Deutlich mehr Medikament-Bestellungen per Mail in Räfis und Buchs

Die Coronakrise führt dazu, dass sich die Geschäftstätigkeit mit den Kunden für Apotheken und Drogerien in der Region Werdenberg geändert hat. Die Kontaktzeit ist kürzer geworden, es wird gezielter gekauft. Eine Rolle spielt dabei, dass vieles im Voraus per E-Mail bestellt wird und dann in der Apotheke rasch abgeholt wird.

Robert Kucera
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Der Gang in die Apotheke oder Drogerie steht Kunden offen, wenn Schutzmassnahmen eingehalten werden.

Der Gang in die Apotheke oder Drogerie steht Kunden offen, wenn Schutzmassnahmen eingehalten werden.

Bild: Heini Schwendener

«Wir haben die Öffnungszeiten angepasst und bieten nun auch einen Hauslieferdienst für Risikopatienten an», berichtet Jasmin Marquart von der Adler-Apotheke Bionova AG in Buchs. Wie die Apothekerin sagt, kommt diese Dienstleistung gut an, es sind jeden Tag ein paar Kunden, die man so versorgen kann.

Immer häufiger ist es auch so, dass Stammkunden einen Stellvertreter zur Adler-Apotheke schicken, um etwas abzuholen oder zu kaufen. Hat man ein Rezept, klappt dies einwandfrei. Nicht nur Familienmitglieder, auch Nachbarn oder Bekannte sind befugt, diese im Namen des Kunden abzuholen. Fehlt ein Rezept und besteht bei einem Medikament die Gefahr des Missbrauchs (Betäubungsmittel, Suchtmittel), wird zur Sicherheit den behandelnden Arzt und den Kunden angerufen, betont Marquart. Wichtig: Kinder dürfen keine Medikamente abholen.

Die Hauslieferung stellt kein Problem dar

In der Swidro Drogerie Räfis in Buchs, so sagt deren Inhaber Heinz Rothenberger, geht das meiste den gewohnten Gang. Die Kunden erhalten die gewohnte Beratung und mittlerweile ist die Drogerie wieder zu den üblichen Öffnungszeiten zurückgekehrt. Denn gleich zu Beginn der Coronakrise fielen zwei Mitarbeiter aus, da sie aufgrund einer Krankheit zur Risikogruppe gehörten. Zwei Wochen lang war das Geschäft von 12 bis 16 Uhr geschlossen. «Doch nun sind die beiden wieder gesund», freut sich Rothenberger darüber, wieder alle an Bord zu haben.

Die markanteste Veränderung ist, dass viele Kunden daheim bleiben und eine Stellvertretung in die Swidro Drogerie Räfis schicken. «Man kann bei uns aber auch anrufen oder mailen. Wir liefern es nach Hause, das ist kein Problem», spricht Rothenberger den neu geschaffenen Hauslieferdienst der Drogerie an. Jeden Tag nutzen ein paar Kunden diese Dienstleistung.

Eigene Gefässe mitbringen für Desinfektionsmittel

In der Adler-Apotheke Bionova AG in Buchs herrscht nach wie vor Vollbeschäftigung. «Uns geht die Arbeit nicht aus», versichert Apothekerin Jasmin Marquart. Nur hat sich das Tätigkeitsgebiet mehr in den Hintergrund verlagert. So wird nun mehr als üblich das hauseigene Desinfektionsmittel hergestellt. «Wir haben genug», sagt Marquart. An was es mangelt, seien aber Fläschchen. Die Kundschaft ist deshalb angehalten, eigene Gefässe mitzubringen.

In diesen Tag wird die Sicherheit natürlich gross geschrieben. Die Adler-Apotheke will seine Kunden aber auch seine Mitarbeiter schützen. «Von Anfang an trugen unsere Mitarbeiter einen Mundschutz und kamen nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit», erklärt Marquart.

Grosse Akzeptanz bei Verhaltensregeln

Bei der Kasse hat die Apotheke als eines der ersten Geschäfte in Buchs eine Plexiglasscheibe montiert. Diese habe man gerade noch rechtzeitig kaufen können, bevor dies durch weitere verschärfte Massnahmen des Bundes nicht mehr möglich war. Ausserdem wird darauf geachtet, dass in der weitläufigen Apotheke nie mehr als fünf Personen sind. Wird die Grenze überschritten, bittet man den Kunden, für eine Weile draussen zu warten. Die Reaktionen darauf waren durchwegs positiv: «Unsere Kunden sind alle sehr verständnisvoll», so berichtet Jasmin Marquart erfreut über die grosse Akzeptanz der Verhaltensregeln zum Schutz aller.

Doch es gibt Ausnahmen. Wie Marquart sagt, sei vielen Leuten noch nicht bewusst, dass ein Symptom reicht, um unter Coronaverdacht zu stehen. So klagten bereits einige über Husten und kamen in die Apotheke, um Hustensaft zu kaufen, statt sich zuerst an einen Arzt zu wenden. Besteht ein Verdacht, so wird der betroffene Kunde von der Adler-Apotheke auf die Wichtigkeit hingewiesen, sich in Selbstisolation zu begeben und den Hausarzt anzurufen. Ausserdem wird bei Bedarf das Informationsblatt des Bundesamts für Gesundheit zur Selbstisolation ausgehändigt.

Schutzmasken mehr gefragt als Desinfektionsmittel

Zum Schutz der Kunden und der Mitarbeiter hat die Drogerie Massnahmen ergriffen. An den drei Beratungsplätzen wurden Spuckschutzwände installiert. «Zudem haben meine Mitarbeiter von sich aus gesagt, sie wollen mit OP-Mundschutz arbeiten. Das habe ich gerne bewilligt», berichtet Rothenberger. Da die Räumlichkeiten recht gross sind, sei es auch kein Problem, den Mindestabstand zueinander und zum Kunden zu wahren.

Bei der Beratung, wenn der Mitarbeiter zum Produkt im Gestell geht, wird der Kunde angehalten ein paar Schritte zurückzutreten. «Dies klappt ausgezeichnet. Unsere Kunden haben die Massnahmen sehr gut angenommen», lobt Heinz Rothenberger. Weiter werden im Geschäft Türklinken und Tastaturen täglich mit Desinfektionsmittel gereinigt.

Hektik kam in der Swidro Drogerie Räfis in Buchs nur dann auf, wenn man sich die folgende Frage gestellt hat: «Wo können wir Schutzmasken auftreiben?» Bei diesem Produkt bleibt die Lage etwas angespannt, Masken sind immer noch wenig verfügbar. Rothenberger rechnet aber damit, dass nächste Woche in der Drogerie wieder welche auf Lager sein sollte.

Schutzmasken sind, wie der Geschäftsinhaber formuliert, derzeit gefragter als Desinfektionsmittel. Hier ging die Nachfrage wieder etwas zurück und es hat wieder genug. Es wird wieder geliefert und zum Teil stellte die Drogerie auch sein hauseigenes Desinfektionsmittel her.

Auch bei der Wahl der Produkte hat Heinz Rothenberger ein verändertes Kaufverhalten festgestellt. Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte sind sehr gefragt.

Gesund leben, gesund essen

Das Immunsystem zu stärken ist eines der Gebote der Stunde. «Normale und gesunde Ernährung reicht», sagt Jasmin Marquart (Adler-Apotheke Bionova AG). Nahrungsmittelergänzungen, die man in der Apotheke erhalte, machen dort Sinn, wo ein Mangel herrscht und nicht durch die Ernährung behoben werden kann. Wichtig in dieser Zeit sei gemäss der Apothekerin auch das Vermeiden von Stress. Denn dies schwäche das Immunsystem.

Der Tipp von Heinz Rothenberger (Swidro Drogerie Räfis): «Gesund leben, genug schlafen und nur wenig Genussmittel konsumieren.» Zudem könne man, um für seinen Körper das Maximum herauszuholen sowie mit Bakterien und Viren schneller fertig zu werden, Vitamine und pflanzliche Präparate zu sich nehmen. Rothenberger nennt in diesem Zusammenhang als gute Beispiele Immunbooster und Echinaforce.