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Deutscher Koch erfindet «oberschlauen» Pfandtrick - Das Kreisgericht straft ihn ab

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland sprach einen Mann schuldig, der Gasflaschen geklaut und das Depot eingesackt hat.
Reinhold Meier
Geklaute Gasflaschen machte der Koch zu Geld.Bild: Nana do Carmo

Geklaute Gasflaschen machte der Koch zu Geld.Bild: Nana do Carmo

Mels Kleinvieh macht auch Mist, dachte sich wohl der in Grenznähe wohnende B-Aufenthalter. Dies, nachdem er erkannt hatte, dass es für eine der Fünf-Kilo-Gasflaschen satte 65 Franken Pfand gibt.

Bei 100 Flaschen wären das schon 6500 Franken, kalkulierte er wohl. Also liess er sich in Tschechien so genannte Depot-Karten ausstellen, die belegen sollten, dass er die Flaschen rechtmässig erworben hatte. Dazu legte er gefälschte Dokumente vor, die ihn als Mitarbeiter einer Firma auswiesen, die mit solchen Gasflaschen handelt.

Gefälschte Depotkarten

Danach brach er etwa fünf- bis sieben Mal bei einer Transportfirma der Region ein, um an die gesuchten Pullen zu kommen. Dazu kletterte er jeweils nach Mitternacht über einen zwei Meter hohen Zaun, begab sich ins Flaschendepot der Firma, wuchtete sein Diebesgut auf dem Rückweg über die Hürde und verstaute es schliesslich in seinem Wohnmobil. An den folgenden Tagen suchte er dann diverse Geschäfte im Fürstentum Liechtenstein, im Werdenberg und im Sarganserland auf, um die Flaschen retour zu geben. Dabei legte er die gefälschten Depotkarten vor und erhielt anstandslos «sein» Depot zurück. Wenn er mehrere Flaschen retour gab, gab er sich auf Nachfrage als Chef eines Catering-Unternehmens aus, das halt einen hohen Verbrauch habe.

Bei den Taten dilettantisch vorgegangen

Geschnappt wurde er beim letzten seiner Einbrüche um 3.52 Uhr. Zu dem Zeitpunkt hatte er 117 der 120 geklauten Flaschen bereits zu Geld gemacht und 7605 Franken ergaunert. Drei Flaschen konnte die Polizei sicherstellen. Die Anklage warf ihm jeweils mehrfachen Diebstahl, Hausfriedensbruch, Betrug und Urkundenfälschung vor. Dafür wollte sie eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken, bedingt auf drei Jahre sowie einen fünfjährigen Landesverweis. Sie machte geltend, dass der Beschuldigte zudem wegen mehreren groben Strassenverkehrsdelikten und wegen Verstoss gegen das Waffengesetz schuldig zu sprechen sei.

Der Mann selbst hat die Vorwürfe in der Hauptsache an Schranken anerkannt. Sein Verteidiger forderte denn auch eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken wegen Diebstahls, bedingt auf drei Jahre. Auf einen Landesverweis sei zu verzichten. Wegen der Delikte in Sachen Waffengesetz, Hausfriedensbruch und Betrug sei er freizusprechen, auch weil die gefälschten Dokumente bei genauer Kontrolle als solche erkennbar gewesen wären.

Seltsame Art von «Raub»

Der Dilettantismus seines deliktischen Vorgehens blitzte auch in einer «Raub-Sache» auf, die derweil zwar eingestellt wurde, aber zur Sprache kam. Dabei hatte der Mann zu einem Vorstellungsgespräch eine Spielzeugwaffe mitgenommen, um nicht mit leeren Händen zurück zu fahren, falls es mit der neuen Stelle nichts werden sollte. Er wurde tatsächlich abgelehnt, begab sich daraufhin in die Stadt, merkte irgendwann, dass Sonntag war und alle Läden geschlossen, nahm schliesslich einen Kiosk ins Visier und lungerte so lange herum, bis ihn die von aufmerksamen Nachbarn alarmierte Polizei festnahm.

Strafmass der Anklage, aber kein Landesverweis

Das Gericht sprach ihn in der Hauptsache schuldig und verhängte das von der Anklage geforderte Strafmass. Auf den Landesverweis hat es verzichtet, obschon Diebstahl verbunden mit Hausfriedensbruch einen solchen eigentlich nach sich zieht. Ein Härtefall lag nicht vor. Deutsche unterliegen aber dem Freizügigkeitsabkommen und das Bundesgericht hat noch nicht abschliessend geklärt, ob in solchen Fällen ein Landesverweis opportun ist. Den Schadensersatz von rund 11000 Franken, namentlich für die geklauten Flaschen, hat der Mann dem Grundsatz nach anerkannt. Die Verfahrenskosten belaufen sich auf rund 12000 Franken, macht zusammen – rein theoretisch – rund 350 Flaschen.

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