Buchs: Andreas Knapp füllt die christliche Sprache wieder mit Leben

Ein Priester aus Deutschland referierte in der Herz-Jesu-Kirche in Buchs. Sein Vortrag wurde musikalisch begleitet von Uli Zeitler.

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Andreas Knapp bei seinem Referat in Buchs.

Andreas Knapp bei seinem Referat in Buchs.

Bild: PD

(pd) Wieso gibt ein Priester aus dem Erzbistum Freiburg im Westen Deutschlands seine Festanstellung als Leiter des Priesterseminars auf und zieht freiwillig in einen Plattenbau nach Leipzig in die ehemalige DDR, um dort gemeinsam mit drei anderen Männern in einer Gemeinschaft nach Charles de Foucauld zu leben? Das fragten sich die zahlreich erschienenen Zuhörer, die am Freitagabend in die Herz-Jesu-Kirche nach Buchs gekommen waren.

Den Alltag mit einfachen Menschen teilen

Was tun, wenn immer mehr Menschen der Glaube an Gott fremd geworden ist und religiöse Begriffe und Formulierungen nicht mehr verstanden werden? Andreas Knapp zog bewusst in ein Umfeld, in dem zu mehr als 80 Prozent Atheisten leben, nach Leipzig, einer Grossstadt der ehemaligen DDR, um dort gemeinsam mit einfachen Menschen zu leben und ihren Alltag zu teilen. Gemeinsam arbeiten, essen, sich austauschen an einem Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann über die Grenzen der Konfessionen und Sprachen hinweg. Die kleinen Brüder wollen nach ihrem Gründer bewusst mit einfacher Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Daneben engagieren sie sich in sozialen Brennpunkten, bei Flüchtlingen oder in Vereinen.

Improvisationen am Flügel von Uli Zeitler

Neben seiner bewusst gewählten Lebensweise hat sich Andreas Knapp aufgemacht, neue Worte für den Glauben zu finden und die christliche Sprache wieder mit Leben zu füllen. Er schafft neue Wortkreationen, spricht beispielsweise von den «Irrlichtern des Schmerzes» oder dem «Wundbrand des Zweifels». Die Besucher lauschten gebannt seinen Ausführungen und Gedichtrezitationen.

Zeit zum Nachhorchen boten die Improvisationen am Flügel von Uli Zeitler. Er liess die Zerrissenheit, die Sinnsuche, die Höhen und Tiefen des Lebens und des Glaubens noch einmal musikalisch erklingen.

Zeit für Gespräche

Im zweiten Teil im Pfarreisaal war Zeit, mit Andreas Knapp ins Gespräch zu kommen. Viele Zuhörer waren beeindruckt von seinem Lebens- und Glaubenszeugnis. Zahlreiche Bücher des Literaten wurden verkauft und Andreas Knapp konnte eine grosszügige Kollekte für die syrisch-orthodoxe Gemeinde nach Leipzig mitnehmen. Denn er setzt sich seit der Flüchtlingskrise für die Neuankömmlinge ein und will ihnen behilflich sein, ihr religiöses Erbe auch in der Fremde zu leben.