Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland
Die Absprache bei Kreisgerichtswahl funktionierte nicht

Im Schatten der zweiten Wahlgänge und der nationalen Abstimmungen haben am vergangenen Wochenende die Kreisrichterwahlen stattgefunden. Es folgt wohl ein zweiter Wahlgang. Der Salezer Thomas Santschi tritt noch einmal an zur Wahl als Laienrichter.

Hans Bärtsch
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Ein Platz als nebenamtlicher Richter konnte am Sonntag noch nicht besetzt werden.

Ein Platz als nebenamtlicher Richter konnte am Sonntag noch nicht besetzt werden.

Bild: PD

Am letzten Wochenende haben die Kreisrichterwahlen stattgefunden – und endeten mit einer Überraschung: Der parteilose Stadtner Mauro Thoma (23) wurde gewählt, je ein SVP- und ein SP-Vertreter müssen in den 2. Wahlgang (der W&O berichtete).

Was es sonst selten gibt, wurde bei den Wahlen der Laienrichter des Kreisgerichtes Werdenberg-Sarganserland wieder einmal praktiziert: Von links bis rechts spannten die politischen Parteien zusammen und präsentierten dem Stimmvolk neun Kandidatinnen und Kandidaten für zehn Sitze – sieben Bisherige und zwei Neue. Gemäss der Parteienstärke waren dies drei Vertretungen der SVP und je zwei von SP, CVP und FDP. Als Zehnte im Bunde trat die parteilose Charlotte Widrig aus Bad Ragaz an, die erst 2019 in einer Ersatzwahl gewählt worden war.

Parteiloser überflügelte SVP- und SP-Vertreter

Mauro Thoma

Mauro Thoma

PD

Überraschend schaffte Thoma, der Kaufmann EFZ und Student der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der HSG St.Gallen (HSG), die Wahl gleich im ersten Anlauf. Mit 8658 Stimmen blieb er über dem absoluten Mehr in der Höhe von 8506 Stimmen. Aber er überflügelte sowohl den SVP-Vertreter Hans Peter Portmann aus Bad Ragaz (8292) wie den SP-Vertreter Thomas Santschi (8156).

Das Werdenberg ist momentan im Nachteil

Pia Zurbrügg

Pia Zurbrügg

Bild: Urs Baerlocher

Es wird wohl einen zweiten Wahlgang geben, der am 7. März 2021 über die Bühne geht. Thomas Santschi (Salez) habe sich bereits entschieden, nochmals anzutreten, weiss die Buchserin Pia Zurbrügg, Präsidentin der SP Werdenberg. Sie erachtet dies als umso wichtiger, als das Sarganserland nach dem ersten Wahlgang sechs Sitze habe und das Werdenberg nur drei – eine recht ungleiche Verteilung. Dass sich mit Santschi ein Handwerker zur Verfügung stelle, sei ebenfalls nicht ganz unbedeutend. Denn es herrsche noch immer verbreitet die Meinung vor, es brauche einen juristischen Background für ein Laienrichteramt. Dabei sei gerade das explizit nicht der Fall.

Auf der schwierigen Suche nach einer Erklärung

Weshalb der Walenstadter Thoma die Wahl geschafft hat, SP-Kandidat Santschi aber nicht, kann sich Zurbrügg nur bedingt erklären. Parteilose Kandidaten würden ganz generell «ziehen» und den etablierten Parteien das Leben schwer machen, äussert sie eine allgemeine Beobachtung.

Eine Aussage, die natürlich auch mit der eingangs erwähnten Wahl Widrigs im vergangenen Jahr zu tun hat. Damals übertrumpfte die Bad Ragazerin den SP-Kandidaten Fredy Morgenthaler aus Grabs. Zurbrügg bezeichnet es jedenfalls als «schade», dass die Rechnung von SP, CVP, FDP und CVP nicht aufgegangen sei. Das Motto «Parteien unterstützen Parteien» könne an der Wahl am 7. März kaum mehr zur Anwendung kommen.