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SMS warnt St.Galler Landwirte vor dem Wolf

Reisst ein Wolf ein Nutztier, können die Landwirte im Kanton St.Gallen rasch über ein SMS der Fachstelle Herdenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum informiert werden.
Katharina Rutz
Dieser elektrische Zaun schützt die Ziegen vor dem Wolf. (Bild: Sven Baumgartner)

Dieser elektrische Zaun schützt die Ziegen vor dem Wolf. (Bild: Sven Baumgartner)

Der Wolf ist sehr mobil und legt in kurzer Zeit weite Strecken zurück. Seit 2012 lebt zudem am Calanda an der Kantonsgrenze zwischen St.Gallen und Graubünden ein Rudel. Seit der Gründung des Rudels konnten 46 Jungtiere registriert werden. Dominik Thiel, Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, sagt:

«Viele davon konnten durch das genetische Monitoring nachgewiesen werden, als abgewandert, als überfahren oder als gewildert.»

Aufgrund der Präsenz des Grossraubtieres mussten in den letzten Jahren auf Bauernhöfen und Alpen im Kanton Verluste an Nutztieren verzeichnet werden. Dominik Thiel verfügt über Zahlen seit 2014. Am meisten Risse durch Wölfe an Nutztieren gab es im Jahr 2015. Es waren 19. Am wenigsten gab es bisher mit 8 Rissen letztes Jahr. Insgesamt gab es seit dem Jahr 2014 64 von Wölfen gerissene Nutztiere.

Spezielles Programm konzipiert

Selbstverständlich sollen trotz der Präsenz des Wolfes weiterhin Schafe und Ziegen gealpt werden können. Für Landwirte lohnt es sich also, frühzeitig Massnahmen zum Schutz der Herden zu ergreifen. Dabei erhalten die Bauern Unterstützung von der Fachstelle Herdenschutz, die sich am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez befindet.

Risse an Nutztieren durch Wölfe im Kanton St.Gallen

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Während der letzten vier Jahre hat der Fachstellenleiter Sven Baumgartner zusammen mit IT-Spezialisten ein speziell auf den Herdenschutz massgeschneidertes Programm entwickelt. Damit lassen sich einerseits Fotos und Dokumente von Beratungen und Rissen archivieren und andererseits können Tierhalter bei Angriffen durch Raubtiere rasch per SMS über die Gefahr informiert werden. Grundlage sind die Informationen des Landwirtschaftsamtes, wo alle Tierbesitzer ihre Tiere melden müssen. Die Kontaktinformationen werden automatisch in das Herdenschutzsystem übertragen. «So sind rund 4000 Adressen hinterlegt», sagt Sven Baumgartner. «Wichtig ist, dass der Tierhalter seine Tiere auch gemeldet hat und die aktuellen Telefonnummern hinterlegt sind.» Ansonsten laufen die Tierhalter Gefahr, im Ernstfall nicht informiert zu werden.

Tierhalter werden über SMS informiert

Bei einem Wolfsriss beispielsweise, der von einem der kantonalen Wildhüter bestätigt wurde, kann Sven Baumgartner so innert Kürze über SMS alle Tierhalter der Region darüber informieren. Sie können dann ihre Tiere schützen, sie beispielsweise nachts in den Stall treiben oder ihre Zäune überprüfen oder verbessern. «Wir beschränken uns dabei auf eine regionale Information, weil wir nicht jedes Mal den ganzen Kanton aufwühlen wollen», sagt Sven Baumgartner.

Gerüchte werden nicht weiterverbreitet

Auch Fussspuren von Wölfen oder Sichtungen, die von der Wildhut bestätigt werden, hat Sven Baumgartner schon so an die Tierhalter weitergegeben. Bei einem Wolfsriss von einem Reh oder Hirsch allerdings, wenn sich in der Gegend keine Nutztiere befinden, wird er unter Umständen kein SMS versenden. «Die Zusammenarbeit mit der Wildhut ist sehr gut. Es wird offen kommuniziert und nichts vertuscht», betont der Herdenschutzfachmann. Er wägt allerdings auch immer ab, ob eine Information der Tierhalter wirklich nötig ist oder nicht. «Am Calanda gibt es seit Jahren ein Rudel, dort muss nicht jede Beobachtung per SMS verbreitet werden – vor allem im Winter nicht», nennt er als Beispiel. Ziel des Informationssystems ist es nicht, jedes Gerücht zu verbreiten. Im Frühjahr bei beginnender Weidesaison hingegen wird öfter informiert.

«So können wir die Landwirte darauf aufmerksam machen, doch ihre Schutzmassnahmen zu überprüfen.»

Auch die Schafalpen des Kantons St.Gallen sind im Herdenschutzprogramm erfasst. Dabei gibt das System sowohl Auskunft über den Alpperimeter, das Weidesystem, die getroffenen Herdenschutzmassnahmen sowie den Bewirtschafter. «Sind Sofortmassnahmen nötig, wissen wir so genau, wo sich der Hirt mit einer Herde befindet und können ihm beispielsweise Zaunmaterial bringen oder hochfliegen lassen», erklärt Sven Baumgartner.

Ein wolfssicherer Zaun reicht

«Der Wolf ist ein Opportunist. Er lässt sich nicht gerne auf Gefahr ein», sagt Sven Baumgartner. Deshalb reicht laut Richtlinien zum Herdenschutz des Bafu ein mindestens 90 Zentimeter hoher Zaun, unter dem ein Wolf nicht durchschlüpfen kann, normalerweise aus, um ihn abzuhalten. «Wichtig ist, dass der Zaun unter Strom steht und in Bodennähe eine Litze aufweist», so Sven Baumgartner. Über einen Zaun springe ein Wolf in der Regel nicht, es gebe allerdings Ausnahmen. Sven Baumgartner berät die Landwirte, wie genau ein solcher Zaun auszusehen hat. Können die Nutztiere nicht eingezäunt werden, berät er auch zum Thema Schutzhunde.

Für den Landwirt ist der Nachweis seiner Schutzmassnahmen wichtig. Bei einem belegten Riss durch einen Wolf wird sein Tier nur entschädigt, wenn die geforderten Schutzmassnahmen umgesetzt wurden.

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