zum Erfolg zu bringen. Die Feier war aber auch geprägt durch Referate zum Thema.

«Jeder soll sich eine Anlage leisten können»

Die Energie Selbstbau Genossenschaft Ost (ESG-Ost) wurde am 27. April dieses Jahres in Flawil gegründet und nahm unmittelbar darauf ihre Geschäftstätigkeit auf. Sie plant Fotovoltaik (FV)-Anlagen, füllt die benötigten Formulare aus, kauft das gesamte Material ein, übernimmt die Bauleitung und unterstützt die Bauherrschaft bei der Montage.
«Das Konzept der Selbstbaubeteiligung des künftigen Anlagenbesitzers hat sich gut bewährt. Denn die Möglichkeit, dass der Bauherr Helfer aus dem eigenen Umfeld organisiert, die durch die Bauleitung instruiert und gezielt eingesetzt werden, wurde stark genutzt. Die durch die ESG-Ost selbst erbrachten Montage-Stunden werden bei späteren Projekten vom Bauherrn abgearbeitet oder allenfalls vergütet», erklärt Präsident Roger Rusterholtz aus Grabs in seinem Referat anlässlich der Preisverleihung.

Bisher konnten bereits vier Anlagen im Kanton erfolgreich realisiert werden. «In Planung sind weitere sechs Anlagen, sodass die ESG-Ost bis Ende Jahr sehr gut ausgelastet ist», ergänzt Rusterholtz. Ist die ESG ein Konkurrent für Installateure? Rusterholtz verneint, denn nicht jeder wolle eine Anlage selber bauen, aber viele würden ohne ESG nicht bauen. «Wir sind eine Alternative und sorgen für einen verstärkten Bau von FV-Anlagen.»

Mit eindrücklichen Zahlen und Fakten verwies er auf die Notwendigkeit zur Energiewende. «Das CO2 in der Luft steigt stetig und damit auch die Temperatur. Und: 15,6 Milliarden Franken gehen in der Schweiz für fossile Energieträger weg. Deshalb müssen wir das Heizöl durch Wärmepumpen und bei der Mobilität das Benzin und den Diesel durch Strom ersetzen.» Weil auch der Strom aus Atomkraftwerken bis 2035 ersetzt werden müsse, brauche es einen deutlich rascheren Ausbau der erneuerbaren Energien. «Die Entwicklung bei der Sonnenenergie zeigt, dass wir noch nicht auf dem Weg sind. Die Fotovoltaik-Leistung müssen wir letztlich um das 25-fache (!) vergrössern. Die ESG-Ost will helfen, die Kosten von FV-Anlagen so weit zu senken, dass sich jeder Hausbesitzer eine leisten kann», verdeutlichte Rusterholtz.

Innovation fördern

«Wir fördern Mensch, Kreativität, Innovation.» Unter diesem Motto setzt sich die Idee-Suisse, die Schweizerische Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement und Preisstifterin des «Goldenen Nachhaltigkeitspreises», für den Transfer von Wissen in die Praxis ein. Denn für sie ist Innovation die Grundlage für Wachstum und Wohlstand. Seit 1981 verfolgt der Verband als Non-Profit-Organisation den Zweck, in Wirtschaft, Dienstleistung, Verwaltung und Politik den Nährboden für eine aktive Innovationstätigkeit aufzubereiten. Der Verband setzt sich für eine umfassende Ideen-, Wissens- und Innovationsführerschaft ein.