Die Aspekte der Kommunikation stehen im Fokus des Werdenberger Jahrbuchs 2019

Das Werdenberger Jahrbuch 2019, zum zweiten Mal mit neuem Layout und neuer Redaktion, bietet über das Fokusthema hinaus eine grosse Vielfalt von Leseanreizen.

Sarah Mehrmann
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Das neue Layout und angepasste Konzept hat überzeugt, sodass auch die 32.Ausgabe des Werdenberger Jahrbuchs in gleicher Konzeption erscheint. Der Fokusteil widmet sich dieses Jahr der Kommunikation. In elf Beiträgen werden Kommunikationsmedien, -arten und -anlässe auf ganz unterschiedliche Weise beleuchtet.

Elf Autorinnen und Autoren stellen das Werdenberg ins Zentrum, scheuen aber den offenen Blick über die Regionsgrenzen nicht. So beispielsweise im Beitrag über einen wichtigen Vermittler im Appenzeller Grenzstreit.

Die richtige Kommunikation im Streitfall

Im Leben des Grabsers Matheus Eggenberger (1823–1895) spielte die Kommunikation – oder genauer noch die Vermittlung – eine grosse Rolle. Wohl mit dem Bewusstsein, dass er für damalige Grabser Verhältnisse Aussergewöhnliches erlebt hatte, schrieb er zwei Jahre vor seinem Tod seine Lebenserinnerungen auf. Diese befinden sich im Ortsarchiv Grabs.

Die Historikerin Clara Müller suchte nun für ihren Beitrag im Werdenberger Jahrbuch Originalzitate aus diesen Lebenserinnerungen heraus, die deutlich machen, welche wichtige Tätigkeit das Dolmetschen für Eggenberger war und welche Rolle er als Vermittler im Appenzeller Grenzstreit hatte. Neben den bedeutendsten Stationen in seinem Leben beleuchtet die Autorin auch den historischen Kontext dieser Zeit. Und so ist der Appenzeller Grenzstreit des 19.Jahrhunderts im Kontext des Kulturkampfes zwischen Liberalen und Konservativen zu verorten. In der Schlichtung dieses Grenzstreites, der vor allem einen religiösen Hintergrund hatte, wurde Eggenberger in seiner Rolle als Bezirksrichter in eine Schätzungskommission gerufen.

Dieses im Werdenberger Jahrbuch detailreich beschriebene Beispiel zeigt auch auf, welche Bedeutung eine neutrale Vermittlung in einem Streitfall haben kann.

Kommuniziert wird überall, auch die Meinung beeinflussend

Kommunikation ist aus keinem unserer Lebensbereiche wegzudenken. Die unterschiedlichen Ansätze in den Texten verdeutlichen dies. So untersucht die Medienwissenschaftlerin Martina Sochin D’Elia dies anhand des 1923 entstandenen Zollvertrags zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Nicht nur das Zustandekommen dieses Abkommens brauchte eine angemessene Kommunikation zwischen den zwei Staaten, auch danach kommt es beispielsweise durch Tageszeitungen zu einer Kommunikation mit der Bevölkerung und dadurch auch zu einer Meinungsbeeinflussung.

Martina Sochin D’Elia zeigt dies anhand von den Zollvertragsjubiläen. Dabei untersucht sie die unterschiedliche Wahrnehmung auf beiden Seiten des Rheins. Es wird deutlich, dass die Liechtensteiner Medien diesen Jubiläen viel mehr Raum und damit auch Wert beimassen, als dies auf der Schweizer Seite der Fall war.

Frauen in der Privatheit, Männer in der Öffentlichkeit

Die Frage, ob Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren, untersucht Linda Märk-Rohrer. Die Autorin geht von der Tatsache aus, dass Frauen in den öffentlichen Ämtern im Werdenberg immer noch untervertreten sind. Hängt dies vielleicht damit zusammen, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit anders darstellen als Männer? Wie viel hat das historische Konzept, dass Frauen in der Privatheit und Männer in der Öffentlichkeit verordnet sind, damit zu tun?

Die genannten Beispiele sind nur ein kleiner Einblick in den gesamten Fokus. Das Buch ist konzipiert, um durchgeblättert zu werden. Plötzlich springt ein Bild, eine Überschrift oder ein Textausschnitt ins Auge und lädt zum Verweilen ein. Es soll keine Last für die Leserin und den Leser sein, sondern Lust machen, immer wieder darin zu schmökern.

Meditative Bildstrecke und Blick in den Orient

Gleichwertig zum Fokus findet sich im Werdenberger Jahrbuch das Panorama. Dieses Gefäss beinhaltet einige wiederkehrende Rubriken wie beispielsweise das «Objekt des Jahres» oder das «Werdenberger Kulturschaffen» – dieses Jahr mit einer Ehrenurkunde aus dem Jahr 1897 und mit einem Porträt über die Ballettpädagogin Fabienne Reich. Weiter soll das Panorama aktuellen Themen aus der Region Platz bieten – sowohl wissenschaftlichen Aufsätzen als auch anderen spannenden Beiträgen. Visuell beeindruckend ist dieses Jahr die Bildreportage von Edith Noser. Sie nennt sie «Margelchopfmeditation». Die Kindergartenlehrerin wanderte im Juni 2018 jeden Tag auf den Margelchopf. Auf ihrem Weg Richtung Gipfel hat sie täglich an denselben Stellen Fotos gemacht. Eindrücklich kann man nachvollziehen, wie der Sommer ganz langsam auch in den Bergen seinen Platz beansprucht oder wie ein See je nach Wetter in unterschiedlichen Farben erscheinen kann.

Anlässlich einer von Dezember 2018 bis April 2019 stattgefundenen Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich beschreibt der Kurator Axel Langer das Leben des Gamser Teppich-Kaufmanns Emil Alpiger. Dieser schön illustrierte Beitrag gibt Einblick in die Geschäftstätigkeiten und -stationen Alpigers und entführt in eine fremde Welt. Den Abschluss macht wie üblich die Jahreschronik mit einem Rückblick der Werdenberger Gemeinden und den Verstorbenen.

Hinweis
Alle Bilder sind aus dem Werdenberger Jahrbuch 2019. Detaillierte Bildnachweise finden sich im Buch.

Werdenberger Jahrbuch 2019. Kommunikation. Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg (Hg.), Verlag Format Ost, Schwellbrunn 2019.