Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gamser Gemeindepräsident stellt zum Altersheimprojekt klar: «Die Bewohner bezahlen, nicht die Steuerzahler»

Wäre beim Alterswohnheim Möösli ein Neubau sinnvoller als die geplante Sanierung und Erweiterung des Altbaus? Der Gemeindepräsident bestreitet dies.
Interview: Thomas Schwizer
Fredy Schöb: «Die letzten 10 bis 15 Jahre wurden die Zimmer des Altbaus sukzessive wieder komplett saniert.» (Bild: Archiv W&O)

Fredy Schöb: «Die letzten 10 bis 15 Jahre wurden die Zimmer des Altbaus sukzessive wieder komplett saniert.» (Bild: Archiv W&O)

Kurz vor der Urnenabstimmung vom 19. Mai wird in Leserbriefen plötzlich Kritik an der Abstimmungsvorlage «Sanierung und Erweiterung Alterswohnheim Möösli» laut. Beispielsweise heisst es, es wäre sinnvoller, einen modernen Neubau zu realisieren, statt in den Altbau aus dem Jahr 1857 zu investieren. Auch finanziell wäre es langfristig sinnvoller, statt in das alte Gebäude in einen Neubau zu investieren, wird ins Feld geführt. Die finanzielle Situation würde dies zulassen. Der W&O hat Gemeindepräsident Fredy Schöb mit der Kritik konfrontiert, insbesondere mit der Aussage, dass die geplante 2,5-Millionen-Investition in den Altbau nicht sinnvoll sei.

Die Fensterflächen der Zimmer im über 160 Jahre alten Altbau sind kleiner als heutige Fensterflächen, die Zimmer haben nur eine Raumhöhe von zirka 2,1 Meter, wird kritisiert. Das entspreche heutigen Standards nicht mehr. Würde sich daran mit der aktuellen Vorlage etwas ändern?

Grundsätzlich gilt für so alte Bauten eine Bestandesgarantie, was Fensterflächen, Raumhöhen etc. betrifft. Natürlich wurde bei der Planung alles daran gesetzt, die Belichtung der Räume zu ver-bessern. Fensterflächen eines Wohn-, Schlaf- oder Arbeitsraumes müssen nach heutigem Baureglement der Gemeinde Gams mindestens 10 Prozent der Grundfläche des Raumes betragen, Küchen und Nassräume (WC etc.) dürfen innenliegend sein. Die Vorgaben aus dem Baureglement werden bei allen Zimmern – wenn teilweise auch nur knapp – eingehalten. Bei einigen Zimmern liegt der Anteil der Fensterflächen sogar darüber.

Der gemütliche Charakter wird geschätzt

Dann wird die eher niedrige Raumhöhe der bestehenden Zimmer also mit dem Ausbauprojekt nicht geändert?

An der Raumhöhe kann tatsächlich nichts geändert werden, da bei der letzten grossen Sanierung die betonierten Decken an die Höhen der bestehenden Geschosse angepasst wurden. Viele Bewohner des Alterswohnheims Möösli schätzen aber den gemütlichen Charakter sowie den Charme der Zimmer im Altbau und hätten wohl wenig Verständnis, wenn wegen der fehlenden Raumhöhe in den Bewohnerzimmern das Haus abgebrochen würde. Für Bewohner, die mehr «Luft nach oben» möchten, werden die acht neuen Bewohnerzimmer im Dachgeschoss auch höchste Ansprüche erfüllen.

Der Realisierung zusätzlicher Zimmer im Dachgeschoss des Altbaus (Bildmitte) des Alterswohnheims Möösli erwächst kurz vor der Abstimmung Widerstand. Kritiker propagieren nun einen Neubau. (Bild: PD)

Der Realisierung zusätzlicher Zimmer im Dachgeschoss des Altbaus (Bildmitte) des Alterswohnheims Möösli erwächst kurz vor der Abstimmung Widerstand. Kritiker propagieren nun einen Neubau. (Bild: PD)

Wie ist die Bausubstanz des Altbaus aus dem Jahr 1857?

1981 wurde der Altbau fast vollständig ausgekernt. Die gemäss Denkmalpflege des Kantons St. Gallen schützenswerte Struktur des gestrickten Holzbaues von 1857 war dannzumal offensichtlich in einwandfreiem Zustand. Ansonsten hätten die Verantwortlichen wohl kaum die Fassade mit einer Wärmedämmung versehen und mit einem Eternit-Schirm geschützt. Die Umbauarbeiten der Zimmer in den letzten 10 bis 15 Jahren brachten keine Mängel zum Vorschein. Bauphysikalisch hat der Wandaufbau in den letzten knapp 40 Jahren einwandfrei funktioniert. Deshalb wird auch davon ausgegangen, dass beim Ersatz der Fassade keine Schäden an der Substanz vorgefunden werden. Tatsächlich erfüllt der Altbau aus dem Jahr 1857 durch die Sanierung von 1981 auch die heute geforderte Erdbebensicherheit.

Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach

Wie sieht es bezüglich der Energieeffizienz des Altbaus aus?

Die Energiestadt Gams hat bei der Planung auch ein grosses Augenmerk auf die Energieeffizienz gelegt. Durch die energetischen Verbesserungen am Altbau (der gesamte Heizenergieverbrauch von Alt- und Neubau wird um mehr als 30 Prozent reduziert) sind vom Kanton St. Gallen rund 90000 Franken an Fördergeldern gesprochen worden. Ausserdem produziert die neue Fotovoltaik-Anlage auf dem neuen Dach rund 30 Prozent des aktuellen Stromverbrauches von Alt- und Neubau.

Es wird kritisiert, dass es nicht sinnvoll sei, auf so einem alten Gebäude einen neuen Dachtrakt zu realisieren. Wie stellt sich der Gemeinderat zu dieser Kritik?

Bevor sich der Gemeinderat Gams für die vorgeschlagene Variante von Sanierung und Erweiterung entschieden hat, wollten auch wir diese Frage geklärt haben. Unter anderem musste auch die Statik überprüft werden, ob die minimale zusätzliche Mehrlast, die der neue Dachtrakt mit sich bringt, die altbewährte Unterkonstruktion aufnehmen kann. Die Tragfähigkeit wurde uns von einem Fachingenieur bestätigt.

Wie ist der Zustand der Infrastruktur im Altbau?

Wie vorgängig bereits erwähnt, stammt die Bausubstanz aus dem Jahr 1857. Mit der Komplettsanierung vor knapp 40 Jahren wurde auch die Infrastruktur (Leitungen usw.) ersetzt. Die letzten 10 bis 15 Jahre wurden die Zimmer des Altbaus sukzessive wieder komplett saniert, die Investition über diese 10 bis 15 Jahre lag bei zirka 1,2 Millionen Franken. Bei dieser Ausgangslage ist der Gemeinderat einstimmig der Meinung, dass sich eine Sanierung mit zusätzlicher Erweiterung auf jeden Fall lohnt. Zudem würden mit einem Abriss des Altbaus die erwähnten Investitionen auf einen Schlag vernichtet.

Nun wird angeregt, besser den alten Trakt abzureissen und auf dem angrenzenden gemeindeeigenen Land einen Ersatzbau statt des Altbaus zu realisieren. Was meint der Gemeinderat zu diesem Vorschlag?

All die vom Gemeinderat geprüften Varianten habe ich an der Bürgerversammlung angesprochen und aufgezeigt. Ebenfalls werden sie in der Abstimmungsbroschüre erwähnt. Wenn wir uns bei der angesprochenen Anregung nur auf einen Neubau mit 23 Pflegezimmern als Ersatz des jetzigen Altbaus konzentrieren, dann werden die Kosten auf zirka 9 Mio. Franken geschätzt. Da es sich bei dieser Vorlage nicht um eine Investition handelt, welche aus Steuergeldern bezahlt wird, sondern die anfallenden Investitions- und Amortisationskosten von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterswohnheims beglichen werden müssen, ist eine Investition von 9 Millionen Franken absolut nicht tragbar.

9 Millionen Franken wären nicht tragbar

Finanziell könnte sich die Gemeinde Gams einen Neubau leisten, wird nun moniert. Was sagt der Gemeinderat zu diesem Argument?

Ich wiederhole es: Da es sich bei dieser Vorlage nicht um eine Investition handelt, welche aus Steuergeldern bezahlt wird, sondern die anfallenden Investitions- und Amortisationskosten von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterswohnheims beglichen werden müssen, ist eine Investition von 9 Millionen Franken absolut nicht tragbar.

Offenbar gibt es bezüglich der Vorlage aber bei einigen Bürgerinnen und Bürgern noch offene Fragen.

Um noch offene Fragen zu beantworten, können sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger jederzeit gerne bei mir oder einem Gemeinderatsmitglied melden. Zudem gibt die Abstimmungsbroschüre ebenfalls umfassende Informationen über das Projekt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.