Werdenberg

Naturbeobachtungen im November: Die einen Vögel fliegen fort, andere kommen her

Die Naturbeobachtungen vom November zeigen: Der nahende Winter treibt auch seltene Gäste in unsere Nähe.

Heidi Aemisegger, Edith Altenburger
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Das Gimpelpaar auf Nahrungssuche.

Das Gimpelpaar auf Nahrungssuche.

Bild: Fredy Buchmann

Wegen der schwarzen Kopfkappe und der rosaroten Brust des Männchens wird der Gimpel auch Dompfaff genannt. Sein kurzer Schnabel mit den scharfen Schneidekanten ist ein vorzügliches Instrument, um Knospen abzuzwicken, Schalen zu knacken und Samen herauszuschälen. Während der kalten Jahreszeit ist dieser Waldbewohner regelmässig in Ortschaften anzutreffen. Allerdings hat die Zahl der winterlichen Siedlungsgäste möglicherweise wegen der milderen, schneeärmeren Winter abgenommen.

Der Gimpel ist ein grosser, prächtig gefärbter Finkenvogel. Kappe, Gesicht, Flügel und Schwanz sind schwarz. Die Flügelbinde ist breit, weiss und auffallend weiss ist auch der Bürzel. Der Mantel des Männchens ist grau und die Unterseite kräftig hellrot. Das Gimpel-Weibchen ist in den Farben wesentlich weniger leuchtend als das Männchen, es hat einen bräunlich grauen Mantel und die Unterseite ist gedämpft beigegrau.

Im Gegensatz zu den meisten Vögeln trennt sich das Gimpelpärchen im Winter offenbar nicht. Ob es ein Leben lang zusammenbleibt, wie viele Forscher meinen, lässt sich schwer nachweisen.

Milde, blühende Novembertage

Anfang November blühen auf dem Kiesplatz hinter dem Haus unzählige wilde gelbe Löwenmäulchen, ein Naturgarten. Der offizielle Name lautet Gemeines Leinkraut. Es ist eine alte Heilpflanze und produziert eine grosse Menge Samen. Diese haben Spatzen und Meisen entdeckt. Zwei Tage lang pickt eine grosse Schar unermüdlich zwischen den Steinchen nach den, für Menschen unsichtbaren, Leckerbissen. Dann ist der Spuk vorbei.

Mitte November hüpft der kleine Zilpzalp zum letzten Mal in der alten Föhre von Zweig zu Zweig und pickt und pickt. Er ist viel kleiner als ein Spatz, jedoch lebhafter, kaum je ruhig. Seine Oberseite ist braun, die Unterseite verwaschen weiss, also unauffällig. Seinen Namen Zilpzalp singt er schon lange nicht mehr. Eigentlich sollte er nicht mehr hier sein, weg in Richtung Mittelmeer. Als Insektenfresser könnte er den Winter hier schwerlich überleben, höchstens an einem ungefrorenen Bachlauf mit frostfreiem Ufersaum. Vielleicht hat dieses Vögelchen den weiten Flug noch rechtzeitig geschafft.

Gesellige Schlossbewohner

Das Schloss Werdenberg ist geschlossen und dennoch belebt. Ein Schwarm Dohlen umfliegt es regelmässig, landet auf den Bäumen und schlüpft in die Nischen im alten Gemäuer. Ob es dieselben sind, die im Sommer dort gebrütet haben, ist leider nicht feststellbar.

Turmdohlen, wie sie auch genannt werden, sind schwarz mit grauem Kopf. Schnabel und Beine sind schwarz, im Gegensatz zu den bekannteren Alpendohlen mit gelbem Schnabel und roten Beinen. Im Schwarm fliegen sie auf abgeerntete Felder und Wiesen. Von weitem sind sie nicht zu unterscheiden von den Raben. Ihr freundlicher Ruf «kju-kju» ertönt oft in Schlossnähe.

Der Winter naht und bringt seltene Gäste

Der Schnee ist nicht mehr weit. Er treibt seltene Gäste in unsere Nähe. Einer davon ist der Gimpel. Man sollte meinen, dass ein so prächtiger Vogel wie der Gimpel leicht zu beobachten ist. Er lebt aber recht versteckt und verrät sich nun im Auenwald durch seinen weich flötenden «Djü»-Ruf.

So anspruchslos der Gesang des Gimpels in freier Natur ist, so trefflich versteht es der im Käfig grossgezogene Vogel, vorgepfiffene Lieder völlig getreu nachzuahmen.

Zur Nahrungssuche halten sich Gimpel oft paarweise im Gebüsch von Waldrändern oder Hecken, nicht selten auch neben Waldwegen auf. Gimpel sind sehr scheue Vögel, die sich schnell zurückziehen, wenn ein Mensch auftaucht.