Vor 50 Jahren stürzte nach heftigem Gewitter die Altendorfer Mühlebrücke in Buchs ein – die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz

Vor 50 Jahren ging auf der Alp Malschüel ein heftiges Gewitter nieder, dessen Auswirkungen in Buchs so wie kaum je zu spüren waren.

Hansruedi Rohrer
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Die zerstörte Mühlebrücke Altendorf anlässlich des Hochwassers vom 30. Juli 1970.

Die zerstörte Mühlebrücke Altendorf anlässlich des Hochwassers vom 30. Juli 1970.

Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer

Es war am Donnerstag, 30. Juli 1970, als sich ein äusserst heftiges Gewitter über der Alp Malschüel entlud. Die daraus folgenden überaus starken Regenfälle liessen den Tobelbach (Buchserbach) zu einem wilden Wasser werden. Im Quartier Altendorf schwemmte er die talseits gelegenen Widerlager der Mühlebrücke weg, so dass der Übergang einstürzte. Schliesslich trat der Bach bei der Zwirnerei Grob über die Ufer. Einwohner des Quartiers und Gemeindearbeiter entfernten das angesammelte Schwemmholz und sorgten zusammen mit der Feuerwehr Buchs dafür, dass sich das Ereignis nicht zu einer noch grösseren Katastrophe ausweitete.

Glücklicherweise wies der Buchserbach bis zum Kiessämmler ein relativ grosses Gefälle auf. So wurden die Wassermassen fortgeschwemmt. Gleichzeitig sammelte sich aber auch ziemlich viel Geschiebe an, welches den Sämmler zu füllen vermochte.

Braune Brühe und viel Geschiebe im Kiessammler, in der Mitte ist noch die Basalt-Transportseilbahn zu sehen.

Braune Brühe und viel Geschiebe im Kiessammler, in der Mitte ist noch die Basalt-Transportseilbahn zu sehen.

Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer

Auch der Giessen führte Wasser in bedrohlichem Masse. Es fehlten zum Beispiel bei der Brücke nur noch 20 Zentimeter. Im Rheinauquartier und im Neugut kam es infolge Rückstau zu Kellerüberflutungen. Auch im unteren Teil der Buchserbergstrasse entstanden grosse Schäden.

Wasseralarm für die Feuerwehr

Die Feuerwehr Buchs stand an jenem denkwürdigen Tag ab 16 Uhr bis 1 Uhr nachts in pausenlosem Einsatz. Es war ein Kampf mit Trax, Bagger und Menschenkraft gegen diese Naturgewalten. Selbst in der Nacht konnten rund 300 Kubikmeter Geschiebe aus dem Buchserbach gehoben werden.

Das Geschiebe im Buchserbach musste rasch entfernt werden.

Das Geschiebe im Buchserbach musste rasch entfernt werden.

Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer

Die Gefahr hielt auch am Freitag noch an. Dies veranlasste den Gemeinderat, am Nachmittag eine Sondersitzung abzuhalten, um über die zu treffenden Sofortmassnahmen zu beraten. Unter anderem wurde beschlossen, eine stabile Notbrücke bei der Mühle Altendorf zu erstellen, die mit bis zu 16 Tonnen befahren werden konnte. Auch musste das talseitige Wuhr vom Weiher bei der Zwirnerei Grob aufwärts bis zur Mühle Senn neu gebaut werden.

Der damalige Feuerwehrkommandant Heinrich Guntli hatte seine Eindrücke dieser Unwetterkatastrophe niedergeschrieben. Unter anderem hielt er fest:

«Bei der Ankunft im Feuerwehrhaus sah man, wie das Wasser im Kiesfang des Buchserbaches unheimlich rasch anstieg. Das mitgeschwemmte Holz aller Art verstopfte den Abfluss des Giessens. Es wurde sofort der Abfluss freigemacht, Holzstämme, Stöcke und eine ganze Tanne mussten so gut es ging durch die Schleuse dirigiert werden.»
Das vom Unwetter aufgerissene Strässchen beim EW-Maschinenhaus Tobeläckerli.

Das vom Unwetter aufgerissene Strässchen beim EW-Maschinenhaus Tobeläckerli.

Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer

Uferschutz im Altendorfer Quartier

Heinrich Guntli verlegte sein Arbeitsgebiet als Feuerwehrkommandant sodann zur Mühle Altendorf. Dort nagte das Wildwasser schon unaufhaltsam an den Ufern des Baches. «Es wurden einige Tannen gefällt und als Uferschutz eingebaut», berichtete er weiter. «Dazu brauchte man noch ganz grosse Steine und Sandsäcke zur Belastung. Es erfolgte ein Aufgebot diverser Lastwagen und eines Traxes, um die schweren Steine von den Depots im Rhein zur Baustelle zu bringen, ebenso wurde Sand vom Kieswerk L. Frei bezogen. Der grösste Uferschutz wurde bei der Mühle erstellt, bei der Liegenschaft Walter Vetsch, Steg zur Schenkenalp, und im Garten der Zwirnerei Grob sind weitere Tannen als Uferschutz eingebaut worden. Um ca. 1.00 Uhr war die Sache, soweit man voraussah, gesichert.»

Eine Woche nachdem Unwetter stand bereits die Notbrücke (Bild) mit bis zu 16 Tonnen Tragkraft.

Eine Woche nachdem Unwetter stand bereits die Notbrücke (Bild) mit bis zu 16 Tonnen Tragkraft.

Das Wasser suchte sich einen neuen Weg

Doch es erfolgte schon bald ein erneuter Hilferuf der Zwirnerei Grob. Das Wildwasser suchte sich einen neuen Weg an der Zwirnerei vorbei. Dort reichte das Wasser schon bis zu 10 Zentimeter an die Fenster. Nach mehrstündiger Arbeit war die Gefahr gebannt, und der Rest der Feuerwehrleute konnte um 5.30 Uhr entlassen werden.

Quelle: Werdenberger & Obertoggenburger, 1970