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Holzarbeiten im Werdenberg:
Die Bäume fallen für die Sicherheit

Derzeit werden vielerorts Bäume gefällt – es ist Hauptsaison der Holzernte. Wie alle Jahre wieder, stossen die Holzarbeiten auf grosse Aufmerksamkeit und sorgen nicht selten für Fragen oder gar Kopfschütteln.
Jessica Nigg
Derzeit kommt einiges an Holz zusammen. Es ist Hauptsaison der Holzernte. (Bild: Jesica Nigg)

Derzeit kommt einiges an Holz zusammen. Es ist Hauptsaison der Holzernte. (Bild: Jesica Nigg)

Der Winter ist zwar fast vorbei, trotzdem werden viele Bäume nie mehr grün ausschiessen, denn überall wird jetzt gefällt und gelichtet. Viele Spaziergänger und Naturliebhaber schmerzt der Anblick frisch gefällter Bäume und derer Strünke.

Den meisten Menschen fallen die Holzschläge wohl auf ihrem Arbeitsweg entlang der Autobahn auf. Links und rechts verschwinden immer wieder grössere Baumgruppen. Besonders auffällig war ein Rodung vor einem Jahr bei der Autobahnausfahrt Haag. Aktuell fällt unter anderem ein «sehr gelichtetes» Stückchen Wald auf der Bergseite der Autobahnausfahrt Sevelen auf.

Hier, bei der Autobahnausfahrt Sevelen wurde kräftig geholzt. Das Wäldchen erscheint um einiges lichter. (Bild: Jessica Nigg)

Hier, bei der Autobahnausfahrt Sevelen wurde kräftig geholzt. Das Wäldchen erscheint um einiges lichter. (Bild: Jessica Nigg)

Grosse Flächen sind betroffen

Der Wartauer Revierförster Ernst Vetsch wird öfters auf die aktuellen Arbeiten angesprochen:

«Die Leute fragen sich, ‹spinnen die jetzt total, die roden ja schon ganze Wälder!›.»

Im Moment sei die Situation tatsächlich auffallend; zur aktuellen Hauptsaison der Holzernte würden überdurchschnittlich grosse Flächen gerodet. «Manchmal finden die Arbeiten auf mehreren Hektaren Land statt», so Vetsch.

«Ist das wirklich nötig?»

Das fragen sich viele. «Ja», erklärt er. Dabei würden bei den aktuell miserablen Holzpreisen kaum Bäume aus wirtschaftlichen Gründen gefällt.«Viele Holzschläge dienen der Sicherheit und betreffen kranke und alte Bäume».

Auf diesem Inselchen zwischen Aus- und Einfahrt der A13 bei Sevelen stand früher ein dichtes Wäldchen. Aus Sicherheitsgründen wurden dort viele Bäume entfernt. (Bild: Jessica Nigg)

Auf diesem Inselchen zwischen Aus- und Einfahrt der A13 bei Sevelen stand früher ein dichtes Wäldchen. Aus Sicherheitsgründen wurden dort viele Bäume entfernt. (Bild: Jessica Nigg)

Dem Rhein entlang würden viele Rodungen zu Gunsten des Hochwasserschutzes getätigt. Auf der Autobahn sollen die Autofahrer bei Sturm nicht durch herabfallende Äste bedroht werden. Ausserdem gibt es viele Eschen, die den Befall mit der Baumkrankheit Eschenwelke nicht überlebt haben und nun gefällt werden müssen.

Wer den Eindruck gewinnt, sich der Wald entlang der Autobahn – so zum Beispiel auf Höhe der Heuwiese in Weite – verändert, hat richtig beobachtet. Ernst Vetsch bestätigt:

«Der Waldcharakter ist gebietsweise tatsächlich ein bisschen verloren gegangen.»

Wo früher Auenwälder standen, sind Ulmen verschwunden, Eschen kämpfen mit der Eschenwelke, Fichten sowie Weichhölzer wie Felben und Pappeln haben Mühe mit dem tieferen Grundwasserspiegel und auch Birken verjüngen sich nicht mehr von selbst, weil die natürlichen Gegebenheiten nicht mehr optimal sind.

Probleme gibt es auch mit Nielen und Brombeeren, die wegen des hohen Lichteinfalls wuchern und junge Bäume fast ersticken, deren Stämme verbiegen und Äste zum brechen können. «Mit Projekten mit Schulkindern und Arbeitslosen haben wir versucht, die Situation zu entschärfen, was aber gar nicht so einfach ist.»

Lichte Wälder mit freien Flächen

Hier stand bis vor einem Jahr noch ein Wäldchen. (Bild: Jessica Nigg)

Hier stand bis vor einem Jahr noch ein Wäldchen. (Bild: Jessica Nigg)

Der Werdenberger Wald der Zukunft wird wohl wieder ähnlich aussehen, wie in den 1940er-Jahren. «Damals gab es in der Region lichte Wälder mit offenen Flächen. Anstelle von Ulmen, Eschen, Fichten und Birken wird man häufiger Eichen und Waldföhren, sowie Nuss- und Kirschbäume sehen.

Ebenfalls gross im Kommen sind Akazien. «Die wachsen beinahe auf Beton», unterstreicht Vetsch deren Anspruchslosigkeit. Als sogenannte Neophyten (nicht einheimische Pflanzen) sind sie bei Ökologen nicht immer gern gesehen. Vetsch versteht die Vorbehalte, rechnet aber damit, dass man dereinst froh um diesen Lieferant sehr harten Holzes sein könnte.

Die Veränderung des Waldcharakters in der Region wird vorrangig auf natürlichem Weg stattfinden. Nach der Fällung zu hoher, alter oder kranker Bäume wird kaum mehr in den Lauf der Natur eingegriffen. Künstlich gefördert beziehungsweise gepflanzt werden eigentlich nur vereinzelt Bäume und Sträucher. So erklärt der Wartauer Revierförster:

«Mit gepflanzten Bäumen ist es immer schwieriger.»

Durch das künstliche Versetzen sind sie oft geschwächt. Wetterkapriolen können dann für hohe Ausfallsraten und finanzielle Einbussen sorgen. «Auf dem natürlichen Weg wachsen die Bäume dort, wo es passt. Das spart Zeit und Geld.»

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