Der Zauberteppich auf der Mattenschanze Kollersweid in Wildhaus wurde feierlich eingeweiht

Die Mattenschanze hat drei Änderungen erhalten. Neben der Aufstiegshilfe sind dies die neue kleine Schanze sowie eine neue Materialhütte.

Robert Kucera
Drucken
Teilen
Simon Ammann lässt zur Einweihung von Simi’s Zauberteppich die Korken knallen. (Bild: Robert Kucera)

Simon Ammann lässt zur Einweihung von Simi’s Zauberteppich die Korken knallen. (Bild: Robert Kucera)

Am Wochenende fanden auf der Mattenschanze Kollersweid in Wildhaus zwei Bewerbe der Helvetia Nordic Trophy, einer nationalen Wettkampfserie für Kinder, statt. Doch am Samstagabend wurde das Sportliche durch eine Einweihungsfeier arg in den Schatten gestellt. Denn die Anlage im Obertoggenburg ist um drei Schmuckstücke erweitert worden, was auch gebührend gefeiert wurde. So liess es sich der vierfache Olympiasieger Simon Ammann nicht nehmen, «Simi’s Zauberteppich» höchstpersönlich einzuweihen.

Doch auch sein ehemaliger Trainer Martin Künzle ist nun Teil der Mattenschanze. Nach ihm ist die neue K5-Schanze benannt, auf welcher künftig die neue Skisprung-Generation die ersten Sprünge zeigen wird. Ausserdem wurde «Köbi’s Hüttli» – benannt nach Mattenschanze-Betriebsleiter Köbi Willi – eingeweiht.

1000 Fronarbeitsstunden

Doch die neue Aufstiegshilfe überstrahlt alles. Der sportliche Nutzen des Lifts ist gross, die Inbetriebnahme stellt einen grossen Schritt dar. Für Paul Egloff, Präsident Verein Mattenschanze Wildhaus, ist mit der Inbetriebnahme des Zauberteppichs ein Traum in Erfüllung gegangen. «Wir reden seit 18 Jahren darüber, dass wir so was haben sollten.» Doch da die Skisprungschanze in einem eidgenössischen Moorschutzgebiet steht, war erst mal so manche Hürde zu meistern. Doch nach rund 1000 Fronarbeitsstunden steht das neue Schmuckstück, das circa 150000 Franken gekostet hat, endlich – und erhält einen prominenten Namen. «Walter Steiner wurde bereits geehrt mit den Namen für die grosse Schanze», verkündete Egloff am Samstagabend und fügte fast entschuldigend hinzu, dass Simon Ammann noch nicht verewigt sei. «Es hat leider keine grosse Schanze mehr für ihn – dafür die Aufstiegshilfe.» Zu Ehren des vierfachen Olympiasiegers heisst diese nun «Simi’s Zauberteppich».

Durchschnittliche Steigung von 40 Prozent

Die Vorzüge des Lifts liegen auf der Hand: «Man kann die Trainings effizienter gestalten, weil man nicht mehr hoch laufen muss. Die Skispringer machen mehr Sprünge. Sie sind ausgeruhter und können sich voll auf den Sprung konzentrieren», formuliert Paul Egloff, der auch noch einen Weltrekord zu verkünden hat: «Dieser Zauberteppich ist der steilste je montierte der Welt.» Für den Bau war sogar eine Spezialbewilligung des Schweizerischen Seilbahnenverbands nötig. «Denn normalerweise wird nur bis zu einer Steigung von 25 Prozent gebaut. Hier in Wildhaus weist die durchschnittliche Steigung 40 Prozent auf.»

«Das ist ein grosser Schritt für die Mattenschanze Wildhaus»

Dass der Zauberteppich seinen Namen trägt, so Simon Ammann, ehre in sehr. «Wir sind früher natürlich gerne rauf gelaufen», sagt er in seiner Rede und hat die Lacher auf seiner Seite. Im Frühling half «Simi» einen Tag mit, «aber das ist im Vergleich zu den Fronstunden, die andere geleistet haben, nur eine Kleinigkeit. Wichtiger aus seiner Sicht ist, dass der Nachwuchs nun bequem nach oben gelangt. «Das ist ein grosser Schritt für die Mattenschanze Wildhaus.»

Und eine absolute Notwendigkeit im internationalen Vergleich, wie Ammann betont. «Die jungen Athleten machen so mehr Sprünge und haben auch mehr Freude an dieser Sportart. Wir sind in der Schweiz darauf angewiesen, dass sich der Nachwuchs fürs Skispringen begeistern lässt und so der Sportart erhalten bleibt.» Ein weiterer Aspekt ist, dass man sich heutzutage viel früher für eine Sportart entscheidet. «Ich habe erst im Alter von zehn Jahren angefangen», erinnert sich Ammann. Der jüngste Teilnehmer der Helvetia Nordic Trophy am Wochenende hatte Jahrgang 2013. Für die Kleinsten ist die Aufstiegshilfe ein Segen. Ammann zieht einen Vergleich zu seinen Anfängen: «Wir haben unsere Ski zum Teil auf lustige Art und Weise hoch getragen.»

«Standort Wildhaus und der OSSV sind für die Zukunft gerüstet»

«Die Kinder sind mega happy, dass sie nicht mehr hoch laufen müssen», sagt Lukas Brügger, Chef Skispringen vom Ostschweizer Skiverband (OSSV) zufrieden. Bereits im Training, so hat er beobachtet, seien mehr Sprünge als auch schon gemacht worden. «Ich denke, so gibt es am Ende bessere Skispringer aus Wildhaus und auch aus der Schweiz», ist er überzeugt. Auch mit der Realisation der K5-Schanze zeigt er sich sehr erfreut. Um Anfängern die Angst zu nehmen sei dies ideal, «die 15er-Schanze sieht von unten schon brutal aus.» Mit den Neuerungen ist der OSSV wieder konkurrenzfähig und bereit, für den nächsten Simon Ammann aus dem Toggenburg. «Der Standort Wildhaus und der OSSV sind für die Zukunft gerüstet.»