Gabriel Vetter im Fabriggli: Die einen mögen ihn – die anderen nicht

Kabarettist Gabriel Vetter schaffte mit seinem Auftritt im Fabriggli am Freitagabend eine ungewohnte Nähe zum Publikum mit seinen Familiengeschichten.

Heidy Beyeler
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Kabarettist Gabriel Vetter legt keinen Wert auf Schnickschnack: Auf der Bühne steht ein Hocker für ein Glas Wasser und er erscheint mit dem Alltags-«Häs».Bild Heidy Beyeler

Kabarettist Gabriel Vetter legt keinen Wert auf Schnickschnack: Auf der Bühne steht ein Hocker für ein Glas Wasser und er erscheint mit dem Alltags-«Häs».Bild Heidy Beyeler

Wen interessiert es, ob es im Publikum neben anderen Berufsvertretern auch Lehrer hat? Natürlich Gabriel Vetter. Warum? Weil er später am Abend auf das Thema Erziehung zu sprechen kommt. Es wunderte ihn nicht, dass sich einige Lehrer im Zuschauerraum befanden. «Es hat immer Lehrer da.»

Er steht da, in seinen Alltagsklamotten – schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans. Ungezwungen und lässig steigt er in sein Programm ein – mit eigenartigen Geräuschen, die er ins Mikrofon blökt, schnaubt, ächzt oder gar schreit. Sein Programm basiert auf Alltagsgeschichten aus seinem Leben, gespickt mit Pointen – zumindest bis zur Pause. Es sind Geschichten aus einem ganz normalen Leben, die ihm – wie vielen anderen Menschen auch – widerfahren; Geschichten, die eigentlich nicht komisch sind. Dabei spielen seine Freundin, die seine Frau und Schwedin ist, und sein vierjähriger Bub immer wieder eine Rolle.

Raffiniert Nähe zum Publikum aufgebaut

Es sind banale Geschichten, die der Kabarettist mit seiner Beobachtungsgabe und seinen Wahrnehmungen zugespitzt in Schaffhauser Mundart von sich gibt, «ob man ihn mag oder nicht». Teils wird Vetter (absichtlich) persönlich, was sein Privatleben anbelangt. Er versteht es allerdings, die Stories effektvoll auszuschmücken, sodass Argwohn entstehen kann, dass die dargestellten Situationen frisiert sind, indem er die Wirklichkeit mit seiner Fantasie anreichert. Manchmal scheint es, als ob Vetter dem Publikum die Haderniss zwischen sinnlos und wunderbar aufzeigen möchte. Und prompt entsteht bei der Zuhörerschaft ein Aha-Gefühl – nach dem Motto: «Das kenne ich doch», oder «das ist mir auch schon mal passiert».

Damit baut er gewollt raffiniert die Nähe zum Publikum auf und erzeugt damit unzählige Lacher. Erfolg erntete er vor allem mit pointierten Gegebenheiten, die ihm sein Bub unbewusst Tag für Tag liefert. Das macht die Begabung des Kabarettisten aus, «alltägliche» Situation auf ironisierende Weise darzustellen. Deswegen ist das aktuelle Programm empfehlenswert, sowohl für alle, die Lachen mögen, wie auch für Eltern. Gabriel Vetter vermag mit seinem Stand-up Programm «Hobby» der Gesellschaft den Spiegel des Alltagslebens in satirischer Manier vor die Nase zu halten.

Das schafft Gelassenheit. Gelassenheit, die dem Künstler ebenso guttäte, indem er sich auf der Bühne ab und an auch eine Atempause gönnen würde.

Lacher in der zweiten Hälfte eher zurückhaltend

Das Publikum im Fabriggli schien nach der Pause nicht überschwänglich begeistert zu sein über das Programm. Die Lacher waren in der zweiten Hälfte des Programms eher zurückhaltend. Besucher und Besucherinnen fühlten sich deshalb zum Teil unschlüssig, wie sie den Auftritt von Gabriel Vetter spontan beurteilen sollen.