Die Baubranche im Werdenberg kommt wohl mit blauem Auge davon

Obwohl gearbeitet werden darf, gibt es für das regionale Baugewerbe Einschränkungen. «Die Baubranche wird ein blaues Auge von der Coronakrise davontragen. Die Frage ist nur, wie tiefblau es wird und wann es wieder verheilt», sagt Verwaltungsrat Thomas Toldo von der Toldo Strassen- und Tiefbau AG in Sevelen.

Alexandra Gächter
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Wer die geltenden Hygieneregeln auf dem Bau einhalten kann, darf derzeit weiterarbeiten.

Wer die geltenden Hygieneregeln auf dem Bau einhalten kann, darf derzeit weiterarbeiten. 

Thomas Schwizer

Die Coronakrise trifft die Baubranche nicht so hart wie anderes Gewerbe. «Wir sind froh, dürfen wir noch arbeiten», sagt Thomas Toldo, Verwaltungsrat der Toldo Strassen- und Tiefbau AG in Sevelen. Dennoch gibt es Einschränkungen. Zum Beispiel wenn ein schweres Objekt angehoben werden muss, das nicht von einer Person alleine getragen werden kann. Vor der Coronakrise ging man einander zur Hand.

«Dieses Hand-in-Hand-Arbeiten oder eben Zur-Hand-Gehen ist jetzt nicht mehr erlaubt.»

So bleibt nichts anderes übrig, als einen Kran zu bestellen, der das Objekt hebt. Das Problem: Auf diesen Kran muss man unter Umständen warten.

Mehrere Pausencontainer haben dank grösserer Baustelle Platz

Zu Wartezeiten kommt es auch infolge der neuen Pausenregelung. Während früher die Bauarbeiter zur selben Zeit Pause machen durften, kommt es derzeit vor, dass sie die Pause gestaffelt vornehmen. Teilweise kann dies umgangen werden, indem zusätzliche Pausencontainer auf den Baustellen aufgestellt werden. So hat es auch die Firma Toldo AG gemacht. «Da wir grössere Baustellen haben, ist das bei uns gut machbar», sagt Geschäftsführer Patrick Hedinger. Auch andere organisatorische Änderungen mussten vorgenommen werden. «Wir halten uns dabei streng an die Hygiene-Empfehlungen des Seco und der Suva», sagt Geschäftsführer Patrick Hedinger. 

«Wir haben keine Arbeit vorrätig»

Während einige Unternehmen sich derzeit mit Homeoffice oder Take-away behelfen können, ist das Baugewerbe auf das handwerkliche Arbeiten vor Ort angewiesen. «Wir haben keine Arbeit die vorrätig ist oder die wir für das Lager produzieren können. Wenn ein Baustopp verordnet wird, dann wären unsere Mitarbeiter effektiv daheim ohne Arbeit», sagt Patrick Hedinger, Geschäftsführer von der Firma Toldo AG in Sevelen.

Zum Glück sei die Baubranche nur am Rande von der Coronakrise betroffen. Gearbeitet werden darf noch. Auch die Projekte und die benötigten Baumaterialien gehen dem Tiefbau noch nicht aus. Zu Hamstereinkäufen seitens anderer Baugeschäfte sei es nicht gekommen. «Dennoch haben unsere Lieferanten angekündet, dass es Mitte April zu Lieferengpässen kommen könnte», so Patrick Hedinger.

Bekäme die Firma Toldo AG benötigte Baumaterialien nicht mehr, läge der Entscheid beim Bauherr, ob er alternative Materialen, die sich in Preis oder Eigenschaft von den offerierten unterscheiden, toleriere oder ob die Baustelle still steht.

Wie bei einem Wanderzirkus

Organisatorisch muss die Baubranche einen Mehraufwand leisten. Das beginnt bereits am Morgen früh. Statt dass sich die Mitarbeiter zusammen im Werkhof treffen, fahren sie mit ihrem Privatauto direkt zu der Baustelle. Jeder sucht in der Nähe der Baustelle einen Parkplatz. «Das sieht aus wie bei einem Wanderzirkus», sagt Verwaltungsrat Thomas Toldo von der Toldo Strassen- und Tiefbau AG. Neu ist auch, dass die Firma Toldo für fliessendes Wasser auf all ihren Baustellen gesorgt hat. Patrick Hedinger:

«Die Hauseigentümer zeigen sich tolerant und gewähren uns Zugang zu der Wasserleitung.»

Früher wuschen sich die Bauarbeiter die Hände mit Wasser aus Kanistern. Neu ist auch, dass es auf jeder Baustelle Hygieneboxen mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln gibt. Damit wird auch Werkzeug desinfiziert.

«Lieber umständlich arbeiten als gar nicht»

Die grösste Einschränkung für das Baugewerbe ist aber die Ineffizienz, die durch Wartezeiten entsteht. «So machen die Kranführer versetzt Pause. Der eine zum Beispiel um 9 Uhr, der andere ungefähr um 9.30 Uhr. So steht der Kran dann eine Stunde still», sagt Thomas Toldo. Diese und etliche andere kleine Verzögerungen, die sich summieren, können nicht weiterverrechnet werden.

Gejammert wird deswegen aber nicht. Im Gegenteil: «Umständlich zu arbeiten ist immer noch besser, als gar nicht», bringt es Toldo, der auch Präsident des regionalen Baumeisterverbandes ist, auf den Punkt. «Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht, die Baubranche wird ein blaues Auge von der Coronakrise davontragen. Die Frage ist nur, wie tiefblau es wird und wann es wieder verheilt.»